11.09.2016 Christiane Meixner

Berlin Art Week: Common Affairs

Die DB-Kunsthalle und das Polnische Institut in Berlin werfen einen konzentrierten Blick auf die zeitgenössische Kunstszene Polens.

Das „Neue Leben“ biegt träge um die Ecke. Am Tag ist es blass und kaum zu erkennen, nachts aber leuchtet es verheißungsvoll. Wer nach dem neuen Leben greifen will, der muss schwimmen können. Denn die Leuchtlettern stehen auf einem Schiff, das sieben Tage lang für die Ausstellung „Common Affairs“ unterwegs gewesen ist – gemächlich auf dem Wasser von Naklo nad Notecia nach Berlin. Äußerlich ist die Arbeit der polnischen Künstlerin Elzbieta Jablonska all die Zeit dieselbe geblieben. Doch ihre Bedeutung hat sich mit jedem Flusskilometer verändert. Was bedeutet „Neues Leben“ in Polen? Was in Berlin? Und wer kann hier überhaupt „Nowe Zycie“ entziffern? Elzbieta Jablonska hat die Neonschrift von einer polnischen Genossenschaft übernommen. Hier war das – schon nicht mehr ganz so neue – gemeinsame Leben zu Ende, die Zeit der Marktwirtschaft brach an. Als Readymade steht die Arbeit nun im Polnischen Institut in Berlin. Die übrigen Arbeiten von „Common Affairs“ sind in der Deutschen Bank Kunsthalle untergebracht. Zusammen werfen sie einen konzentrierten Blick auf die zeitgenössische Kunstszene des Nachbarn. Alle 16 Künstler der Ausstellung, darunter Monika Sosnowska, Igor Krenz, Agnieszka Polska und Witek Orski, waren von 2003 bis heute für den Views-Award nominiert – Polens inzwischen wichtigsten Kunstpreis, der von der Deutschen Bank inittiert wurde. Mit ihren Installationen, Skulpturen, Videos und Papierarbeiten untersuchen sie, wie sich Polen und auch ihr eigener Blick auf das Land in dieser Zeit verändert hat. Bis 30.10.