Dresden

Teilfreilegung von Richter-Wandgemälde

Für Gerhard Richter beginnt das eigene Werk erst in der alten BRD. Dabei hat er schon als Student der Klasse für Wandmalerei an der Dresdner Kunsthochschule ein großes Auftragsbild geschaffen

Von Weltkunst News
01.02.2024

Nach über 40 Jahren kommt ein verborgenes Frühwerk von Gerhard Richter wieder ans Licht. Bis Oktober wird ein Teil seines rund 63 Quadratmeter großen Wandgemäldes „Lebensfreude“ im Deutschen Hygiene Museum Dresden in einer öffentlichen Schaurestaurierung während der Ausstellung „VEB Museum“ (9. März bis 17. November) freigelegt – mit Zustimmung des Künstlers. 

Die Bemalung der 15 Meter langen und fünf Meter hohen Wand erhielt der damals 24-jährige Richter Ende 1955 als Aufgabe zum Abschluss seines Studiums an der Hochschule für bildende Künste seiner Geburtsstadt. Das Bild mit verschiedenen Figurengruppen in Alltags- und Freizeitszenen war seine Diplomarbeit. Eine Frau im weißen Badeanzug und eine weitere im hellen Sommerkleid lassen schon jetzt ahnen, was im Treppenhausfoyer unter zehn Farbschichten verborgen ist. 

„Diesmal hat er zugestimmt.“ – Leiter des Gerhard Richter Archivs

Ein Schaufenster in der bis zur Decke reichenden Einhausung samt Abluftanlage erlaubt es, bei der Freilegung durch Konservierungs- und Restaurierungsexperten zuzuschauen. Bis Oktober soll insgesamt etwa ein Siebtel der Gesamtfläche sichtbar werden. 

Richter studierte ab 1951 in Dresden in der neu gegründeten Klasse für Wandmalerei. 1961 reiste er in die damalige BRD aus und 18 Jahre später wurde „Lebensfreude“ überstrichen. Das erstmalige Ansinnen, es wieder freizulegen, lehnte der inzwischen berühmte Schöpfer 1994 ab. 

„Diesmal hat er zugestimmt“, sagte der Leiter des Gerhard Richter Archivs, Dietmar Elger. Das habe sicher mit dem Kontext zu tun, „aber es ist auch eine andere Zeit“. Richter, der am 9. Februar 92 Jahre alt wird, sei gelassener. Er rechnet sein Frühwerk nicht zum eigentlichen Werk, das 1962 beginnt. „Es hat nicht den kunsthistorischen Stellenwert“, erklärte Elger. In den 1990er-Jahren sei es für viele schwierig gewesen, das zu trennen. (dpa)

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