22.01.2020 Barbara Kutscher

Aus Liebe zur Linie

In New York laden Galerien zur Master Drawings andere Galerien ein und zeigen Zeichnungen in allen Facetten

Seit vier Jahren schon geht es bei der Master Drawings New York nicht allein um den Kommerz. Wenn nun zum 14. Mal internationale Händler in diesem Nischenmarkt parallel zu den wichtigen Altmeisterauktionen und der Winter Show (ehemals Winter Antiques Show) eine Woche lang ihre Ware anbieten, werden dazu wieder Schätze eines Museums aus der amerikanischen Provinz gezeigt. 

Die Bowdoin-Sammlung

Diesmal stellt im Gebäude der Driscoll Babcock Galleries das private Bowdoin College an der Ostküste im Bundesstaat Maine die Exponate, eine der ältesten Universitäten des Landes. Der Nachlass von James Bowdoin III., Politiker und Diplomat aus einer Bostoner Kaufmannsfamilie mit hugenottischem Hintergrund, legte 1811 den Grundstock für eine der ersten öffentlichen Zeichnungssammlungen der jungen Republik. Bowdoin kaufte eifrig europäische Kunst, davon zeugen in New York unter anderem Blätter der Raffael-Schule oder der Flamen Dirck Vellert und Abraham van Diepenbeek. Das finanziell bestens ausgestattete Museum sammelt auch weiterhin.

Samuel Palmer, „Landschaft“, um 1830, Öl, Tempera / Papier / Holz, 26,5 x 38 cm, angeboten von Guy Peppiatt Fine Art Ltd, Abbildung: Guy Peppiatt Fine Art Ltd
Samuel Palmer, „Landschaft“, um 1830, Öl, Tempera / Papier / Holz, 26,5 x 38 cm, angeboten von Guy Peppiatt Fine Art Ltd, Abbildung: Guy Peppiatt Fine Art Ltd

Der Londoner Händler Crispian Riley-Smith, der die Master Drawings Week 2006 mitinitiierte, lädt auch zur 14. Ausgabe wieder 25 Händler auf die Upper East Side, entlang Madison Avenue, zum relaxten Galerienspaziergang ein. „In New York leben einige der wichtigsten Sammler von Altmeisterzeichnungen und amerikanische Museen sind ebenfalls sehr aktiv“, erklärt Stephen Ongpin. Grund genug für den Londoner Zeichnungsspezialisten, regelmäßig hierher zu reisen. Die Master Drawings bietet aber mittlererweile nicht nur Historisches. Cade Tompkins Projects (Providence, Rhode Island), Victoria Munroe, Mary-Anne Martin und Leon Tovar (alle New York) erweitern das Spektrum bis in die Moderne und Gegenwart. 

Wechselspiel der künstlerischen Medien

Seit zwei Jahren kommen überdies Gemälde und Skulpturen hinzu. So zeigt Eric Coatalem französische Meister des 17. Jahrhunderts und Kunst des 21. Jahrhunderts, Colnaghi führt neben Zeichnungen auch Werke der Spätantike vor. Unter den fünf Neuzugängen ist der New Yorker Spezialist für frühe Fotografie, Hans P. Kraus, Jr. Bei ihm an Park Avenue hängt in der Schau „Drawing: the Muse of Photography“ auch Louis Daguerres stimmungsvolle Zeichnung einer Klosterruine, die um 1827 und damit noch  vor Erfindung seiner wegweisenden Daguerrotypie in der eigenen „dessin-fumée“-Technik entstand, bei der Daguerre wahrscheinlich mit Kerzenrauch arbeitete.

Service

Besuch

New York Master Drawings NY

25. Januar bis 1. Februar
in diversen Galerien

www.masterdrawingsnewyork.com

Dieser Beitrag erschien in

KUNST UND AUKTIONEN Nr. 1/2020