Seit Generationen inspiriert Frida Kahlo nicht nur Künstlerinnen und Künstler, sondern ganze Bürgerrechtsbewegungen. Eine Ausstellung in Houston zeigt ihr Werk und ihren Einfluss – das ist im Amerika von heute mutig
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15.01.2026
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Erschienen in
WELTKUNST Nr. 249
Unweit von ihrer Heimat Mexiko, im Museum of Fine Arts in Houston, eröffnet im Januar eine Ausstellung mit dem Titel „Frida. The Making of an Icon“. Der Bundesstaat Texas grenzt an Mexiko, allein hier leben rund zwölf Millionen Menschen mit lateinamerikanischen Vorfahren. Für sie ist Frida Kahlo eine besonders wichtige Symbolfigur. Aber nicht nur für sie. „Ihre Bilder und ihre Geschichte, wie wir sie durch ihre Kunst erfahren“, sagt Museumsdirektor Gary Tinterow, „haben Millionen von Menschen auf der ganzen Welt so sehr berührt, wie es sonst nur van Gogh vermocht hat. Als Symbol der Selbstbehauptung, Resilienz und Nonkonformität ist sie nicht nur eine herausragende Frau ihrer Zeit, sondern auch eine Künstlerin, die für viele drängende soziale Fragen von heute steht.“ Vier Jahre lang hat ein Forschungsprojekt unter der Ägide der Kuratorin Mari Carmen Ramírez untersucht, wie Kahlo mittlerweile fünf Generationen von Kunstschaffenden inspiriert hat. Im aktuellen politischen Klima der USA ist die Ausstellung mutig – schon durch das Vokabular: „Decolonizing Feminist Perspectives“ heißt ein Katalogbeitrag, aber auch Worte wie „Gender“, „Diversity“, „LGBTQ+“ und „Disability“ sind Reizworte für die aktuelle Regierung, die gerade dabei ist, Rechte von Frauen und Minderheiten zurückzustutzen.
Wie also zeigt sich Frida Kahlos gigantischer Nachruhm in der Kunst? Für einen Kalender des Jahres 1975 schuf der kalifornische Künstler Rupert García ihr leuchtendes Pop-Art-Bildnis auf der Basis einer Fotografie von Nickolas Muray (einem ihrer Liebhaber). García ist selbst „Chicano“ – diese Verballhornung von „Mexicano“ war einst eine diskriminierende Bezeichnung für Söhne und Töchter mexikanischer Wanderarbeiter in den USA, wurde aber seit den Sixties von der Bürgerrechtsbewegung aufgegriffen und für soziale und kulturelle Belange adoptiert. Dass er ihre Haut dunkler machte, als wir sie von Fotografien kennen, und auch dunkler, als die Künstlerin selbst sich darstellte, nennt Ramírez „radikal“: García machte sie so zu einer Chicana und verstärkte ihr indigenes Erbe.
Ein Vierteljahrhundert später vermischt der Japaner Yasumasa Morimura ethnische Aspekte mit Fragen der Gender-Identität. In seiner Serie „An Inner Dialogue with Frida Kahlo“ inszeniert er sich in auffälliger Kostümierung nach dem Vorbild ihrer Werke, wie rechts in der Pose von Kahlos Selbstbildnis vor tropischer Kulisse von 1940, mit Blumen in der Hochfrisur, Dornenhalsband und einem Tuch, auf dem, abweichend vom Original, das Louis-Vuitton-Logo prangt. Und am Ohr baumelt der surrealistische Schmuck mit der metallenen Hand, den Picasso und Dora Maar der Künstlerin einst bei ihrem Besuch in Paris zum Geschenk machten. Über geografische Grenzen und die Geschlechter setzt sich Morimura hinweg.
Andere Aspekte scheinen in der Fotografie „Being Frida“ auf, die die Britin Mary McCartney von Tracey Emin schuf. Hier schlüpft eine Künstlerin in die Rolle einer anderen. Kurz zuvor war Emin mit „My Bed“ berühmt geworden. Wie Kahlo hat Emin in ihrem Werk immer wieder sexuelle oder medizinische Themen ihrer eigenen Biografie verarbeitet, manches schockierend intim. Auf diesem Bild wirkt sie nicht, als hätte sie sich zum Schlafen ins Bett begeben, sondern wie jemand, der von einem Kissen gestützt im Krankenzimmer Gäste empfängt. Sie blickt kritisch und misstrauisch aus dem Bild heraus, als ob sie fragen würde: „Und wer bist du?“
„Frida: The Making of an Icon“
Museum of Fine Arts in Houston, Texas
19. Januar bis 17. Mai 2026
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Tate Modern, London
25. Juni bis 3. Januar 2027