Art & Antique Potsdam

Im Salonformat

Mit fünfzehn Teilnehmern bildet die Art & Antique die jüngere Kulturgeschichte in ihren Facetten ab. Anfang Oktober findet die Kunstmesse im Palais am Stadthaus in Potsdam statt

Von Christiane Meixner
02.10.2020
/ Erschienen in Kunst und Auktionen Nr. 15

Die Startbedingungen für die Art & Antique Potsdam waren 2019 geradezu optimal: Seit dem Ende der Ars Nobilis, die bis 2010 im Automobilforum Unter den Linden stattfand, gibt es in Berlin oder Umgebung keine Messe mehr für alten Schmuck, Bilder des 19. Jahrhunderts, historisches Porzellan oder Möbel. Vieles davon hatte die junge Veranstaltung im repräsentativen Palais Am Stadthaus vergangenes Jahr zu bieten. Diesmal nun muss der kleine, feine Ableger der österreichischen Art & Antique-Messen einiges neu justieren: Der Termin wurde vom Frühjahr in den Herbst verschoben, die Händler aus Wien oder Salzburg zögerten wegen Corona und konzentrieren sich erst einmal auf den eigenen Standort.

Palais am Stadthaus
Im Palais am Stadthaus zeigen vom 2. bis zum 4. Oktober rund 15 Galerien ihre Werke. © Palais am Stadthaus

Sandra Mann, verantwortlich für das inhaltliche Programm, hat das Potsdamer Palais dennoch mit spannenden Ausstellern füllen können. Quantitativ will die Messe ohnehin nicht endlos wachsen: Schließlich begrenzen die Räumlichkeiten – das Haus wurde von Reinhold Persius im späten 19. Jahrhundert als Stadtvilla entworfen – die Veranstaltung auf ein Salonformat mit höchstens 15 Kunsthändlern. Und zweitens war das Interesse nach der erfolgreichen Premiere so groß, dass sich die Lücken mühelos mit etablierten Galeristen wie beispielsweise Michael Haas (Berlin / Zürich) schließen ließen, der seinen Schwerpunkt auf klassischer Moderne, Nachkriegszeit und aktueller Kunst hat. Oder mit Andrea von Singhoffer, die seit mehr als drei Jahrzehnten ihr feines Geschäft mit antikem Schmuck, Preziosen, Kunsthandwerk und Gemälden in der Berliner Kunstmeile Keithstraße führt. Ihr Angebot reicht von Einzelstücken vergangener Jahrhunderte bis hin zu exquisitem Modeschmuck des 20. Jahrhunderts.

 

Max Liebermann
Dr. Nöth Kunsthandel + Galerie bringt das Gemälde „Junge mit Pferd am Stand“ (1907) aus der Hand des Berliner Malerfürsten Max Liebermann mit. © Kunsthandel+Galerie Dr. Noeth, Potsdam

Bewundern kann man darüber hinaus Porzellane der KPM Berlin. Das Angebot, das Tim D. Gronert von Gronert Kunsthandel aus Berlin mitbringt, reicht vom Gründungsjahr der Manufaktur 1763 bis in die 1960er-Jahre. Zu diesen jüngeren Objekten zählt ein seltenes reliefiertes Brandenburger Tor des Entwerfers und Modelleurs Siegmund Schütz. Seidel u. Sohn bereichert als älteste Kunsthandlung der Hauptstadt die Messe um Antiquitäten, Gemälde und Skulpturen vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert, bevorzugt mit preußischer, Berliner oder sächsischer Provenienz. Ein Highlight ist ihr Kronleuchter aus dem ehemaligen Stadtschloss in Berlin, datiert auf Mitte des 18. Jahrhundert. Dr. Nöth Kunsthandel + Galerie, Potsdam, erweitert das Angebot nicht bloß um Worpsweder Maler wie auch europäische Impressionisten, Expressionisten und Fauves. Er bringt mit dem Gemälde „Junge mit Pferd am Stand“ von 1907  aus der Hand des Berliner Malerfürsten Max Liebermann zugleich ein Highlight der Art & Antique mit.

Ergänzend präsentiert die Galerie Doppelknoten aus Hamburg seltene Teppiche – darunter den Hereke-Seidenteppich „Trauriger Herbst“ mit einer Feinheit von über 2,5 Millionen Knoten pro Quadratmeter – und Modezeichnungen der 1920er-Jahre. -Brigitte & Saskia Seewald konzentrieren sich auf Schmuck des Biedermeier, Jugendstil und Art déco, die Raab Galerie bringt mit „Three Dancers – Dancer 1“ (Auflage: 19 / 60) eine Grafik des begehrten amerikanischen Künstlers Alex Katz mit. Und Gräfe art.concept, ebenfalls in Berlin ansässig, bietet Kunst der Gegenwart – abstrakt wie figurativ. So deckt die Art & Antique selbst mit fünfzehn Teilnehmern die jüngere Kulturgeschichte in ihren Facetten ab.

Grafik Alex Katz
Die Raab Galerie bringt mit „Three Dancers – Dancer 1“ (Auflage: 19 / 60) eine Grafik des begehrten amerikanischen Künstlers Alex Katz mit nach Potsdam. © Raab Galerie, Berlin

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ART & ANTIQUE Potsdam

Palais am Stadthaus

2.– 4. Oktober 2020