Auktionen der Woche

Langlebige Landlust

Auf unserer Auktionen-Watchlist für diese Woche: vom nostalgischen Kartoffelfeuer bei Plückbaum bis zu den Schneegipfeln der Rocky Mountains bei Bonhams

Von WELTKUNST Redaktion
28.09.2020

Zurück in der Dorfidylle

Das wohlig-warme Gefühl der Nostalgie breitet sich von Friedrich Peter Hiddemann Ölbild „Kinder am Kartoffelfeuer“ aus. Wer jemals eine Kartoffel in die Glut eines Lagerfeuers gelegt hat, um sie anschließend mit spitzen Fingern und viel Gepuste zu verzehren, der fühlt sich von dem Gemälde augenblicklich in seiner eigene Vergangenheit versetzt. Und man meint, den Rauch förmlich zu riechen, der dem Buben rechts hinten in die Augen gezogen ist, so dass er mit den Tränen kämpft. Hiddemann, der 1829 ins intellektuelle Düsseldorfer Musikermilieu hineingeboren wurde und ab 1848 acht Jahre lang an der örtlichen Kunstakademie studierte, verguckte sich anschließend in ländliche Welt, die ihm exotisch erscheinen musste. Für seine humorvollen Genreszenen geschätzt, wurde er von zeitgenössischen Kritikern wohlwollend als „ein Maler des rheinischen Dorflebens“ charakterisiert. Seine „Kinder am Kartoffelfeuer“ leben in solche einer Idylle, in der alles friedlich und harmonisch erscheint. Nur mit dem Bengel, der den kleinen Hund mit dem brennenden Stock erschrickt, haben wir nachher noch ein Hühnchen zu rupfen. Das Gemälde, das wohl 1873 oder 1879 entstand, wird bei der Auktion von Plückbaum in Bonn am 1./2. Oktober zum Limit von 2800 Euro aufgerufen. 

Friederich Peter Hiddemann Auktionen
Friederich Peter Hiddemanns Gemälde „Kinder am Kartoffelfeuer“ (vermutlich 1873 oder 1879) wird bei Plückbaum zum Limit von 2800 Euro versteigert. © Plückbaum

Indiens Farbenpracht

Im 20. Jahrhundert rückten die Kulturen noch einmal mehr zusammen – und das lange bevor die Globalisierung alle Lebensbereiche erfasste. Nachvollziehen kann man dieses Phänomen in der Auktion mit moderner indischer Kunst am 29. September bei Sotheby’s in London. Vasudeo S. Gaitonde etwa malte unter dem Einfluss des europäischen Modernismus abstrakte expressionistische Bilder. Die ungegenständlichen, teils farbenfrohen Gemälde, die der 1924 geborene Künstler mit großflächigen Pinselstrichen und Kreisen versah, ähneln Arbeiten von Paul Klee, teils auch Frottagen von Max Ernst. Gaitonde starb 2001 und zählt längst zu den bekanntesten klassischen Modernisten Indiens. Er erhielt erhielt nationale und internationale Auszeichnungen. Sein Rekordpreis auf dem Kunstmarkt steht bei umgerechnet 3,3 Millionen US-Dollar. Sotheby’s schätzt nun zwei recht unterschiedliche Werke Gaitondes zum Teil deutlich niedriger ein: Das eine, ein quadratisches Frühwerk von 1954 mit einer sitzenden Frau trägt die Taxe 300.000 Pfund. Das zweite Gemälde stammt aus dem Jahr 1969 und sieht wie eine rot leuchtende Farbexplosion aus (Taxe 1,5 Millionen Pfund).

Auf 1,5 Millionen Pfund ist die unbetitelte Leinwand von Vasudeo S. Gaitonde aus dem Jahr 1969 bei Sotheby’s geschätzt. © Sotheby’s, London

Ritterlich geprägt

Als „der letzte Ritter“ ging Kaiser Maximilian I. (1459–1519) in die Geschichte ein, weil er liebend gerne Turniere veranstaltete und dabei selbst stets zur Lanze griff. (Seine Kriege lies er dagegen bereits von Kanonen gewinnen.) Um die Selbstdarstellung des ritterlichen Kaisers zu festigen entstand nicht nur posthum das Turnierbuch Freydal, sondern es wurden auch zeitlebens Münzen geprägt: Im Angebot bei den altdeutschen Prägungen während Künkers Auktionstagen in Osnabrück vom 28. September bis zum 2. Oktober besticht nun solch ein doppelter Schaugulden aus dem Jahr 1509, der Kaiser Maximilian I. zu Pferd in Turnierrüstung zeigt. Geschätzt ist er auf 10.000 Euro. In der interessanten Spezialsammlung Jansen, deren Schwerpunkt bei mittelalterlichen Münzen sowie neuzeitlichen Prägungen aus Münster und Paderborn liegt, ragt ein sehr schön ausgeprägter Brakteat aus Frankfurt am Main heraus, auf dem man Kaiser Friedrich I. thronend mit Reichsapfel und Lilienzepter sieht (Taxe 2000 Euro).

Künker versteigert zur Taxe von 10.000 Euro einen doppelten Schaugulden des römisch-deutsches Reich aus dem Jahr 1509, der Kaiser Maximilian I. als Turnierritter zeigt. © Künker

Party für solvente Bieter

Phillips kombiniert in der Auktion „New Now“ am 30. September in New York die Arbeiten junger und etablierter Künstler. Auf mindestens 3000 Dollar wird die Mischtechnik „Homegrown“ des 1989 in Washington geborenen Arcmanoro Niles oder ein unbetitelter C-Print von Cindy Sherman geschätzt, indem sich die legendäre Fotokünstlerin als gealtertes Hippie-Girl inszeniert. Eine auf 2013 datierte unbetitelte Landschaft von Nicolas Party ist mit wenigstens 60.000 Dollar taxiert  – ein Schätzpreis mit deutlich Entwicklungspotenzial, denn der Auktionsrekordpreis für den Schweizer Künstler, der mittlerweile zwischen New York und Brüssel pendelt, lag im vergangenen Jahr beim Zehnfachem. Geradezu sträflich unterschätzt ist im Vergleich jedoch eine neuere Arbeit des Berliner Malers Armin Boehm: Der provokante Gehalt von „The political Ouija board“ (2017) dürfte gerade im US-Wahlherbst freigeistige Bieter zu mehr als die anvisierten 4000 bis 6000 Dollar animieren.

Nicholas Party Auktionen
Zu den Aufsteigern des vergangenen Jahres gehört der Schweizer Maler Nicholas Party, für dessen „Untitled (Landscape)“ von 2013 das Auktionshaus Phillips nun mindestens 60.000 Dollar erwartet. © Phillips

Der Berg ruft

Eindrucksvolle Arbeiten von Ansel Adams (1902 – 1984) stehen an der Spitze der Fotografie-Auktion bei Bonhams am 2. Oktober in New York. Der US-Amerikaner wurde vor allem durch seine Landschafts- und Naturfotografien bekannt. Zur Taxe von je 50.000 Dollar gibt es den Silbergelatineabzug „Maroon Bells, Near Aspen, Colorado“ von 1974 sowie zwei Portfolios mit zwölf beziehungsweise 15 Aufnahmen.

Bonhams bietet zum Schätzpreis von 50.000 Dollar einen 1974er Abzug von Ansel Adams Motiv „Maroon Bells, Near Aspen, Colorado, 1951“ an. © Bonhams