20.04.2020 Weltkunst Redaktion

"Wir spüren eine Welle der Solidarität"

Museen in der Coronakrise: Peter Gorschlüter, der Direktor des Museum Folkwang in Essen, berichtet über die Folgen des Lockdowns in seinem Haus und blickt mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft

Wie wirkt sich die Schließung im Museum Folkwang aus?

Uns trifft es weniger hart als andere Häuser. Unsere große Ausstellung „Der montierte Mensch“ ging, kurz bevor wir schließen mussten, regulär zu Ende. Jetzt sind wir in einer größeren Umbauphase. Außerdem müssen wir weniger mit Einnahmeverlusten kämpfen, da der Eintritt in unsere Sammlung dank der Förderung der Krupp-Stiftung frei ist.

Was waren die dringendsten Herausforderungen?

Wir mussten schnell umdisponieren und haben unsere für Ende Mai geplante Eröffnung der Keith-Haring-Retrospektive auf den 20. August verlegt. Damit verschieben sich auch die folgenden Ausstellungen. Unsere Partner waren da sehr verständnisvoll und solidarisch.

Was waren die schmerzlichsten Entscheidungen, die Sie treffen mussten?

Schmerzlich ist vor allem, dass unsere aktuellen Ausstellungen zu Aenne Biermann und Mario Pfeifer jetzt nicht mehr das Publikum finden, das wir ihnen gewünscht hätten. Außerdem hatten wir gerade die Auszeichnung „Museum des Jahres“ erhalten und entsprechend viel Aufmerksamkeit. Aber das ist jetzt zweitrangig und kommt schon wieder.

Peter Gorschlüter, Direktor des Museum Folkwang (Foto: Museum Folkwang / Jens Nober)
Peter Gorschlüter, Direktor des Museum Folkwang (Foto: Museum Folkwang / Jens Nober)

Setzt die Coronakrise auch positive Kräfte frei?

Wir nutzen die Zeit, um einige bereits avisierte Gebäudemaßnahmen vorzuziehen bzw. zu beschleunigen. Das wird dann, wenn wir wieder öffnen können, zu keinen Einschränkungen mehr führen und ist insofern positiv. Außerdem gibt die aktuelle Lage unseren Digitalisierungsvorhaben einen Schub. So werden wir unter anderem demnächst unsere neue „Sammlung online“ freischalten können mit Informationen zu mehr als 82.000 Objekten aus unseren Beständen. Uns kommt jetzt zugute, dass wir auch schon vor der Krise im Bereich der Social Media gut aufgestellt waren. Natürlich haben wir jetzt zusätzlich ein paar neue digitale Formate aufgelegt, um die Zeit der Schließung zu überbrücken.

Wie wird sich, glauben Sie, der Museumsbetrieb durch die Krise verändern?

Wir spüren vor allem eine Welle der Solidarität – seitens unserer Partner, aber online auch seitens unserer Besucherinnen und Besucher. Wir hoffen, dass diese Solidarität anhält. Was wir im Kunstbetrieb aus der Krise lernen können, ist, in Zukunft ein wenig Druck rauszunehmen aus den eng getakteten Planungen. Vor allem gelten aber in diesen Wochen unsere Gedanken den vielen freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern sowie Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittlern. Hier müssen die Politik, aber auch wir im Kleinen, zu Lösungen und Angeboten kommen, diese zu unterstützen.

Anfang Mai sollen die ersten Museum wieder eröffnen. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

 Wir sind, wie auch die anderen Museen, angewiesen auf die weiteren Entscheidungen der Politik, bereiten uns aber intensiv auf eine Wiedereröffnung unter Auflagen vor. Ob diese bereits ab dem 5. Mai erlaubt sein wird, bleibt abzuwarten. Wir sind in der relativ komfortablen Lage, über weitläufige Ausstellungs- und Verkehrsflächen im Museum Folkwang zu verfügen. So lassen sich Abstandsregeln einhalten und kontrollieren. Und jetzt kommt uns zugute, was uns sonst gelegentlich vorgeworfen wird: dass man im Museum nichts berühren darf.

Fassade des Museum Folkwang in Essen (© Museum Folkwang 2017, Foto: Giorgio Pastore, auch o.)
Fassade des Museum Folkwang in Essen (© Museum Folkwang 2017, Foto: Giorgio Pastore, auch o.)