15.05.2019 Christiane Meixner

Bilder wie Heu

Galerist Michael Zink zeigt nun Kunst auf dem Land

Als Michael Zink 2016 seine Berliner Galerie schloss, geschah das nicht ganz freiwillig. Geschäftspartner Florian Kromus zog es nach Paris, Zink selbst hatte die Stadt schon vier Jahre zuvor gegen das Landleben eingetauscht und pendelte zwischen den Ausstellungen und der in Waldkirchen ansässigen Familie. Dort ist er inzwischen verwurzelt – und dort beginnt er nun noch einmal neu, weil er sukzessive zu dem zurückgefunden hat, was ihn einst zum Galeristen werden ließ: seine Faszination für die Kunst jenseits vom gewinnorientierten Investment.

Klaas Rommelaere, „Woods and Billboards“, 2018, Bild: Erich Spahn, Galerie Zink
Klaas Rommelaere, „Woods and Billboards“, 2018, Bild: Erich Spahn, Galerie Zink

Ein Pfarrhaus wird zur Galerie

Die Galerie im Oberpfälzischen versteht sich auch deshalb als ein Refugium. Vor knapp sechs Jahren entdeckte Zink das alte Pfarrhaus, eine imposante Architektur aus dem späten 19. Jahrhundert. Schnell fanden hier erste Ausstellungen statt. „Zum Spaß“, meint Zink, „von Freunden für Freunde“. Vielleicht aber auch, um den Künstlern und Sammlern aus seinem Umfeld die eigene Liebe zur Natur nahezubringen. Mit Erfolg. Die Gäste ließen sich gern aufs Land locken, wenn etwa der Berliner Künstler Michael Sailstorfer seine robusten Skulpturen im Pfarrhof installierte. Zinks nächster Schritt war deshalb nur konsequent: In den vergangenen zwei Jahren ließ er die zum Ensemble gehörende Scheune zu seiner neuen Galerie umbauen, Anfang April hat sie eröffnet.

Hinter den alten Scheunenmauern sitzt jetzt die Galerie, Bild: Erich Spahn, Galerie Zink
Hinter den alten Scheunenmauern sitzt jetzt die Galerie, Bild: Erich Spahn, Galerie Zink

Das Gebäude lässt unterschiedliche Welten verschmelzen

Es ist ein beeindruckender Ort. Die Schweizer Architekten Tamara Henry und Mathieu Robitaille, selbst passionierte Kunstsammler, zauberten einen urbanen Ausstellungsraum, der fast vergessen lässt, dass man sich in einem 26-Seelen-Dorf befindet. Innen öffnet er sich bis unters Dach, grauer Sichtbeton erstreckt sich im Eingangsbereich über drei Stockwerke. Die Ausstellungen finden im ersten Obergeschoss statt, dessen Wände teils über sieben Meter hoch sind. Großzügige Fenster versorgen die Seitenflügel nicht nur mit Licht. Sie ermöglichen dazu den Blick nach draußen und verbinden so die konzentrierte Atmosphäre im White Cube mit der bayerischen Landschaft, wo Rinder einer alten Rasse grasen – auch sie eine Leidenschaft des Galeristen.

Die Galerie Zink

Im Berliner Kunstbetrieb war Zink ein Profi. Nach dem Auftakt in Regensburg und einem Intermezzo in München eröffnete er 2007 seine Kreuzberger Räume, zeigte unter anderem die suggestiven Mangamädchen des Japaners Yoshitomo Nara. 2012 fand der Umzug nach Berlin-Mitte statt, wo Kromus die Leitung übernehmen sollte. Waldkirchen dagegen ist ein Ort für Experimente und Überraschungen. So, wie die „hervorragenden Sammler in der Umgebung“, die Zink inzwischen kennt. Oder jene Nachbarn, die er zur Kunst gebracht hat und in deren Garten jetzt ein Sailstorfer-Werk steht.

Johannes Nagel, „Orange Blue II“, 2017, Porzellan, Bild: Erich Spahn, Galerie Zink
Johannes Nagel, „Orange Blue II“, 2017, Porzellan, Bild: Erich Spahn, Galerie Zink

Gelungene Auftaktausstellung

Dazu passt auch der Titel der ersten Ausstellung „Thinking With My Hands“, die erneut eine Tür öffnen soll. Sie kombiniert Beispiele sogenannter angewandter Kunst von Rudolf Bott, Karl Fritsch, dem Atelier Lachaert Dhanis und Johannes Nagel mit Malerei von Sky Glabush, Rosilene Luduvico, Klaas Rommelaere und Dirk Zoete. Zinks Wunsch ist ein „Dialog zwischen Denken und Tun“, die Aufhebung überkommener Grenzen zugunsten neuer Eindrücke. Bislang ist es ihm gut gelungen. 

Service

Ausstellung

Galerie Zink
Waldkirchen 2,
Waldkirchen in der Oberpfalz,
zink-waldkirchen.de

Dieser Beitrag erschien in

WELTKUNST Nr. 156/2019