30.11.2017 Thurn und Taxis Fragebogen

Camille Henrot über ihr New York

Mit dem Silbernen Löwen wurde Camille Henrot 2013 auf der Biennale in Venedig ausgezeichnet, ein Jahr später folgte der Nam June Paik Award: Wo junge Künstler geehrt werden, fällt ihr Name. Uns hat sie verraten, was man in ihrer Lieblingsstadt New York nicht verpassen sollte

Ihre Installationen sind Meditationen über den Ursprung der Welt. Poetisch forscht Camille Henrot nach der Geschichte der Menschheit zwischen Darwinismus, Mythologie und Google. Bis 7. Januar 2018 ist ihre Ausstellung „Days are Dogs“ im Pariser Palais de Tokyo zu sehen.

Camille Henrot, was ist Ihre Lieblingsstadt?

New York – wegen Saul Steinberg, Moondog, Duchamp und John Cage. Wenn man nicht hier aufgewachsen ist, bleibt diese Stadt für immer der Mittelpunkt der Welt.

Womit verbringen Sie dort Ihre Zeit?
Ich liebe es, mich zu entspannen. Zum Beispiel bei einer Fußmassage in Chinatown.

Haben Sie ein Lieblingsmuseum?
Das Metropolitan Museum – es ist so groß, dass man sich auf angenehme Weise einsam fühlt. Das New Museum mag ich auch: Es ist nur ein paar Blocks von meiner Wohnung entfernt und hat genau die richtige Größe für einen Familienausflug.

Welche Galerie besuchen Sie immer wieder?
Da gibt es eine ganze Menge, die ich gut finde: Metro Pictures, 47 Canal, Lisa Cooley und Gavin Brown.

Gibt es auch ein Restaurant in der Nähe, das Sie empfehlen können?
Von Gavin Brown braucht man zu Fuß nur zehn Minuten bis zum kleinen japanischen Restaurant Soto auf der 6th Avenue.

Was bestellen wir dort?
Natürlich Thunfischtatar mit Kaviar.

Ein Gebäude in der Stadt, das Sie ganz besonders lieben?
Der Watchtower in Dumbo ist ein Mysterium. Das Gebäude steht heute leer, früher gehörte es den Zeugen Jehovas.

Der beste Flohmarkt?
Besser als die Flohmärkte ist die Avenue of the Americas – hier wird am Straßenrand allerlei Krimskrams verkauft.

Und die beste Buchhandlung?
Auch hier ist die Auswahl groß: Mast auf der Avenue A, P.S. Bookshop in Dumbo, Left Bank Books und der Strand Book Store.

Wo schmeckt der Kaffee am besten?
Zu Hause. Der Kaffee ist in New York nicht besonders gut – entweder zu stark oder zu schwach.

Und wo finden wir das beste Bier?
Da fällt die Wahl eindeutig auf Tørst in Greenpoint.

Eine Erfahrung, die wir auf keinen Fall verpassen dürfen?
Sie sollten auf jeden Fall einen Besuch in einem russischen oder türkischen Bad auf der Lower East Side einplanen.

Wo finden wir die beste Hotelbar der Stadt?
Die Bar im obersten Stockwerk des Marriott-Hotels am Broadway dreht sich um 360 Grad.

Womit betrinken wir uns hier?
Bestellen Sie einen billigen Cocktail mit viel zu viel Zucker.

Welche Attraktion können wir auslassen?
Einen Ausflug zum Times Square darf man sich getrost sparen.

Zum Schluss: ein Geheimtipp, den wir in keinem Reiseführer finden?
Das Dream House des amerikanischen Komponisten La Monte Young in Tribeca. Hier mischen sich Klang und Licht zu einer einzigartigen Installation. Man spürt, wie Youngs minimalistische Musikstücke den Raum ausfüllen.

Service

Ausstellung

Palais de Tokyo, Paris
„Carte blanche“ to Camille Henrot
Days are Dogs
Bis zum 7. Januar 2018

Dieser Beitrag erschien in

Weltkunst Nr. 97 / 2015