Jubiläumsauktion bei Döbritz

Frankfurt im Rampenlicht

Zum 60. Jubiläum präsentiert das Frankfurter Auktionshaus Döbritz bedeutende Werke der Rhein-Main-Region. Die Malerin Eugenie Bandell steht besonders im Fokus

Von Michael Lassmann
05.10.2026

Die Geschichte des Auktionshauses Döbritz begann ganz bescheiden mit einer Versteigerung in einer Frankfurter Altbauwohnung, bei der die Auktionsobjekte noch über die Köpfe der Bieter in den dicht besetzten Stuhlreihen gehalten werden mussten, damit jeder noch einen letzten Blick darauf werfen konnte, bevor die Bieterschlacht begann. Die positive Resonanz der Kunden war von Anfang an ermutigend, und längst ist der Generalist zu einer Institution geworden, die aus dem Kunstleben der Bankenstadt nicht mehr wegzudenken ist. Seit inzwischen zwei Jahrzehnten leitet Anja Döbritz-Berti das von ihren Eltern gegründete Familienunternehmen, das nun mit der kommenden Auktion am 17. Oktober sein 60-jähriges Jubiläum feiert. Die Offerte ist mit über tausend Losen gewohnt vielseitig: Neben dem Schwerpunkt Fine Art finden sich Möbel, Silber, Uhren, Schmuck und was sonst noch bei Sammlern Begehrlichkeiten wecken mag. Die Auswahl an Künstlern ist epochenübergreifend und spiegelt auch die Tendenzen der internationalen Kunstzentren. Mit gleichem Engagement kümmert sich das Haus aber auch um die Pflege lokaler Künstler, die auch in dieser Auktion gut vertreten sind. 

Wie etwa der Landschaftsmaler Christian Georg Schütz d. Ä., der nach einer Lehrzeit bei einem Frankfurter Freskanten auf ausgedehnte Wanderschaft ging, um sich 1743 endgültig in der Stadt niederzulassen, wo er eine regional einflussreiche Malerdynastie gründete. Von ihm werden zwei korrespondierende, topografisch leider nicht näher bezeichnete „Weite ideale Flusslandschaften“ angeboten, die vom Standard der Ausführung sicher eine höhere Bewertung rechtfertigen als die vom Haus veranschlagten 5500 Euro.

Nur ein kurzes Gastspiel am Main gab dagegen der Wiener Historien- und Genremaler Franz Christoph Janneck, um dort seine an der Wiener K. k. Hofakademie der Maler, Bildhauer und Baukunst begonnene Ausbildung zu vervollständigen. Die auf Kupfer ausgeführte, üppig staffierte Bibelhistorie „Esther vor Ahasver“ fällt mit der Datierung 1751 allerdings längst nicht mehr in die kurze Frankfurter Schaffensphase. Erwartet werden für das barocke Renommierstück 35.000 Euro, das damit zu den teuersten Losen der Auswahl gehört.

Anton Radl, Taunuslandschaft mit Blick auf Königstein und Falkenstein“, 1828. © Döbritz, Frankfurt am Main

Ebenfalls aus Wien stammte der Landschafter Anton Radl, der nach einer Lehre bei dem Kupferstecher Johann Gottlieb Prestel allerdings dauerhaft in Frankfurt blieb. Sammlern ist er bekannt durch seine Landschaftspartien aus der Frankfurter Umgebung und dem Taunus. Eine solche „Taunuslandschaft mit Blick auf Königstein und Falkenstein“ von 1828 wird mit 5000 Euro ausgelobt.  

Zu Unrecht unterbewertet ist Carl Morgenstern, der bereits in vierter Generation aus einer alten Frankfurter Malerfamilie stammte. Die Orientierung an den Niederländern des 18. Jahrhunderts, sozusagen ein Markenzeichen der Familienwerkstatt, überwand der Schüler Carl Rottmanns in seinen italienischen Landschaftsthemen mühelos, griff andererseits in seinen heimatlichen Veduten – vermutlich auf Wunsch seiner konservativen Auftraggeber – immer wieder bereitwillig darauf zurück. Von ihm angeboten wird ein in der Ferne von mystischem Morgennebel verhangener „Blick auf den Wartensee“; für das eigentlich sehr reizvolle Sujet, ein Souvenir von wiederholten Exkursionen des Künstlers in die Schweiz, wäre man vorgeblich sogar mit lediglich 1800 Euro zufrieden

Carl Morgenstern, Blick auf den Wartensee“, 1856. © Döbritz, Frankfurt am Main

Zweifellos der Doyen der fortschrittsorientierten Landschaftsmalerei der Region war Anton Burger, der, angeregt durch eine Begegnung mit den Barbizonisten Camille Corot und Gustave Courbet in Paris, zusammen mit Jakob Fürchtegott Dielmann 1861 die Kronberger Malerkolonie gründete. Sie wurde dank der Strahlkraft Burgers nicht nur für Schüler des Städelschen Kunstinstituts, sondern auch überregional für Künstler zum Anziehungspunkt. Vom „König von Kronberg“ steht die genrehaft aufgefasste Winterszene „Schlittenfahrt“ von 1877 zum Verkauf, die dank des begehrten Kindermotivs ohne Weiteres deutlich über den angedachten 11.000 Euro abschließen könnte.  

Besonders stolz ist man aber wohl auf die Akquise von gleich vier Gemälden der relativ selten gehandelten Frankfurter Impressionistin und Meisterschülerin Wilhelm Trübners Eugenie Bandell, zumal das Haus erst in seiner letzten Auktion für zwei ihrer gesuchten Porträtarbeiten Rekordpreise von 36.000 beziehungsweise 26.000 Euro ermitteln konnte. Ungeachtet der jüngsten Erfolge gibt man sich bei den vorliegenden Gemälden bescheiden. Sie alle entstanden, nachdem die Künstlerin durch Ausstellungsbeteiligungen im Münchner Glaspalast sowie der Münchner und Berliner Secession bereits über Frankfurt hinaus bekannt geworden war.  

Mit 8000 Euro bewertet wird ein 1904 datierter weiblicher Halbakt, der unter dem Titel „Der rote Schal (Freilicht)“ angeboten wird. Ebenso viel erwartet man für die etwa ein Jahr später entstandene und sogar noch leichter geschürzte „Jugend“, und auch die leuchtend farbige Stilllebenkomposition „Äpfel auf Tisch“ von 1912 unterliegt diesem Einheitspreis; hier zeigt sich bereits Bandells Tendenz zur Abstraktion der Form, die den Gegenstand allerdings noch intakt lässt. Einzig ein auf einem einfachen Küchenstuhl errichtetes Arrangement mit einem bereits festlich geschmückten, aber noch nicht beleuchteten kleinen Christbaum ist mit geschätzten 2400 Euro voraussichtlich günstiger zu haben. 

Service

AUKTION

Döbritz

Frankfurt am Main

Auktion 17. Oktober 2026

Besichtigung 10. bis 15. Oktober 2026

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