200 Jahre Fotografie

Noch mehr Ausstellungen zur Fotografie

Die Erfindung der Fotografie ist diesen Herbst Anlass für einen Reigen von Ausstellungen, die die Vielfalt des Mediums zeigen. Teil 2: vom sachlichen Porträt bis zur humorvollen Alltagsbeobachtung

Von WELTKUNST Redaktion
26.10.2026
/ Erschienen in WELTKUNST Nr. 260

Zwischenmenschlich

Le Bal Paris, bis 3. Januar

In einem ehemaligen Ballsaal in Paris hat sich Le Bal als unabhängiger Ort für Fotografie, Videokunst und neue Medien etabliert, der mit „The Space Between Us. In The Wilson Centre for Photography Collection“ erstmals eine einzelne Sammlung präsentiert. Gezeigt werden neben Nicholas Nixons „Elm Street, East Cambridge“ (1981) rund 120 weitere Prints von den 1920ern bis in die Gegenwart, darunter Namen wie Rineke Dijkstra oder Walker Evans. Im Zentrum steht dabei die komplexe Beziehung zwischen Fotograf und Dargestellten im Augenblick der Aufnahme. 

Vier Kinder werden in dieser schwarz-weiß Fotografie porträtiert, im Mittelpunkt eine Junge mit nacktem Oberkörper und sanftem Blick
Nicholas Nixon, „Elm Street, East Camebridge“, 1981. © Courtesy the artist

Back to the roots

Fotohof Salzburg, 2. Oktober bis 26. November

Ausgehend von der ersten erhaltenen Fotografie, dem 200 Jahre alten „Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras“ von Joseph Niecéphore Niépce, stellt der Fotohof in Salzburg die Frage: Was war am Anfang? Salzburger Fotografinnen und Fotografen sind eingeladen, jeweils ihr eigenes frühestes Werk auszustellen, sei es als Vintage oder als Rekonstruktion. Dabei darf im „Salon der Fotografie“ auch der Humor eine Rolle spielen. 

Die erste erhaltene Fotografie lässt wenig blicken, das verschwommen graue Bild deutet den Blick aus einem Fenster heraus nur an.
Niecéphore Niépce, „Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras“, 1826. © Harry Ransom Center’s Gernsheim collection, The University of Texas at Austin

Mein erstes Mal

Pavillon Populaire Montpellier, bis 1. November

Inkunabeln der Fotografiegeschichte – darunter die allererste Daguerreotypie, Werke von Margaret Cameron und Martin Parr – treffen in der Ausstellung „Premières Fois“ im Pavillon Populaire in Montpellier auf Bilder zeitgenössischer Fotokünstlerinnen und -künstler. Zum Beispiel dokumentiert die Britin Vinca Petersen mit „Le premier été de ma vie nomade“ von 1994 freie Party-Kultur und den ersten Sommer ihres Jahrzehnts als feiernde Nomadin. 

Intimes Portrait eines jungen Paares auf einem Festival, der Mann hält eine Miniatureisenbahn in die Kamera.
Vinca Petersen, „Le premier été de ma vie nomade“, 1994. © Courtesy the artist

Harte Kerle, zarte Seiten

Fotostiftung Schweiz Winterthur, bis 6. Dezember

Der Humor von Andri Pol erinnert an den seiner Schweizer Kollegen: den Fotografen Arnold Odermatt oder den sortierwütigen Künstler Ursus Wehrli. Alle drei lieben die realen Absurditäten des Alltags, haben ein untrügliches Gespür für Bildwitz – und ein Herz für zartbesaitete Helden wie den japanischen Sumoringer vor dem Training. Pol, Jahrgang 1961, gilt zudem als einer der besten Fotojournalisten seines Landes. Weshalb, das zeigt in Winterthur die Fotostiftung Schweiz in ihrer Soloschau „Poliversum“. 

Sumoringer bereitet sich auf den Wettkampf vor
Andri Pol, „Sumo“, 2001. © Andri Pol/Fotostiftung Schweiz

Zaubern in der Dunkelkammer

Tate Modern London, 14. Oktober bis 21. Februar

Von Anfang an beschäftigte sich Fotografie mit der Möglichkeit ihrer Manipulation. So beeinflusste der Piktorialismus im späten 19. Jahrhundert die Atmosphäre eines Motivs durch die Bearbeitung in der Dunkelkammer – und ist für die Tate Modern der Start der Kunstfotografie. „Light and Magic“ heißt ihre Schau in London mit über 200 Abzügen von 80 Künstlern, darunter Edward Westons „Shells“ (1927), und beleuchtet ein globales Phänomen, das bis heute nachwirkt. 

Schwarz-weiß Fotografie einer glänzenden Muschel
Edward Weston, „Shells“, 1927. © ate/VG Bild-Kunst, Bonn 2026

In weiter Ferne, so nah

Foam Amsterdam, bis 20. Januar

Nadav Kander ist ein exzellenter Porträtist, das hat er mit Aufnahmen von Keira Knightley, David Lynch oder Barack Obama hinlänglich bewiesen. Daneben sind im Foam in Amsterdam nun seine tiefgründigen Fotografien von Landschaften ausgestellt. Kander, 1961 in Israel geboren, aufgewachsen in Südafrika und jetzt in London zu Hause, erfasst überall in der Welt die Fragilität des Daseins in fantastischen Bildern: eine chinesische Familie, die unter monumentalen Konstruktionen am Fluss Jangtse weiter im Freien am Tisch sitzen will – oder eine Schwimmerin vor ihrem Sprung in Utahs riesigen Salzsee. 

Eine Frau steht auf einem Sprungbrett, jederzeit bereit in den großen See vor ihr zu springen.
Nadav Kander, „Diver, Salt Lake, Utah, USA“, 1997. © Nadav Kander/Courtesy Howard Greenberg & Flowers Gallery

Museales Fotomodell

Louvre Paris, 4. November bis 3. Mai

Die Venus von Milo, seit 1821 im Louvre, ist mit Seilen gesichert, im Hintergrund sieht man das leer geräumte Pariser Museum – 1939 unmittelbar vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aufgenommen, erinnern Fotografien von Marc Vaux und Laure Albin-Guillot an die Evakuierung europäischer Kulturschätze. „Louvre Photo“ in Paris inszeniert mit mehr als 300 Lichtbildern die berühmte Kunstinstitution als Fotomotiv und Inspirationsquelle und erzählt damit auch 150 Jahre Kunstgeschichte. 

Schwarz-weiß Fotografie der Skulptur Venus von Milo
Marc Vaux / Laure Albin-Guillot, „Mise en caisse de la Vénus de Milo avant évacuation“, 1939. © Marc Vaux/Laure Albin-Guillot/Dép. des Antiquités Grecques, Étrusques et Romaine/Musée du Louvre

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