13.03.2019 Christiane Meixner

Schätze fürs Leben

Bei der Tefaf in Maastricht tragen Kunst- und Antiquitätenhändler in diesen Tagen wieder Kostbarkeiten aus aller Welt zusammen: edle Gefäße, virtuose Malerei und vollendete Skulpturen. Die Messe ist ein Museum auf Zeit, das beweist, wie wertvoll die Vergangenheit ist

Die Tefaf wächst und verjüngt sich. Europas wichtigste Bühne für die Schätze vergangener Jahrhunderte steigert die Zahl ihrer Aussteller im Vergleich zum letzten Jahr noch einmal um neun auf 279 Teilnehmer. Gleichzeitig wertet sie ihre Sektion „Tefaf Modern“ sichtbar auf: Allein 13 neue Teilnehmer an der Kunstmesse in Maastricht setzen auf Zeitgenössisches etwa vom 1963 geborenen Schweizer Ugo Rondinone oder der deutschen Konzeptkünstlerin Rosemarie Trockel, präsentiert von der Galerie Sprüth Magers.

Mehr Moderne und Künstler der Gegenwart

Rondinones große Steinarbeiten stehen am Stand von Kamel Mennour aus Paris. Es gäbe klassischere Positionen im Programm wie Alberto Giacometti oder Lee Ufan. Dass sich der Kunsthändler ganz auf einen Protagonisten der Gegenwart konzentriert, wirkt wie ein Fanal: Auch Maastricht setzt jetzt auf Contemporary! Georg Laue sieht das weniger zugespitzt. Der Münchner Kunsthändler agiert als Board Member der Tefaf und verweist auf das kundige Publikum jener Messe, das sich noch mehr Auswahl und Expertise im Bereich der Moderne wünsche.

Das Beste und Kostbarste an antiker Kunst, Malerei, Silber und Porzellan

Für die Tefaf ist das nicht selbstverständlich, gegründet wurde sie 1987 schließlich als Messe für exquisite Antiquitäten. Den Anspruch lösen bis heute die prächtigen Stände wichtiger Händler für Antikes und Alte Meister ein. Auch Gold- und Silberobjekte sind gut vertreten oder ausgesuchtes Porzellan, für das insbesondere die Münchner Kunsthandlung Röbbig steht oder die New Yorker Händlerin Michele Beiny. Sie alle sind passionierte Experten, genau wie die Sammler mit Interesse für spezielle Epochen und Genres.

Enormes Zukunftspotenzial

Andere orientieren sich  breiter und erwerben ebenso leidenschaftlich Wunderkammerobjekte wie Kunst der Moderne oder der Gegenwart. Darauf, so Laue, reagiere die Tefaf mit ihrem Angebot herausragender Galerien für Moderne und Contemporary, die auch diesen Sektor mit dem Besten bestücken können, was der Kunstmarkt zu bieten habe. Mathias Rastorfer, CEO der Galerie Gmurzynska, spricht mit Blick auf den neuen Akzent von einer „Leitmesse mit enormem Zukunftspotenzial“. Vor 17 Jahren waren die Zürcher zum letzten Mal auf der Tefaf vertreten – zurück kommen sie mit einem Highlight,  Mirós „Métamorphose“ von 1936.

Die Tefaf überstrahlt auch diesmal alles

Stärke zeigt die alte Kunst an den nach wie vor unvergleichlich aufwendigen Ständen zahlreicher Händler. Flankiert werden sie von musealen Spitzenstücken der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: So begegnet man in der aktuellen Sonderschau etwa der Krone Augusts des Starken von 1697 aus der Rüstkammer oder einem seltenen Satz von fünf Meissener Vasen aus der Porzellansammlung. Insgesamt sind es 23 Objekte, von denen ein Teil aus den Paraderäumen und dem Semperbau in Dresden stammen. Beide eröffnen überhaupt erst im Herbst dieses Jahres wieder. In Maastricht lassen sich die Schätze jetzt schon bestaunen – damit ist die Tefaf der Zeit sogar ein Stück voraus.

Service

Messe

Tefaf Maastricht

16. bis 24. März
Maastrichts Expositie en Congres Centrum
tefaf.com

Dieser Beitrag erschien in

Weltkunst Nr. 154/2019