13.04.2020 Weltkunst Redaktion

Virtuell ins Museum – Teil 4

In der Coronakrise verstärken die Museen ihre digitalen Angebote. Unsere neue Serie stellt Ausstellungshäuser vor, die gemäß dem Hashtag #MuseumFromHome zum virtuellen Kunstgenuss einladen. Teil 4: von den Kunstmuseen Krefeld bis zur Alten Pinakothek

Alte Pinakothek in München

Raffaels „Heilige Familie Canigiani“ (ca. 1507) ist das Highlight der Ausstellung der Alten Pinakothek anlässlich seines 500. Todestages. Die Eröffnung wurde nun leider nicht gefeiert, doch online kann man das Meisterwerk bereits besuchen. Der Museumsblog wirft vielfältige Blickwinkel auf das Motiv, die Geschichte und die Restaurierung und im digitalen Zoom kommt man dem Gemälde näher, als es den Ausstellungsaufsichten lieb wäre. Im virtuellen Rundgang kann man so die Hauptwerke der Sammlung Saal für Saal erkunden. In knackig kurzem Videoformat stellen „Kunstminuten” einige Bilder und die Menschen, die am Museum mit ihnen arbeiten, vor.

Kunstmuseen Krefeld

In den 1970er-Jahren versandte das britische Duo Gilbert & George Karten, Fotos und Briefe per Post und vernetzte sich so künstlerisch über die Distanz hinweg. Inspiriert von dieser Mail-Art in ihrer Sammlung, rufen die Kunstmuseen Krefeld dazu auf, Kunstwerke im Briefformat, die während des Lockdown geschaffen werden, einzusenden. Daraus entsteht eine Ausstellung, sobald die Museumstüren sich wieder öffnen. Bis dahin können die Highlights der Sammlung des Kaiser Wilhelm Museums und eine Führung durch die aktuelle Schau des israelischen Fotografen Sharon Ya’ari in der Dependance Haus Esters online erlebt werden.

Das Museum Haus Esters in Krefeld, Ostansicht der ehemaligen Stadtvilla nach Entwurf von Ludwig Mies van der Rohe, Foto: Volker Döhne
Das Museum Haus Esters in Krefeld, Ostansicht der ehemaligen Stadtvilla nach Entwurf von Ludwig Mies van der Rohe, Foto: Volker Döhne

Lübecker Museen

Im historischen Kern der einstmaligen Hauptstadt der Hanse wimmelt es auf nur zwei Quadratkilometern geradezu von Museen zur Literatur, Kunst und Kultur. Die Vielfalt dieser Miniatur-Museumslandschaft lässt sich auch im Netz erleben: In ihrer Online-Ausstellung geht die Kunsthalle St. Annen Naturmotiven in der zeitgenössischen finnische Fotokunst nach. Das Museum Behnhaus Drägerhaus zeigt seine Kunst des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne in einem 360°-Rundgang durch das klassizistische Stadtpalais und in der Online-Sammlung samt Audioguides. Ebenso kann der spätgotische Remter des St. Annen Museums virtuell besucht werden, um seine mittelalterlichen Schätze zu entdecken.

Gropius Bau in Berlin

Geschenke und Rituale sind der Ausgangspunkt der Kunst von Lee Mingwei, dem der Gropius Bau gerade eine Einzelausstellung widmet. Mit zwei neuen Arbeiten geht der Künstler nun auf die globale Krisensituation ein und stiftet Momente der Kontemplation und Intimität in der Quarantäne. „Invitation for Dawn” lädt Opernsängerinnen und -sänger und Einzelpersonen in einen virtuellen Raum, um in Form einer Einzeldarbietung ein Geschenk der Hoffnung zu überreichen. „Letter to Oneself” fordert dazu auf, sich in einem Brief über die eigene Unruhe und Hoffnung Gedanken zu machen und diese nach der Wiedereröffnung des Museums in einer Ausstellung zu teilen. Die aktuelle Schau des nigerianischen Fotografen Akinbode Akinbiyi kann man währenddessen digital erkunden. Eine Online-Filmreihe zeigt Arbeiten von Filmschaffenden aus Hongkong, die die Zerrissenheit der Stadt dokumentieren.

Hier geht’s zum Teil 3 unserer Serie.

Lee Mingweis interaktive Mixed–Media–Installation
Lee Mingweis interaktive Mixed–Media–Installation "Guernica in Sand", 2006–heute, im Berliner Gropius Bau (Installationsansicht Lee Mingwei and His Relations, Taipei Fine Arts Museum, 2015, Courtesy: Taipei Fine Arts Museum)