Fractional Ownership

Ein Modell mit Risiken

Fractional Ownership senkt die Eintrittsbarriere in den hochpreisigen Kunstmarkt und eröffnet neue Möglichkeiten, in Kunst zu investieren. Die Versicherungswelt stellt dies jedoch vor besondere Herausforderungen. Ein Gastbeitrag

Von Louisa Krämer-Weidenhaupt
23.04.2026

Gesteigerte Komplexität und Sorgfalt bei der Due Diligence

Für manche stellt sich schon zu Beginn die grundsätzliche Frage, ob überhaupt ein versicherbares Interesse besteht, wenn Eigentumsverhältnisse unklar oder mehrfach vergeben sind. Auf praktischer Ebene ist die physische Lagerung von Kunstwerken in spezialisierten Depots oft den Konditionen im Kunsthandel oder in privaten Sammlungen vorzuziehen und stellt dementsprechend ein überschaubares Risiko dar. Die Verantwortung für die fortlaufende Klimakontrolle, Sicherheitschecks und präventive Konservierung liegt häufig bei der Plattform, wo wir wieder beim Thema Integrität ankommen. Im Vordergrund steht die Transparenz des jeweiligen Anbieters und der Umfang der erfolgten Due Diligence hinsichtlich der Echtheit der Werke, ihres Zustands sowie der gesamten Dokumentations- und Prüfprozesse.

Versicherer können diesen Herausforderungen durch sorgfältige Prüfung der Plattformen und zugrundeliegenden Eigentumsstrukturen begegnen. Dazu gehört insbesondere die unabhängige Verifizierung von Provenienz, Eigentumsketten und Bewertungsgrundlagen durch externe Gutachter sowie die regelmäßige Aktualisierung dieser Prüfungen. Ergänzend gewinnen Mehr-Augen-Prinzipien bei Transaktionen sowie klare Reporting- und Auditpflichten der Plattformen an Bedeutung. Auch vertraglich können Versicherer Risiken reduzieren, etwa durch strikte Obliegenheiten und Transparenzanforderungen.

Digitale Eigentumszertifikate eröffnen zusätzlich die Frage, wie Wertverluste durch Betrug, Cyberangriffe oder technische Fehler abgedeckt werden können, da die Zertifikate selbst als Gegenstand des Versicherungsschutzes mitgedacht werden sollten.

Bei geteiltem Eigentum müssen Versicherer prüfen, wie Ansprüche im Schadenfall abgewickelt werden. Je nach Jurisdiktion verschieben sich hierbei wesentliche Aspekte. Versicherer müssen letztlich eine praktikable Handhabe im Umgang mit den Plattformen entwickeln, insbesondere in Bezug auf die vertragliche Ausgestaltung und klare Regelungen der Verantwortlichkeiten. Fractional Ownership verändert nicht nur den Zugang zum Kunstmarkt, sondern verschiebt auch die Risikoverantwortung fundamental. Für Versicherer bedeutet das: Weg von der reinen Objektbetrachtung – hin zu einer Bewertung von Strukturen und Vertrauen. 

Service

Autorin

Dr. Louisa Krämer-Weidenhaupt ist Kunstexpertin und Underwriterin bei der ERGO Versicherung AG

Service

Anmerkungen

[1] Daniel Grant, The Benefits and Drawbacks of Fractionalized Art Ownership, Observer, 1. Januar 2026.

[2] Abigail Adeyemi, Fractional Art Ownership and New Investment Models, Museum of Modern African Art, 25. Juni 2025.

[3] Hiscox Online Art Trade Report 2023. 

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