Vom ältesten Mark bis zum trendigsten Viertel

Wir entdecken koreanisches Streetfood im Gwangjang-Markt, genießen das inoffizielle Nationalgetränk und spazieren durch das trendige Seongsu-Viertel 

Wir tun es den Koreanern gleich und starten den Tag mit dem inoffiziellen Nationalgetränk: Iced Americano. Einen der Besten gibt es bei Reception – dem Hauscafé der Boutique Amomento. Von hier aus spazieren wir durch das Künstlerviertel Seochon. Galerien für koreanische Gegenwartskunst wie The Reference und Leeahn, Weinbars und Shops säumen die kleinen Gassen.

Mit dem Bus geht es in zehn Minuten zum Changgyeonggung-Palast mit dem Huwon-Garten, der nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden darf. Ursprünglich als geheimer Rückzugsort für die königliche Familie erbaut, erzählen 300 Jahre alte Kiefern von Seouls wechselreicher Geschichte.

Das Viertel Bukchon, westlich des Palasts, ist eine der ältesten Wohngegenden Seouls. Hier lebt der junge Innenarchitekt Teo Yang, der für das umgebaute Hanok der Yéol-Gesellschaft jedes Jahr traditionelle Objekte aus Lack, Seide oder Hanji-Papier zeigt, die von zeitgenössischen Designerinnen und Designern reinterpretiert wurden. Unweit davon lädt Jae Seok Kim, nach Voranmeldung, in seine Galerie XLarge ein. Das Besondere? Kim stellt in seiner eigenen Wohnung aus.

Von hier aus lassen wir uns zum überdachten Gwangjang-Markt treiben, der älteste von Seoul. Der Duft von Bindae-tteok, herzhaften Pfannkuchen mit Mungbohnen, liegt in der Luft. Wir bestellen an einem der Stände neben Kunststudierenden, Büroangestellten und Touristen eine Portion Gimbap-Seetangreisrollen und Tteokbokki-Reiskuchen in scharfer Gochujang-Soße. Als süße Wegzehrung nehmen wir noch einen gezwirbelten Kkwabaegi-Donut auf die Hand.

Gestärkt schlendern wir durch das Viertel Euljiro, Geburtsort des koreanischen Wirtschaftswunders. Werkstätten drängen sich hier noch dicht an dicht, auch immer mehr Kreative entdecken den Charme des einstigen Industrieviertels. Im Kunstbuchladen Treelikeswater stehen Zines und Monografien in den Regalen. Die Kuratorin Sijin Yoo von der 2025 ins Leben gerufenen Messe für Medienkunst Loop Lab Busan empfiehlt die Galerie N/A, die koreanische Kunstschaffende frisch von der Akademie zeigt. Ihnen hat die Nachbarschaft den Spitznamen „Hip-jiro“ zu verdanken.

Der futuristische Dongdaemun Design Plaza, etnworfen von der verstorbenen Stararchitektin Zaha Hadid
Der futuristische Dongdaemun Design Plaza, etnworfen von der verstorbenen Stararchitektin Zaha Hadid. © Chin Leong Teoh /Alamy Stock Photos/mauritius images

Entlang des Stadtbachs Cheonggyecheon spazieren wir zum Dongdaemun Design Plaza (DDP), entworfen von Zaha Hadid. Der geschwungene Aluminiumbau schwebt wie eine silberne Wolke über dem Boden; darunter erstreckt sich ein Platz, der sich zur Fashion Week in einen Laufsteg verwandelt und wo nachts LED-Installationen glimmen.

An der Schnittstelle von Mode, Architektur und Medienkunst bewegt sich auch das junge Publikum, das sich im Café Wildduck im Mirae-Building zum zweiten Iced Americano des Tages trifft. Hier präsentiert nicht nur das Label Low Classic neue Kollektionen, regelmäßig finden auch Flohmärkte und Partys statt. Zur Art Week im Herbst drängen sich die Gäste im Innenhof. Nur folgerichtig, dass die Kunstmesse Frieze in unmittelbarer Nähe 2025 ihre erste Dependance in Asien eröffnet hat: Das Frieze House Seoul wird nicht nur in der Messewoche, sondern das ganze Jahr über mit Ausstellungen bespielt.

Mit dem Bus sind wir in 20 Minuten auf der anderen Seite des Han-Flusses. Der markante Bau der SongEun Foundation von Herzog & de Meuron aus Sichtbeton ist allein einen Besuch wert. Bis zum 14. Februar 2026 stellen hier die Finalisten des SongEun Art Award aus, mit dem die Stiftung seit 25 Jahren Nachwuchstalente auszeichnet.

Der schlummernder Riesendackel im Haus Nowhere
Der schlummernder Riesendackel im Haus Nowhere. © Tamburins

Zum Abschluss des Tages geht es in die angrenzende Nachbarschaft, nach Seongsu: Das ehemalige Industrieviertel hat sich mit Pop-up-Stores und Streetfood-Neuheiten als Spielplatz der Gen Alpha neu erfunden. Alles, was übermorgen Trend wird, ist hier schon wieder out. Die neueste Pilgerstätte heißt Haus Nowhere: ein Concept Store, in dem Kunst und Konsum verschwimmen – und der wirkt, als hätte ihn Philip K. Dick erdacht. Im Erdgeschoss grüßt die Skulptur eines gigantischen schlafenden Dackels. Roboter stehen zwischen den Auslagen. Influencer kaufen Sonnenbrillen der Kultmarke Gentle Monster sowie Parfums von Tamburins. Aber keine Angst, es gibt auch Geldbeutelschonendes – das Erinnerungsfoto mit dem Riesendackel aus der AI-Fotobox ist kostenlos!

Weiter zu Tag 3

Zur Startseite