Altmeisterauktionen in London

Monumentales Verona und ein kleiner Bärenkopf

Bei den Altmeisterauktionen in London steht ein Frühwerk Bernardo Bellottos im Fokus – und eine Zeichnung von Leonardo geht auf Rekordkurs

Von Heidi Bürklin
28.06.2021
/ Erschienen in Weltkunst Nr. 186

Das wohl kleinste Format bei den Londoner Altmeisterauktionen verlangt nach einem der höchsten Preise: Leonardo da Vincis signierte Silberstiftzeichnung eines Bärenkopfes von 1480 wird als eines von nur acht noch in Privatbesitz befindlichen Blättern des Meisters angepriesen. Zuletzt 2008 privat erworben, soll es bei Christie’s mit der Schätzung von 8 bis 12 Millionen Pfund seinen 2001 aufgestellten Zeichnungsrekord von 7,4 Millionen Pfund noch übertreffen.

Ein monumentales Format wählte hingegen der junge Bellotto für seine Vedute der „Ponte delle Navi“ in Verona. Das ambitionierte Frühwerk des Canaletto-Neffen, wohl aus den Jahren 1745 bis 1747, kam als Grand-Tour-Souvenir in britischen Besitz. Zuletzt 1971 auf dem Markt, soll das 133 mal 235 Zentimeter messende Gemälde jetzt mit der Hoffnung auf 12 bis 18 Millionen Pfund Bellottos bisherigen Auktionsrekord von 5,8 Millionen Pfund er­heblich überflügeln. Die zurzeit gefragte weibliche Note wird von Artemisia Gentileschis mutmaßlich spätem Werk einer Umarmungsszene von „Venus und Cupido“ mit 600.000 bis 1,2 Millionen Pfund bei Christie’s angeschlagen.

Leonardos (1452–1519) „Bär“ besaß sämtliche Voraussetzungen, um einen Sensationspreis zu erzielen – und tatsächlich landete die winzige Silberstiftzeichnung am 8. Juli 2021 bei Christie’s in London auch bei hervorragenden 7,5 Millionen Pfund: Künstlerrekord im Bereich der Einzelblätter © Christie’s Images Ltd.
Leonardos (1452–1519) „Bär“ besaß sämtliche Voraussetzungen, um einen Sensationspreis zu erzielen – und tatsächlich landete die winzige Silberstiftzeichnung am 8. Juli 2021 bei Christie’s in London auch bei hervorragenden 7,5 Millionen Pfund: Künstlerrekord im Bereich der Einzelblätter © Christie’s Images Ltd.

Sotheby’s setzt seinerseits am höchsten auf Turners Blick auf die Themsemündung. Die maritime Szene von 1808 (90 mal 120 cm) mit sturmdurchzogenem Himmel und aufschäumendem Wasser ist eine von nur noch zwei verfügbaren der insgesamt acht Variationen dieses Motivs und von Sotheby’s auf 4 bis 6 Millionen Pfund taxiert. Ansonsten lockt das Haus mit niederländischen Spezialitäten: Ein voll erblühtes Blumenstillleben, um 1608, von Ambrosius Bosschaert dem Älteren – inklusive einiger damals hoch gehandelter Tulpen – ist auf 700.000 bis 1 Million Pfund geschätzt. Willem Kalfs 1658 genüsslich taktil geschildertes Arrangement mit chinesischem Porzellan, Silber und Esswaren hofft auch dank seiner Marktfrische und seines großen Formats auf 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund.

Service

AUKTION

Sotheby’s, London, 7. Juli

Christie’s, London, 8. Juli

 

Zur Startseite