01.08.2017 Simone Sondermann

Die Zukunft ist weiblich: Auftakt für junge Künstlerinnen in Berlin

Rundgang 50Hertz: Zum Auftakt einer neuen Ausstellungsreihe präsentiert das Berliner Energieunternehmen gemeinsam mit der Nationalgalerie vier Absolventinnen der Kunsthochschulen Leipzig, Berlin und Hamburg

Das Museum Hamburger Bahnhof in Berlin geht bei der Präsentation junger Kunst neue Wege. Gemeinsam mit dem Netzbetreiber 50 Hertz, der in der Nachbarschaft, in dem noch immer von Baustellen dominierten Areal rund um den Berliner Hauptbahnhof seine Firmenzentrale hat, zeigt sie nun einmal jährlich ausgewählte Arbeiten von vier Absolventen der Kunsthochschulen in Berlin, Hamburg und Leipzig. Die Initiative dieser Kooperation ging von dem Energieunternehmen aus, das die Arbeiten öffentlich zugänglich macht. Ein eigens dafür gestalteter Ausstellungspavillon des Architekten Florian Stirnemann in den Räumen von 50Hertz wird zum temporären Museum. Kuratiert wird das Ganze von Matilda Felix, die 20 Arbeiten aus den Abschlussklassen einem Gremium vorschlägt. Dass dieses Gremium, bestehend aus der Künstlerin Rosa Barba, Katharina Herrmann von 50Hertz, Joachim Jäger, dem Leiter der Neuen Nationalgalerie, und Gabriele Knapstein, Leiterin des Hamburger Bahnhofs, vier Künstlerinnen ausgewählt, ist so Matilda Felix, kein Konzept, sondern „Zufall“ – die interessantesten Arbeiten stammten durchweg von Frauen.

 

Von Mangakeramik bis Malerei

Emma Adler, Absolventin der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, zeigt eine Installation aus einer kraftstrotzenden Teslaspule und ihrem medialem Konterpart, untermalt von rhythmisch einsetzendem Sound der Frauenpunkband Le Tigre. Susanne Keichel aus Leipzig widmet sich in ihren Fotoarbeiten dem in der Kunstwelt derzeit allpräsenten Flüchtlingsthema, während Asana Fujikawa aus Hamburg auf faszinierende Weise innere Ängste durch die Mythenwelt der Mangas trasportiert. Zu ihren druckgrafischen Bildergeschichten zeigt sie virtuose Keramikarbeiten von „Waldmenschen“, Hybriden aus Mensch und Pflanze im Augenblick einerVerwandlung. Cosima zu Knyphausen, mit Jahrgang 1988 die jüngste der vier, die in Chile aufgewachsen ist und in Leipzig ihr Kunstudium abschloss, dekonstruiert eine chilenische Nationalikone, ein Genrebild des Augsburger Malers Johann Moritz Rugendas. Ihre malerischen Variationen spielen subversiv sowohl mit dem europäischen Blick auf Südamerika als auch mit dem (staatlichen) Blick Chiles auf sich selbst. Vier Werkkomplexe, vier künstlerische Techniken – von der Fotografie bis zur Keramik –, vier Künstlerpersönlichkeiten am Beginn ihrer Karriere. Man darf auf den Fortgang gespannt sein.

Service

Ausstellung

„Rundgang 50 Hertz“, 50Hertz Netzquartier, Heidestraße 2, Berlin

bis 13. August

Kuratorenführung mit Matilda Felix am 2. August, 16 Uhr