08.12.2017 Tim Ackermann

Il Nido – Venedigs geheimes Nest

Kunst weit über den Wogen der Lagune: Noch bis Mitte Dezember kann man in Venedig das Werk „Il Nido“ der deutschen Künstlerin Sylke von Gaza in einer alten Sternwarte bewundern.

Zu den schönsten Erlebnissen eines Venedig-Besuchs gehört der Moment, wenn man ziellos durch eine schmale Gasse streift und unverhofft auf einen überraschenden Anblick trifft: einen kleinen, hübsch angelegten Garten, einen prächtigen Palazzo – oder ein Kunstwerk. Manche dieser Kulturereignisse, in der an Kultur wahrlich nicht armen Stadt, sind allerdings so gut verborgen, dass selbst die Einheimischen kaum davon wissen.

Ein solcher Ort ist das historische Observatorium des Priesterseminars der Basilika Santa Maria della Salute im Stadtteil Dorsoduro. Die Sternwarte ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Doch nun kann man auf das Dach des Gebäudes steigen, und dort eine ziemliche Überraschung erleben: Vor einem Panorama, dass sich kein Venedig-Tourist schöner ausmalen kann – der Campanile, der Dogenpalast, die Weite der Lagune – fällt das milde Sonnenlicht auf ein gigantisches Nest aus trockenem Treibholz, in dem nicht minder überdimensionale blaue Eier liegen.

 

Die Künstlerin Sylke von Gaza hinter ihrem Kunstwerk
Die Künstlerin Sylke von Gaza hinter ihrem Kunstwerk "Il Nido", 2017. (© Bildarchiv Sylke von Gaza, Foto: Julian Bruno Vogel)

Was aussieht wie das Gelege eines unbekannten Riesenvogels, ist ein Kunstwerk der deutschen Künstlerin Sylke von Gaza. Die Installation, die ortspezifisch und nur für einen kurzen Zeitraum entstanden ist, trägt den Titel „Il Nido“ – übersetzt, klar: „Das Nest“. Die Künstlerin, die seit einigen Jahren in Venedig projektbezogen arbeitet, ist bestens vernetzt und hat bereits monochrome Gemälde für die Kirche San Lio gemalt. So wurde sie nun zur Reihe „Padiglioni Pararelli“ der Kurie eingeladen, die immer im Jahr der Kunstbiennale stattfindet. Und mit solch guten Verbindungen war dann eben auch das Sternenwartendach kein Tabuthema mehr.

Das Holz für „Il Nido“ stammt aus der Lagune

„Il Nido“ ist jedoch nicht nur durch den Schauplatz ein ortspezifisches Werk: Die Künstlerin ließ sich auch bei ihrer Materialwahl von ihrer venezianischen Umwelt inspirieren: Die Äste des Nestes sammelte sie an den Stränden der Lagune und transportierte sie mit einem traditionellen Fischerboot zur Salute-Basilika. Eine Menge Treibholz: Das Nest wiegt rund 250 Kilo.

Die Eier hingegen sind kunstvoll aus Murano-Glas geblasen. Von Gaza kooperatierte dafür mit dem Unternehmer Adriano Berengo, der auf der Nachbarinsel die Ausstellungsreihe „Glasstress“ organisiert. Wie die „Glasstress“-Künstler arbeitete auch sie Hand in Hand mit einem der alteingesessenen Glasbläser Muranos zusammen.

Schaut man auf „Il Nido“ begreift man, dass in diesem Werk all das zusammenkommt, für das man Venedig so liebt: Kultur und Natur. Tradition und Moderne.

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„Il Nido“ ist noch bis Mitte Dezember zu sehen: Basilica della Salute, Venedig