Yad Vashem und Mahane Yehuda Markt

Wir nehmen heute die Straßenbahn – es gibt nur eine Linie –und fahren bis zur Endstation Mount Herzl. Der Hügel ist nach Theodor Herzl, dem Begrün­der des Zionismus, benannt, der hier begraben ist. Wir gehen ein Stück bewaldete Straße hinab und gelangen nach Yad ­Vashem, der zentralen Holocaust-Ge­denkstätte des jüdischen Volkes (Abb. oben). Das Gelände ist weitläufig und umfasst unter anderem die „Allee der Gerechten unter den Völkern“ für Menschen, die Juden gerettet haben (darunter berühmte wie Oskar Schindler, aber auch viele unbekannte). Ein Kunstmuseum zeigt Werke, die in Ghettos und Konzentrationslagern entstanden, ein guter Einstieg, um sich dem Thema emotional zu öffnen. Ein weiteres Denkmal ist allein den 1,5 Millionen ermordeten Kindern gewidmet. Das jüngste Gebäude des Ensembles ist das Museum zur Geschichte des Holocaust aus dem Jahr 2005, ein zeltartiger Betonbau, der in das Tal hineinragt und am Ende der sehr guten Ausstellung über die Stationen der nationalsozialistischen Judenvernichtung den Blick auf ebendieses malerische Tal freigibt.

Rund um den schönen Mahane-Yehuda-Markt gibt es viele Cafés und Restaurants (Foto: Stefan Gnatzy)
Rund um den schönen Mahane-Yehuda-Markt gibt es viele Cafés und Restaurants (Foto: Stefan Gnatzy)

Was tun nach dieser erschütternden Erfahrung? Wie soll der Tag weitergehen? Wer ein wenig innehalten möchte, kann dies gut in der Cafeteria mit ihrer schlichten wie freundlichen Atmosphäre tun. Wir fahren stattdessen mit der Straßenbahn zum Mahane Yehuda Market, dem kulinarischen Herzstück Westjerusalems. Auf dem großen, überdachten und stets gut besuchten Markt kann man nach Herzenslust einkaufen und guten Kaffee trinken, etwa im Café Mizrahi. Wir kehren zum Lunch bei Rachmo ein, wo es einfache und köstliche orientalisch-jüdische Küche gibt. Wer es gehobener mag, geht ins Machneyuda, wo einer von Jerusalems Spitzenköchen am Werk ist. Abends verwandeln sich übrigens viele Marktstände in Bars, wo ausgiebig gefeiert wird.
Nach dem Mittag besuchen wir das nahe gelegene Ticho House, das den Werken der israelischen Malerin Anna Ticho und ihrer Kunstsammlung gewidmet ist. Ein paar Blocks weiter liegt das Nahon Museum of Italian Jewish Art mit seiner Synagoge, die aus den Überresten eines Gotteshauses im Veneto des 17. und 18. Jahrhunderts errichtet wurde. Dann nehmen wir noch einmal die Straßenbahn zum Museum on the Seam für zeitgenössische Kunst, das sich, an der Grenze zwischen Ost- und Westjerusalem gelegen, mit den Spannungen in der Stadt auseinandersetzt. Im Restaurant Hachatzer lassen wir dann den Abend ausklingen.

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