26.04.2018 Thurn und Taxis Fragebogen

AA Bronson über sein Berlin

AA Bronson hat in seiner bisherigen Karriere so viel erreicht wie andere in drei Leben nicht: Er rief Kunstbuchmessen in New York und Los Angeles ins Leben, war Präsident von Printed Matter und Mitbegründer des legendären Künstlertrios General Idea. Uns hat er verraten, was man in seiner Lieblingsstadt Berlin nicht verpassen sollte.

AA Bronson hat in seiner bisherigen Karriere so viel erreicht wie andere in drei Leben nicht: Er rief Kunstbuchmessen in New York und Los Angeles ins Leben, war Präsident von Printed Matter und Mitbegründer des legendären Künstlertrios General Idea. Mit seinen Arbeiten trägt er bis heute zum bewussten Umgang mit Aids bei und verankert Queerness in der Kunst. Die Galerie Esther Schipper erinnert vom 27. April bis 26. Mai an General Idea, das KW Institute for Contemporary Art widmet AA Bronson vom 26. bis 29. April die Ausstellung Garten der Lüste.

Was ist zurzeit Ihre Lieblingsstadt?
Berlin – weil die Stadt die freie Welt anführt.

Womit verbringen Sie dort Ihre Zeit?
Ich liebe FKK. Diese ostdeutsche Tradition, die in Kalifornien die Hippies und die Health-Food-Bewegung beeinflusst hat, geht mit einem erfrischenden Mangel an Körperscham einher. Und weil Berlin fast zu einem Drittel aus Parks besteht, gibt es genug Platz, um sich diesem Kult zu widmen.

Welche Galerien besuchen Sie dort gerne?
Besonders gerne bin ich bei Esther Schipper. Hier ein paar Tipps, sollten Sie auch dort vorbeischauen: Haben Sie keine Angst. Nehmen Sie den Aufzug. Wenn Sie oben streng begrüßt werden, ist das ein gutes Zeichen. Echte Berliner Schnauze eben.

Können Sie ein Restaurant empfehlen?
Ja, aber wenn Sie dann dorthin strömen, bleibt für mich kein Platz mehr. Gehen Sie stattdessen einfach ins Grill Royal.

Was bestellen wir dort?
Im Grill Royal gibt es wirklich nur Fleisch, wenn Sie also wie ich ein alter Mann mit versagenden Zähnen sind, haben Sie kein Glück. Aber das Steak ist wirklich außerordentlich gut. Beim Dinner genießen Sie den Blick auf die Spree, bestellen Champagner und benehmen sich getreu dem Motto „sehen und gesehen werden“.

Wo trinkt man den besten Kaffee der Stadt?
In der Kaffeekirsche in der Adalbertstraße, nördlich vom Kottbusser Tor. Mir gefällt es dort, weil der Ort genau in der Mitte des Anarchoviertels liegt, wo Gentrifizierung noch verboten ist (und das, obwohl Google die Nachbarschaft aufgekauft hat). In Kreuzberg ist Berlin noch echt.

Welches Museum ist ein Muss?
Die Gemäldegalerie! Als ich das letzte Mal dort war, habe ich vierzehn Bilder gezählt, auf denen der heilige Sebastian abgebildet war. Und das, ohne mich anzustrengen. Was passt denn bitte besser zu einer Stadt, die für ihre schwule Kultur weltbekannt ist? Planen Sie auch einen Abstecher ins Schwule Museum ein – die Ausstellungen sind zwar unausgewogen, aber immer anregend.

Ein Gebäude in der Stadt, das Sie besonders lieben?
Die Unité d’Habitation von Le Corbusier im Westen – in der Nähe des Olympiastadions.

Welchen berühmten Ort können wir uns sparen?
Eindeutig den Checkpoint Charlie.

Bester Buchladen?
Berlin hat mehr englischsprachige Buchhandlungen als Manhattan. Mein Favorit ist Pro qm, wo Theorie und Kunst aufeinandertreffen – auf Deutsch und Englisch.

Ein kulturelles Ereignis, das wir nicht verpassen dürfen?
Wenn Sie es folkloristisch mögen, empfehle ich den Rixdorfer Weihnachtsmarkt in Neukölln. Ich liebe die Dromedare!

Die beste Hotel-Bar der Stadt?
Eindeutig die Zigarren-Lounge im Savoy, die voll ist mit Möchtegern-Gangstern, meist Russen. Dort gilt nur eine Regel: Lächeln Sie niemals.

Mit welchem Drink betrinken wir uns dort?
Die Bar hat eine legendäre Auswahl an Single Malt, aber ich bestelle immer einen Zombie. Mit vollkommen ernstem Gesicht natürlich.

Womit bezirzt man den Türsteher?
Charme kommt in einer anarchistischen und egalitären Stadt wie Berlin nicht gut an. So werden Sie aus dem Club geworfen, noch bevor Sie überhaupt drin sind.

Zum Schluss: ein Tipp, den wir in keinem Reiseführer finden?
Wenn Sie in der Business Class nach Berlin fliegen, werden Ihre Koffer als Letztes auf dem Gepäckband ankommen. Die Berliner Gepäckabfertiger sind die berüchtigsten Anarchos der Stadt!

Zeitreise: AA Bronson vor der General Idea-Arbeit „Menage a Trois“, die ihn im Jahr 1977 zeigt. Foto: Mark Jan Krayenhoff van de Leur
Zeitreise: AA Bronson vor der General Idea-Arbeit „Menage a Trois“, die ihn im Jahr 1977 zeigt. Foto: Mark Jan Krayenhoff van de Leur

Service

Ausstellungen

Galerie Esther Schipper
Catch me if you can! AA Bronson + General Idea, 1968–2018
27. April  bis 26. Mai 2018

KW Institute for Contemporary Art
AA Bronsons Garten der Lüste
26. bis 29. April 2018

Dieser Beitrag erschien in

Weltkunst Nr. 142 / 2018