Ein Besuch im Bauhaus Museum steht am zweiten Tag auf dem Programm. Später speisen wir im Teehäuschen und spazieren zum ehemaligen Arbeitsamt sowie durch die Siedlung Dessau-Törten
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Nach dem Frühstück im Bauhaus-Bistro nehmen wir am nahen Hauptbahnhof entweder die Tram Richtung Bauhaus Museum Dessau oder gehen zu Fuß. Dann kommen wir am Anhaltischen Theater vorbei, dessen imposanter Bau über 1000 Zuschauer fasst. Eröffnet wurde er 1938 in Anwesenheit von Adolf Hitler und Joseph Goebbels. Das Bauhaus Museum am Stadtpark ist ein spiegelnder Kubus, Ergebnis eines Architekturwettbewerbs und gewöhnungsbedürftig: Der Eindruck, dass der innere Betonkern in seiner gläsernen Fassade angeblich schwebt, will sich nicht unbedingt einstellen.
Eröffnet wurde das Museum 2019, seine herausragende Sammlung mit Werken von Bauhaus-Meistern wie Wassily Kandinsky oder Lyonel Feininger und Designprodukten aus den damaligen Werkstätten macht es zur wichtigsten Adresse nach dem Bauhaus-Archiv in Berlin. In der Ausstellung „Bakelit/Glasur/Farb“e werden bis 31. Januar 2027 Schenkungen an das Museum vorgestellt.
Das nahe Teehäuschen, das aus der historischen Orangerie im Stadtpark und einem Anbau der 1960er-Jahre besteht, bietet sich zur Mittagspause an. Essen im Denkmal – ein perfekter Auftakt für unseren anstehenden Spaziergang durch die Stadt. Er führt entlang der Kavalierstraße, wo sich nördlich vom Bauhaus Museum der Johannbau befindet. Dort residiert heute das Museum für Stadtgeschichte. Südlich schließt das frisch renovierte Kaufhaus Zeeck an, das ursprünglich von 1908 stammt und nun Teil des Bauhaus-Universums ist: Wo einst Kurzwaren, Korsagen und Teppiche verkauft wurden, informiert nun die Ausstellung „Algen/Schutt/CO2“ über alternatives Bauen (bis 27. September). Einen Steinwurf entfernt steht das Museum für Naturkunde, untergebracht ist es im Leopold-Dank-Stift, einem Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert. Weiter geht es Richtung Bebelplatz zum ehemaligen Amt für Arbeit. Walter Gropius entwarf es 1928 als flaches Gebäude mit einem eindrucksvollen Glasdach. Zu besichtigen ist es leider nicht, aber man ahnt, wie licht und funktional der Architekt den Ort einst gestaltet hat.
Das nächste bauliche Highlight lässt sich nur per Tram, Bus oder Auto erreichen. Die Siedlung Dessau-Törten liegt im Südosten der Stadt. Ursprünglich sollte sie in der Nähe des Bauhauses entstehen, doch das Törtener Bauland war preiswerter als der zentrale Standort. Die Stadt beauftragte Gropius und sein Büro mit der Errichtung von dringend benötigtem Wohnraum – und der bewies in den späten Zwanzigerjahren, dass konsequente Rationalisierung Kosten senkt und man dennoch ästhetische Maßstäbe setzen kann. Ein Teil der über 300 Ein- und Mehrfamilienhäuser wurde mit der Zeit verändert, die Laubenganghäuser aus rotem Klinker aber, das klar gegliederte Konsumgebäude, viele der kubischen Wohnhäuser oder das Stahlhaus strahlen in historischer Schönheit. Letzteres stammt vom Bauhaus-Meister Georg Muche, der es mit Richard Paulick als stählernen Experimentalbau errichtete. Bis zum 28. Februar nächsten Jahres wird hier die Ausstellung „Blech/Membran/Bullauge“ gezeigt.
Für den Abend bietet sich in der Innenstadt das Lou an: ein großräumiges Restaurant mit Sushi und asiatischen Gerichten im Erdgeschoss des Kaufhauses Zeeck. Wer vorher oder danach (freitags bis 21 Uhr!) in einem architektonischen Denkmal entspannen möchte, besucht das Gesundheitsbad in der Askanischen Straße. Ein Jugendstiljuwel von Daniel Schultz, das trotz einiger Neuerungen wie mehrerer Whirlpools seinen Charme bewahrt hat.