Humboldt Forum

Eröffnung nur virtuell

Das Mammutprojekt Humboldtforum sollte am 17. Dezember endlich eröffnen. Durch die neuen Coronamaßnahmen kann dies nur digital erfolgen

Von Simone Sondermann
28.11.2020

Das Humboldt Forum in Berlin ist so etwas wie der BER der Museumswelt. Von Beginn an umstritten, erheblich teurer als geplant, von unerwarteten Verzögerungen beim Bau ganz zu schweigen (was dem einen der Brandschutz, war dem anderen der morastige Baugrund), und bei der Eröffnung fehlt auf einmal der rechte Sinn und Zweck. Am 17. Dezember sollte es nun endlich so weit sein: Die Schlossattrappe samt Kuppelkreuz, die von der Seite ihr heutiges Gesicht zeigt, sollte schrittweise eröffnen. Deutschlands teuerste Kulturbaustelle wäre damit auf der Zielgeraden.

Die Verlängerung des aktuellen Lockdowns bis kurz vor Weihnachten hat nun diese Pläne erneut durchkreuzt. Dennoch will das Humboldtforum sich seinen Eröffnungstermin nicht nehmen lassen und verkündet eine Eröffnung digital. „In mehreren Dimensionen“, so Generalintendant Hartmut Dorgerloh, soll das Großprojekt via Live-Streaming und per Online-Führungen dem interessierten Publikum vorgestellt werden. Dazu gehört auch die Eröffnungsausstellung „Nach der Natur“ der Humboldt-Universität, die weitestgehend virtuell verfügbar gemacht werden soll.

 

Humboldtforum Fassade Eröffnung
Blick auf die Ost- und Südfassade des Humboldtforums. © SHF / Foto: Stephan Falk

Wie der 40 000-Quadratmeter-Bau im Herzen des preußischen Berlins mit Leben zu füllen ist, wird sich sowieso erst in den kommenden Jahren zeigen, wenn sich dort Schritt für Schritt auch die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst ausbreiten – mitsamt ihren kolonialen Altlasten, denen sich das Humboldt Forum wird stellen müssen. Im kommenden Jahr wird allein die Neugierde auf das Mammutprojekt, soweit es die Coronakrise erlaubt, dann wohl endlich viele Berliner und Berlin-Besucher in die hohen Hallen ziehen.

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