08.06.2019 Tim Ackermann

Eier und Eiermann

Das Kunstwerk „Il Nido“ gastiert in der Berliner Gedächtniskirche. Zur Finissage ist es am Pfingstsonntag im Oktogon von Egon Eiermann zu sehen

Die Natur hat es so eingerichtet, dass sich Vögel von Kirchtürmen angezogen fühlen. Störche nisten auf ihren Dächern, Eulen und Käuzchen richten sich im Gebälk gemütlich ein. Und doch dürften Flaneure auf einem der belebtesten Plätze Berlins von diesem Anblick eher überrascht gewesen sein: Welches gigantische Federvieh hatte sich ausgerechnet die Turmruine der Gedächtniskirche als Wohnort ausgesucht? Die Lösung des Rätsels ist natürlich Kunst: Die Skulptur „Il Nido“ der in Venedig lebenden Künstlerin Sylke von Gaza ist zumindest für aufmerksame WELTKUNST-Leser kein Geheimnis mehr.

Glas aus Murano, Holz vom Havelufer

Das riesige Nest aus Treibholz von der Lagunenküste mit seinen fünf blauen Eiern aus mundgeblasenem Muranoglas wurde das erste Mal auf dem Dach der historischen Sternwarte gezeigt, die zur berühmten Basilika Santa Maria della Salute gehört. Nun hing es für rund einen Monat im Zwischengeschoss des Gedächtniskirche-Turms, von unten gut zu sehen durch die teilzerstörten Wände. Die Künstlerin hatte anlässlich des Gastspiels extra Holz von Havelufern in das Nest mit hinein geflochten. Zur Finissage des Projekts ist „Il Nido“ jetzt noch einmal ganz aus der Nähe zu sehen – und zwar beim Gottesdienst am Pfingstsonntag um 18 Uhr im oktogonalen Kirchenraum von Egon Eiermann. Wenn dann das Abendlicht durch die blauen Glasbausteine der Wände über die Skulptur flutet, liegt auch der Gedanke an die Lagune nicht mehr fern.

 

Service

" Il Nido", Skulptur von Sylke von Gaza, 2019 im Turm der Gedächtniskirche in Berlin (© Bildarchiv Sylke von Gaza / Foto: Julian Bruno Vogel)