10.08.2018 Lisa Zeitz

Wolken und Libellen: Qi Baishi in Liechtenstein

Das Landesmuseum Liechtenstein zeigt eine Ausstellung zur chinesischen Kultur mit Werken des teuersten chinesischen Künstlers

In der Liste der weltweit teuersten Werke des vergangenen Jahres steht an oberster Stelle Leonardo da Vinci. Aber kennen Sie die Nummer zwei, den Künstler, der vor van Gogh, Basquiat und all den anderen steht? Qi Baishi (1864–1957) hat im Dezember in Peking den Rekordzuschlag von umgerechnet 104 Millionen Euro für ein Ensemble aus zwölf Tuschelandschaften von 1925 erzielt. In China wird Qi Baishi – wie Pablo Picasso in Europa – als wichtigster Maler der Moderne verehrt: „Dort kennt jedes Kind seinen Namen, aber in Europa hat bisher kaum jemand von ihm gehört“, sagt Rainer Vollkommer, der Direktor des Liechtensteinischen Landesmuseums. Das soll sich nun ändern. 

Mehr als 30 Werke des chinesischen Superstars

Dank guter Kontakte nach Peking kann er in Vaduz eine umfassende Ausstellung präsentieren, die neben anderen wichtigen Künstlern mehr als dreißig Werke von Qi Baishi aus der Kunstakademie Peking zeigt, generell die Bedeutung der Tuschezeichnung und Kalligrafie in der chinesischen Kultur beleuchtet und in ihre poetische Motivwelt einführt. Zu den Tierkreiszeichen zählt der Hase, von dem die alten Chinesen glaubten, er sei der Gott des Mondes, der unter einem Duftblütenbaum ein Elixier der Unsterblichkeit zubereitet. Seit Jahrtausenden haben die Literaten des Landes den „eleganten Geschmack“ ausgebildet, wozu die Betrachtung von Wolken ebenso gehört wie das Schreiben und Malen mit Tusche. Meist sind Schriftzeichen und Bildmotive eine feste Einheit. 

Haarfeine Insekten und schwungvolle Bambuszweige

Den Tuschpinsel, heißt es im umfangreichen dreisprachigen Katalog, soll Meng Tian im dritten Jahrhundert v. Chr. erfunden haben. Faszinierend anzuschauen sind die bemalten Faltfächer, die Schreibpinsel und Reibsteine von Qi Baishi, seine haarfeinen Zeichnungen von Insekten auf ansonsten leerem Papier, die er auf Vorrat anfertigte, um sie später durch Blattwerk und Schriftzeichen schwungvoll zu ergänzen. Glückliche Fügung: Jetzt sind neben Briefmarken mit Motiven des Künstlers aus dem berühmten Postmuseum des Fürstentums Liechtenstein auch Qi Baishis originale Vorlagen zu sehen.

Service

Ausstellung

Eleganz und Genießen – Alltagsleben, Weisheiten und Kunst in der chinesischen Kultur“

Vaduz, Landesmuseum Liechtenstein, bis 21. Oktober