Anfang Mai laden 50 Galerien zum Gallery Weekend nach Berlin, um Gästen aus aller Welt grandiose Kunst zu zeigen. Wir haben acht Ausstellungen ausgesucht, die Sie definitiv sehen sollten
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27.04.2026
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Erschienen in
Weltkunst Nr. 255
„Max Liebermann – Ein Schlüssel zum Garten“, Galerie Bastian (Taylorstraße 1), 1. Mai bis 1. August 2026
Max Liebermann legte seinen Garten am Wannsee nach glasklaren Prinzipien an, wilde Romantik – das war nichts für den Impressionisten. Umso erstaunlicher, dass die Natur bei ihm dann doch eine solche Sinnlichkeit entfaltet. Die Galerie Bastian hat aus diesem Widerspruch die Ausstellung „Ein Schlüssel zum Garten“ gemacht. Dort ist auch das Bild „Garten in Wannsee“ (1924) zu sehen.
„Katherine Bradford / Alltag“, Galerie Haverkampf Leistenschneider (Mommsenstraße 67), 1. Mai bis 6. Juni 2026
Die 1942 in New York geborene Künstlerin Katherine Bradford malt Superhelden in rot-blauen Anzügen oder Menschen, die im Weltraum schwimmen. Mit leuchtenden Farben schafft sie dichte, emotionale Bildwelten, doch ihre Figuren bleiben stets anonym. Tiefes Blau und entrückte Körper verleihen ihrem Werk eine gewisse Melancholie. Die Galerie Haverkampf Leistenschneider widmet Bradford eine Soloschau und zeigt unter anderen das Bild „Five under Hat“ (2021). Trotz der groben Pinselstriche entsteht eine Nähe zu den verletzlich wirkenden Gestalten, über die sich schützend ein großer Hut legt.
„Yuji Agematsu solo show“, Galerie Buchholz (Fasanenstraße 30), 1. Mai bis 20. Juni 2026
Jeden Tag unternimmt Yuji Agematsu einen Spaziergang durch seine Wahlheimat New York. Auf diesen Streifzügen sammelt der 1956 in Japan geborene Künstler achtlos Weggeworfenes und Verlorenes. Diesen städtischen Abfall bewahrt er in Zellophanhüllen von Zigarettenschachteln auf – von ihm „zips“ genannt. Später bastelt Agematsu aus seinen Fundstücken kleine Plastiken, die er mit Harz fixiert. Jeden Tag wird daraus ein eigenes Miniatur-Stillleben. Die Galerie Buchholz präsentiert sein außergewöhnliches Archiv, das im Lauf des Jahres 2024 entstand (Detail aus „zip: 01-01-2024–12-31-2024“).
„Der See und die Sonne – Caroline Bachmann“, Galerie Meyer Riegger (Schaperstraße 14), 1. Mai bis 13. Juni 2026
Ihre Landschaften wirken wie aus der Zeit gefallen, die Bilder von Caroline Bachmann könnten gerade erst entstanden sein – oder schon vor hundert Jahren. Zu dem Eindruck trägt bei, dass die 1963 geborene Schweizer Künstlerin ihre Skizzen en plein air an Flüssen und Seen anfertigt. In ihrem Atelier werden daraus bei künstlichem Licht Werke, die Bachmanns Naturerfahrung sukzessive in Malerei umsetzen („An American Lake Soleil blanc“, 2026). Das macht die Ansichten besonders, ornamental und eindringlich zugleich. Die Galerie Meyer Riegger präsentiert die Künstlerin, die 2022 den Prix Meret Oppenheim erhalten hat, mit ihrer zweiten Berlin Einzelausstellung „Der See und die Sonne“.
