20.02.2020 Gloria Ehret

Ein Leben für den Kunsthandel

Andreas Ramer ist ein Urgestein des Münchner Kunsthandels und prägt seit Jahrzehnten die Messe „Kunst und Antiquitäten“. Eine Würdigung zum 80. Geburtstag

Meist steht er nahe dem Eingang, begrüßt die Besucher, schaut dabei, ob alles zur Zufriedenheit der Gäste und Aussteller läuft. So kennt man Andreas Ramer auf den Veranstaltungen des Münchner Antiquitätenmarktes. Man könnte auch sagen „seiner“ Messe, die längst die „Kunst“ mit in den Titel aufgenommen hat. Denn er hat diese urmünchnerische Messe vor über 50 Jahren aus der Taufe gehoben, war Jahrzehnte ihr Vorsitzender und ist nun als Ehrenvorsitzender immer noch auf das Engste mit ihr verbunden. Und im kommenden Herbst findet sie zum 100sten Mal statt! Andreas Ramer ist ein Urgestein des Kunsthandels, umtriebig wie eh und je. Er hat alle Stürme, Verwerfungen und Veränderungen im Kunsthandel und dem Messegeschehen miterlebt und – im Positiven – mitgestaltet.

Natürlich ist er in München geboren (wo sonst?), genauer in Schwabing als Mittlerer von drei Söhnen des Architekten Max Ramer und dessen aus Bremen stammender Gattin und Musiklehrerin Isolde. Nachdem sein Elternhaus in der Arcisstraße 1943 zerbombt wurde, verbrachte er die nächsten drei Jahre in der Nähe von Herrsching, wo er die Dorf-Volksschule besuchte und eine schöne Kindheit auf dem Land verlebt hat. 1950 ging es zurück in das von der Wiederaufbau-Stimmung geprägte München, wo er bis 1956 in die Oberrealschule ging. Die Freizeit verbrachte er als Pfadfinder oder häufiger Museumsbesucher. Ansonsten unternahm er viele Reisen mit dem Fahrrad oder abenteuerlich per Anhalter ins Ausland. Seine berufliche Ausbildung begann er als Volontär im Süddeutschen Verlag bei der Münchner Illustrierten zum Bildjournalisten. Ansonsten pflegte er Freundschaften mit Fotografen und Künstlern aus dem Schwabinger Milieu.  Wir reden von Zeiten, als eine Schwangerschaft Grund zum Heiraten war: 1959 ging der 19jährige Wehrdienstleistende Andreas Ramer eine Frühehe mit seiner 18jährigen Traudl ein; im selben Jahr kam Sohn Nikolaus auf die Welt. Seinerzeit hat der junge Fotograf für verschiedene Magazine und Illustrierte gearbeitet, 1963 dann ein Jahr beim Bayerischen Fernsehen als Kameraassistent. Seit 1965 war er wieder Junggeselle. Doch wollte er nicht nur privat, sondern auch beruflich lieber wieder ungebunden sein. So eröffnete er 1966 sein erstes kleines Geschäft mit Antiquitäten und Kuriositäten mitten in Schwabing in der Türkenstraße. Bald stellte er auch auf der Auer Dult aus, wo er viele Kollegen und Kunden kennengelernt hat, mit denen er bis heute verbunden ist. Es folgte der Wechsel in einen großen Laden in der Fürstenstraße, denn „ich war immer ein Generalist mit Schwerpunkt auf Einrichtungen“, sagt Ramer. Zeitweise betrieb er Filialen im „Antikhaus“ und dem „Antik-Center“. Von 1975 bis 2000 hatte er einen Kunsthandel im Schloss Seefeld am Pilsensee. Denn „es waren die Goldenen Jahre des Kunst- und Antiquitätenhandels“ so Ramer.

1968 gründete er zusammen mit zehn Kollegen den „Münchner Antiquitätenmarkt“, bei dem als eingetragenem Verein alle Teilnehmer auch aktiv mitwirken. Als Spielstätten bewährten sich lange die traditionellen bayerischen Biersäle, die dem Münchner Antiquitätenmarkt ihr besonders Flair verliehen. Dem Start im Alten Hackerkeller auf der Theresienhöhe folgten mehrere Umzüge, darunter in den Löwenbräukeller und Pschorrkeller. Wo auch immer die Händler ihre Stände aufbauten, die zufriedenen Besucher und Käufer blieben der Veranstaltung treu – viele mittlerweile in der zweiten oder gar dritten Generation. Längst sind zu den Ausstellern aus München und der Region Kollegen aus dem ferneren Deutschland, sowie aus Österreich, Frankreich, Belgien oder Italien hinzugekommen, und das Programm wurde um Spezialisten verschiedenster Couleur erweitert. Viele Jahre fungierte Andreas Ramer als 1. Vorsitzender und Messeleiter. Jetzt ist er als Ehrenvorsitzender immer noch die treibende Kraft der „Kunst & Antiquitäten München“, die mehr denn je eine feste Größe im Reigen der Münchner Antiquitätenveranstaltungen darstellt.

Jubilar Andreas Ramer mit dem Kunsthändler Maximilian Lerch auf der Kunst und Antiquitäten 2019 (Foto: Marcus Schlaf)
Jubilar Andreas Ramer mit dem Kunsthändler Maximilian Lerch auf der Kunst und Antiquitäten 2019 (Foto: Marcus Schlaf)

Alle, die ihn kennen und mit ihm zusammenarbeiten, sind sich einig, dass es seinem spezifischen Talent zu verdanken ist, über all die Jahrzehnte die heterogenen Austeller und eigensinnigen Händler unter einen Hut zu bringen. Auch die jeweiligen Umzüge in ganz unterschiedliche Locations, denen strapaziöse Verhandlungen vorangegangen sind, hat er mit Bravour geschultert. Nicht zuletzt zeigen sie seine zwischenmenschlichen Fähigkeiten: Denn Andreas Ramer verbindet, ohne das Ganze aus dem Blick zu verlieren: freundlich jedem einzelnen gegenüber, aber zuweilen hart in der Sache, die er für die Gemeinschaft vertritt. Das spiegelt sich auch in der ebenso harmonischen wie erfolgreichen Zusammenarbeit mit Max Lerch, dem Nachfolger-Vorstand der nächsten Generation.

Einer seiner eigenen Geburtstagswünsche wäre, dass dem aktuellen Schauplatz im Münchner Haus der Kunst ein längerfristiger Verbleib vergönnt ist. Dem schließen wir uns als langjährige Messebesucher von Herzen an!

Und privat? Seit 20 Jahren ist er mit Christine Falkenburger verheiratet, die in Nürnberg arbeitet. „Die 30 Jahre Altersunterschied scheinen mit förderlich zu sein“, sagt Ramer. Das kann bestätigen, wer den immer noch jugendlich umtriebigen Jubilar kennt, der seit 15 Jahren im Chiemgau daheim ist. Denn „der Wechsel vom Leben in einem alleinstehenden Bauernhaus und der intensiven Tätigkeit als Messeorganisator ist für mich sehr belebend. Nach wie vor besuche ich auch alle für den Antiquitätenmarkt wichtigen Messen und kann damit auch meiner Lust am Reisen nachkommen.“ Kaum glaublich, dass er am 17. Februar seinen 80. Geburtstag feiert. Wir gratulieren herzlich!