Ausstellungen

Nicht verpassen: 6 Ausstellungen im August

Die schönsten Kunstausstellungen im August: In diesem Sommer warten Stapelobjekte von Sean Scully im Skulpturenpark Waldfrieden, der Meister vom Mondsee in Wien und ein fast vergessenes Künstlerpaar in Stuttgart

Von WELTKUNST Redaktion
03.08.2020

Uwe Lausen Heide Stolz Stuttgart
Unbetiteltes Foto von Heide Stolz von 1967 zeigt Tochter Lea vor "Grandiose Aussichten" von Uwe Lausen (© Nachlass Heide Stolz, DASMAXIMUM, Traunreut/VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Uwe Lausen & Heide Stolz

Staatsgalerie Stuttgart,
bis 18. Oktober

Das Leben war kein Zuckerschlecken für den Maler Uwe Lausen, der 1970 im Alter von nur 29 Jahren im Haus seiner Eltern Selbstmord beging. Verzweiflung und Verachtung gegenüber den staatsstützenden „Versicherungsagenten“ – so ein Werktitel von 1967 – kanalisierte er in poppige Gewaltfantasien. Aus heutiger Sicht wirken seiner Bilder faszinierend provokant und attraktiv. Ihnen zur Seite in der Stuttgarter Ausstellung hängen Fotografien der ebenfalls unangepassten Künstlerin Heide Stolz, seiner Ehefrau. Sie inszenierte um 1967 die gemeinsame Tochter Lea für ein unbetiteltes Foto vor Lausens Gemälde „Grandiose Aussichten“ – und schuf so ein höchst symbolisches Bild.

Sean Scully Skulpturenpark Waldfrieden Wuppertal Ausstellung
Sean Scullys „Sleeper Stack“ von 2019 ist bis Januar 2021 im Skulpturenpark Waldfrieden zu sehen (© Ralf Silberkuhl/Sean Scully)

Sean Scully

Skulpturenpark Waldfrieden,
Wuppertal, bis 3. Januar 2021

Gut Ding will Weile haben – diese Volksweisheit beherzigt der Künstler Sean Scully, wenn er für seine „Stack“-Arbeiten behutsam Materialien aufeinanderstapelt. Im Wuppertaler Skulpturenpark des Bildhauerkollegen Tony Cragg überträgt Scully sein Prinzip des allmählichen Aufbauens auf eine ganze Ausstellung: Sie begann Mitte Juni bescheiden mit einem „Moor Shadow Stack“, gewann durch die Errichtung weiterer Außenarbeiten an Größe und erlebt voraussichtlich im September ihren Höhepunkt, wenn der Künstler lokalen Kalkstein zu einem neuen Werk stapeln wird. In den Ausstellungshallen des Parks sind zudem die typischen Farbbänder-Gemälde des Iren zu sehen, etwa das frühe „Grid“ (1972–2019), bei dem er sich von marokkanischen Teppichwebern inspirieren ließ.

Delfter Keramik Kunstmuseum Den Haag Palast Het Loo
Delfter Kachel, um 1685, aus dem Palast Het Loo im Kunstmuseum Den Haag (© Paleis Het Loo)

Royal Blue

Kunstmuseum Den Haag,
bis 22. November

Mit ihrem zarten blauweißen Dekor hat die Delfter Keramik schon viele Sammler entzückt. Und doch hatte sie keinen größeren Fan als Maria II., die 1677 den niederländischen Statthalter Wilhelm III. von Oranien ehelichte und 1689 an seiner Seite den Thron als Königin von England, Schottland und Irland bestieg. Obwohl in York geboren, fand Maria so sehr Gefallen an der Delfter Keramik, dass sie erst den Palast Het Loo in Apeldoorn damit schmückte und später auch noch einen Pavillon des Hampton Court Palace bei London. So wurde das Delfter Blau zum „Royal Blue“.

Ana Mendieta Museum Ludwig Köln
Die Fotografie "Untitled (Facial Hair Transplants)" von Ana Mendieta von 1972/1997 ist im Museum Ludwig in Köln zu sehen (© Sabrina Walz/Rheinisches Bildarchiv Köln/VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Mapping the Collection

Museum Ludwig, Köln,
bis 11. Oktober

Warhol, Johns, Lichtenstein: für Stammgäste des Museums Ludwig ist die amerikanische Kunst der Sixties und Seventies wohlvertrautes Territorium. Denkt man. Doch in der Vergangenheit blieben einige Zonen dieser Epoche vernachlässigte Gebiete. Wo es blinde Flecken gab – etwa bei der Kunst mit feministischen oder queeren Inhalten, aber vor allem bei den Beiträgen afroamerikanischer und indigener Künstlerinnen und Künstler – ergänzt die Schau „Mapping the Collection“ nun das Bild. So wird auch die großartige Ana Mendieta, die mit Körperperformances spielerisch Rollenklischees hinterfragte, endlich prominent gewürdigt.

Bakelit-Objekte Sammlung Wien
Amerikanisches Kassiergerät aus Bakelit von 1954 im Museum für angewandte Kunst in Wien (© Georg Mayer/MAK/Oscar Sundstrand)

Bakelit

Museum für angewandte Kunst, Wien, bis 26. Oktober

Plastik ist peinlich, der coole Kunststoff heißt Bakelit. Benannt wurde das einstige Wundermaterial 1909 nach seinem Erfinder, dem belgischen Chemiker Leo Hendrik Baekeland, und da die Verbreitungszeit in die Blüte der Moderne fiel, bezaubern Bakelit-Objekte heute mit ihrem formschönen Retro-Charme. Verfallen war diesem auch der 2018 verstorbene Wiener Galerist Georg Kargl, dessen Sammlung von 300 Objekten jetzt präsentiert wird. Vom kuriosen Raumfährendesign eines amerikanischen Kassiergeräts von 1954 bis zum eleganten Babyfon „Zenith Radio Nurse“ (ebenfalls USA, 1938) ist einiges zu bewundern.

Meister vom Mondsee Maria Belvedere
"Maria als Tempeljungfrau im Ährenkleid", geschaffen vor 1500 von einem unbekannten Meister für die Stiftungskirche von Mondsee, ist derzeit im Oberen Belvedere ausgestellt (© Johannes Stoll/Belvedere, Wien)

Der Meister von Mondsee

Oberes Belvedere, Wien,
bis 13. September

Einen schöneren Künstlernamen hat keiner. Und er bekam ihn nur für ein einziges Werk: den spätgotischen Flügelaltar, den dieser unbekannte Meister vor 1500 wohl für die Stiftskirche von Mondsee schuf. Doch spätestens 1791 bei der Auflösung des Klosters wurde der Altar zerteilt und diese Teile in alle Winde verstreut. Fünf Einzelbilder bewahrt heute das Belvedere, darunter die „Maria als Tempeljungfrau im Ährenkleid“ von der Predella, eines die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein. Und weil seit dem Jahr 2000 auch die Oberösterreichischen Landesmuseen eine Tafel besitzen und 2015 eine zweite aus Privatbesitz ankauften, können zum ersten Mal acht -wunderschöne Gemälde des Meisters von Mondsee wieder vereint werden.