„Christiane Löhr – Soffuso“, Levy Galerie (Alt-Moabit 110), 1. Mai bis 18. Juli 2026
„Anne Duk Hee Jordan – Riders on the Storm“, Alexander Levy (Alt-Moabit 110), 1. Mai bis 18. Juli 2026
Auf den ersten Blick scheint Christiane Löhr und Anne Duk Hee Jordan wenig zu verbinden. Löhr, Jahrgang 1965, schafft filigrane, manchmal nahezu unsichtbare Plastiken aus Pferdehaar, Kletten oder den Samen von Pusteblumen. Die komplexen, mitunter sogar raumfüllenden Arbeiten von Anne Duk Hee Jordan, die in Berlin an Ólafur Elíassons Institut für Raumexperimente studierte, können blubbern, sind visuell laut, bunt und herausfordernd („Fiona“, 2023). Doch dann stößt man auf einen Satz der 1978 geborenen Künstlerin: „Ich verwandle organische und auch tote Materie in humorvolle, romantische Maschinen und Roboter, die aber immer einen Bezug zur Ökologie besitzen.“ Er liefert die Idee, weshalb Galerist Thomas Levy und sein Sohn Alexander Levy in ihren benachbarten Galerien die beiden Positionen gegenüberstellen. Es passt, auch wenn die Künstlerinnen höchst unterschiedlich auftreten: Ihre zentralen Themen sind Transformation und Vergänglichkeit.
„Brett Charles Seiler – occasional lovers“, EIGEN + ART (Auguststraße 26), 1. Mai bis 20. Juni 2026
Zärtlich berührt der junge Mann mit der Hand den Oberschenkel der Person, die vor ihm liegt. Ihre Gesichter sind nach vorn gerichtet, doch sie wirken verträumt, und ihre Blicke schweifen in die Ferne. In seinen Bildern hält Brett Charles Seiler intime Momente fest, „My Boyfriend and His Best Friend (Willem and Charity)“, 2025. Mit reduzierter Farbigkeit und schablonenhaften Figuren vor leeren Hintergründen lässt der 1994 in Simbabwe geborene Künstler viel Raum für die eigene Vorstellungskraft. In seiner Praxis beschäftigt er sich mit Themen wie Gender, Sexualität und Unterdrückung. Seit dem Kunststudium an der Ruth Prowse School of Art in Kapstadt, wo Seiler noch immer lebt, setzt er sich für mehr Anerkennung der queeren Community ein. In der Galerie EIGEN + ART kann man seine neuen Werke entdecken, zu denen neben Malerei auch Collagen und Installationen gehören, die sich aufklappen lassen. Häufig bezieht Brett Charles Seiler auch Text mit ein, um heteronormative wie patriarchische Strukturen zu hinterfragen.
„Wynnie Mynerva solo exhibition“, Societé (Wielandstraße 26), 1. Mai bis 27. Juni 2026
Diese Bilder sind heiß: In „Sostener el fuego“ (2025) verdichten sich gestische Pinselstriche zu Händen und einer kauernden Figur, die Farben wecken ein Gefühl für Temperatur, lassen an die Glut eines Lagerfeuers denken. Die peruanische Wahlberlinerin Wynnie Mynerva interessiert die Liebe in all ihren Facetten, dazu gehört auch die Sehnsucht nach menschlicher Wärme. Societé widmet ihr eine Soloschau. Im ersten Stock zeigt die Galerie neue Bronzen des albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama, die aus beiläufigen Kritzeleien im Büro entstanden.
„Jordine Voigt – Non-Fiction“, Galerie Judin (Potsdamer Straße 83), 1. Mai bis 6. Juni 2026
Bewegung ist das große Thema von Jorinde Voigt – Dynamik und Rhythmus, die sie ebenso poetisch wie intensiv in abstrakte Bilder umsetzt. In jüngerer Zeit hat die Berliner Künstlerin ihre Tätigkeit immer mehr ausgeweitet. Voigt, die auch einen Lehrstuhl an der Hamburger Kunstakademie hält, schuf polierte Stahlplastiken – und 2025 mit „Potential“ eine gigantische Bodenarbeit für die Staatsoper Hamburg. In der Galerie Judin besinnt sich Voigt auf ihre einzigartig sensiblen Motive, die zwischen Zeichnung und Malerei angesiedelt sind („Non-FictionI“, 2026). Es ist die erste Ausstellung der 1977 geborenen Künstlerin bei dem Galeristen Juerg Judin, der sie seit Dezember vergangenen Jahres vertritt.