11.06.2018 Martin Faass

Künstler als Gärtner: Paul Klee trifft Max Liebermann

Es grünt so grün am Wannsee! Die Liebermann-Villa zeigt Gartenbilder von Paul Klee und Max Liebermann – und erhält ein impressionistisches Gemälde als Leihgabe der Schweizer Eidgenossenschaft, das jetzt nach fast einem Jahrhundert zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wird. Der Museumsdirektor Martin Faass freut sich – und beantwortet vier Fragen.

Welche Erkenntnisse bringt die ungewöhnliche Gegenüberstellung dieser zwei Zeitgenossen von so unterschiedlichem Temperament?

Die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen. Stilistische Richtungen laufen zur gleichen Zeit parallel. Max Liebermann hat in den Zwanzigerjahren noch authentisch impressionistisch gemalt, während zur selben Zeit Künstler wie Paul Klee die Abstraktion schon hinter sich hatten und zeichenhaft das Gegenständliche wieder in ihre verrätselten Bilder hineingenommen haben. Es ist eben nicht diese lineare Kunstgeschichte, die wir im Kopf haben, sondern ganz unterschiedliche Stilrichtungen bestehen in dieser Zeit nebeneinander.

Die Liebermann-Villa ist gerade im Sommer nicht nur wegen der Ausstellungen ein Ausflugsziel, sondern auch wegen des Gartens. Vom Gemüsegarten bis zum Steg auf den Wannsee ist er nach den Gemälde und Zeichnungen des Impressionisten wieder so rekonstruiert worden, wie Liebermann es vor rund einhundert Jahren plante. An welchen Blüten kann man sich jetzt im Sommer wieder erfreuen?

Die roten Dahlien sind das Prunkstück des Staudengartens, die hat Liebermann geliebt, man findet sie auch auf seinen Werken, die wir jetzt als Leihgaben ins Haus geholt haben, außerdem die Stockrosen mit ihren gefüllten Blüten, Salvien und Zinnien in allen Farben.

Welcher Garten inspirierte Paul Klee?

Beide Künstler waren große Garten-Fans. Für Klee war der Garten seines Elternhauses am Obstbergweg in Bern sehr wichtig, auch im Zusammenhang mit seiner Beschäftigung mit der Morphologie der Pflanzen.

 

Max Liebermann, Große Seestraße am Wannsee, 1923. Foto: Schweizer Eidgenossenschaft
Max Liebermann, Große Seestraße am Wannsee, 1923. Foto: Schweizer Eidgenossenschaft

Der Kontakt zur Schweiz hat der Liebermann-Villa eine überraschende Leihgabe beschert, Max Liebermanns „Große Seestraße in Wannsee“ von 1923. Wie kam es dazu?

Die damalige Schweizer Botschafterin Christine Schraner Burgener hat vor rund zwei Jahren die Schirmherrschaft für unsere Ausstellung „Max Liebermann und Paul Klee“ übernommen. In diesem Zusammenhang hat sie unser Haus kennengelernt. In der Botschaft hatte sie Liebermanns Gemälde „Große Seestraße am Wannsee“ schon bei ihrem Amtsantritt entdeckt, als sie, wie es üblich ist, den Bestand der Botschaft kontrollierte und die Inventarliste durchging. Sie hat entdeckt, dass das Gemälde zwar seit 1948 in der Schweizer Botschaft in Berlin befand, aber nicht zum Eigentum der Schweizer Botschaft gehörte, sondern dass es damals von dem damaligen Gesandten privat angekauft wurde. Mit dem Wunsch, es einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, fand sie, dass es bei uns am rechten Platz ist. Das Bild zeigt die unmittelbare Umgebung der Villa, nämlich die Straße am Großen Wannsee, die direkt an Liebermanns Grundstück angrenzt, dort, wo sich heute die Bushaltestelle befindet. Liebermann hat in den Zwanzigerjahren dort eine ganze Serie von Bildern gemalt. Er schätzte Alleen als Motiv sehr.

Service

Ausstellung

Max Liebermann und Paul Klee: Bilder von Gärten
Liebermann-Villa am Wannsee

Colomierstraße 3
14109 Berlin
10. Juni bis 17. September 2018