Mit der Rare Books Berlin kommt die schönste Messe für alte und seltene Bücher erstmals in die Hauptstadt. Begleitet wird sie von einem Fachsymposium und einer Ausstellung mit den Büchern von Marlene Dietrich
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14.09.2026
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Erschienen in
Weltkunst Nr. 259
Marlene Dietrich besaß 1800 Bücher, viele davon versah sie während der Lektüre mit handschriftlichen Notizen. Ein Bruchteil ihrer privaten Bibliothek wird nun in Berlin gezeigt, wenn sich die Internationale Liga Antiquarischer Buchhändler im Rahmen der Rare Book Week zu ihrem 46. Kongress trifft – nach Austragungsorten in der ganzen Welt mit nur einer Deutschlandstation in Köln vor über drei Jahrzehnten.
Die Entscheidung der ILAB für Berlin, die auf Einladung des Verbands Deutscher Antiquare erfolgt, ist deshalb eine Sensation. Ein „Fest des Buches“, jubeln die Veranstalter zu Recht, begleitet wird es von einem Fachsymposium in der Staatsbibliothek zu Berlin und der Ausstellung „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ mit Dietrichs Büchern. Der Nachlass der Schauspielerin, die mit Schriftstellern wie Ernest Hemingway oder Alfred Döblin befreundet war, wird von der Deutschen Kinemathek bewahrt, in deren Räumen auch die Schau stattfindet.
Vor allem aber kommt mit der Rare Books Berlin eine Antiquariatsmesse für Bücher und Grafik auf internationalem Niveau in die Metropole. 106 Aussteller präsentieren ihre Schätze im Kronprinzenpalais, das Angebot erstreckt sich vom historischen Reisebericht über Erstausgaben wie Georg Rollenhagens Kinderbuch „Froschmeuseler“ von 1596 (Govi Rare Books), Inkunabeln und edle Fotobände bis hin zu Handschriften, Grafiken und Landkarten sowie Objekten auf Papier.
Manches würde auch gut auf eine Kunstmesse passen. So die Edition „Waiting at York, 180″ von David Hockney. Der im Juni verstorbene britische Malerstar schuf sein Motiv einer am Tresen stehenden Gestalt als iPad-Zeichnung, die Londoner Pace Gallery verlegte es 2010 als Edition in einer 25er-Auflage, Blatt Nr. 14 wird vom Londoner Antiquariat Bernard Shapero auf der Rare Books Berlin für 83 200 Pfund angeboten. Hockneys Lithografie „Coloured Flowers Made of Paper and Ink“, die fast 40 Jahre früher entstand, soll 115 000 Pfund kosten.
Auf seltene Bücher und Erstausgaben ist der in London und New York ansässige Händler Peter Harrington spezialisiert. Mit dem legendären Mappenwerk „Der Krieg“ von Otto Dix, das 50 Radierungen über das Inferno des Ersten Weltkriegs enthält, bringt er für 375.000 Pfund ein zentrales Werk des Künstlers zurück nach Berlin: Dix verlegte das Portfolio hier 1924 zusammen mit dem Kunsthändler Karl Nierendorf. Doch wie viele andere Aussteller bietet auch Harrington Objekte für einen Einstieg in das Universum des Bibliophilen: Eine 1996 bei Taschen erschienene und vom Künstler Christo signierte Dokumentation zur Verhüllung des Reichstags ist für 800 Pfund zu haben.
Aus Deutschland kommen 44 hochkarätige Aussteller, darunter Haufe & Lutz aus Karlsruhe oder J. J. Heckenhauer aus Tübingen. Vertreten sind auch die Berliner Auktionshäuser Bassenge, Jeschke Jádi und Nosbüsch & Stucke, die sämtlich in ihrem Programm einen Fokus auf raren Büchern haben. Aus der Schweiz reisen mit Heribert Tenschert schließlich kostbarste Druckwerke an. Seine Antiquariat Bibermühle zeigt als ein Highlight „Hypnerotomachia Poliphili“, einen Liebesroman der Renaissance in französischer Version von 1561 mit über 180 altkolorierten Holzschnitten. Eine Preziose, die auch dann glücklich macht, wenn man sie nur anschauen kann.
Rare Books Berlin. Internationale Messe für Bücher & Graphik, 18. bis 20. September
Die Rare Book Week Berlin findet vom 14. bis 20. September statt.