Auktionen der Woche

Aus einem Land vor unserer Zeit

Auf unserer Auktionen-Watchlist für diese Woche: von Olbrichts kurioser Sammlung bei Van Ham bis zum bemalten Sarkophagdeckel bei Gerhard Hirsch Nachfolger

Von WELTKUNST Redaktion
21.09.2020

Das Kabinett des Dr. Olbricht

Verblüfft reagierte die Kunstwelt vor ein paar Wochen, als aus Köln den jüngsten Coup vernehmen konnte: Nach den Sammlungen Achenbach und Rusche kommt im Auktionshaus Van Ham am 26. September nun die Olbricht Collection unter den Hammer. Mit Werken etwa von Wols, Josef Beuys oder Gerhard Richter; vor allem aber mit sensationellen Exponaten einer Wunderkammer der Renaissance und des Barock, wie es sie in Deutschland wohl kein zweites Mal privat gibt. Zehn Jahre lang war die Sammlung des promovierten Arztes und Wella-Erben Thomas Olbricht in Berlin zu sehen, wo sein „Me Collectors Room“ die Freunde der zeitgenössischen Kunst genauso faszinierte wie die Fans von präparierten Tieren, Korallen, Glas, Silber, wissenschaftlichen Geräten oder handwerklich fein hergestellten Totenköpfen. Laut Van-Ham-Chef Markus Eisenbeis sucht nun ein knappes Viertel der Olbricht-Sammlung, immerhin 500 Lose, neue Liebhaber. Ein entomologisches Kabinett aus Mahagoni (Taxe 2500 Euro) mit Schaukästen von Schmetterlingen und Insekten wird angeboten, aber auch 17 Kristallmodelle aus Bakelit (Taxe 900 Euro) oder jene leicht unterlebensgroßen Anatomiemodelle, denen ihr Schöpfer Jules Talrich (1826–1904) als makaberen Scherz seine eigenen Gesichtszüge gab (Taxe je 200 Euro).

Conrad Felixmüllers „Ma Bonne l’Onde“ von 1926 bietet Stahl mit einem Limit von 38.000 Euro an. © Stahl/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Die perfekte Welle

Auch im achten Ehejahr war Conrad Felixmüllers immer noch so voller Verzückung, dass er 1926 in einem Sommerurlaub an der Côte d’Azur zum Pinsel griff und ein Bild malte, in dem man wohl seine Angetraute vermuten darf. Der Titel des pointillistisches Hauptwerks – „Ma Bonne l’Onde“ – ist jedenfalls ein elegantes Wortspiel mit dem französischen Begriff für Welle („onde“) und dem Vornamen seiner Frau: Londa. Der intensiv leuchtende Akt wird am 26. September bei Stahl in Hamburg zum Limit von 38.000 Euro aufgerufen. Was Felixmüller zu seiner Liebsten sicher nicht gesagt hat, ist: „Hey Honey, keine Panik“. Solche Sätze kommen nur vom Kultrocker Udo Lindenberg, der diesen besonderen auch für den Titel eines seiner ebenso farbenfrohen wie humorvollen Unikate verwendet hat (Limit 8000 Euro).

Brosche Auktionen
Die Initialen Kaiser Wilhelms II. funkeln in diesem Geschenkanhänger aus der Zeit um 1900, den Leo Spik auf 4500 Euro schätzt. © Leo Spik

Preußens Gunst und Glanz

Gewiss, für den Opernbesuch mag ein kaiserlicher Geschenkanhänger heute leicht protzig erscheinen. Doch der richtige Anlass vorausgesetzt (Galadiner, feudale Hochzeit), ist dieses Stück einfach der Hingucker: Der Anhänger aus der Zeit um 1900, den Leo Spik bei seinen Herbstauktionen in Berlin vom 24. bis 26. September offeriert, brilliert nicht nur durch seine schwungvolle Form, die vage an ein Wappen oder eine Amphore erinnert. Auch die eingesetzten Diamanten, Saphire und Rubine sorgen für ein Funkeln, und die Initialen Kaiser Wilhelms II. demonstrieren einstigen Gunstbeweis von höchster Instanz. Die Taxe liegt bei 4500 Euro. 

80.000 Euro werden bei Neumeister für Carl Spitzwegs „Die Scharwache (nächtliche Runde)“ von 1871/1872 erwartet. © Neumeister

Für Aufgeweckte

Nachdem im Mai Carl Spitzwegs „Das Auge des Gesetzes (Justitia)“ auch dank der sehr besonderen Provenienz, mit knapp 700 000 Euro brutto ein Spitzenergebnis erzielte, setzt Neumeister auch bei den Herbstauktionen am 23./24. September auf die Zugkraft des spätromantischen Malerpoeten. Drei Ölbilder von Spitzweg kommen in München zum Aufruf, wobei die „Die Scharwache (nächtliche Runde)“ von 1871/1872 mit 80.000 Euro die höchste Taxe hat. Unter den Skulpturen sticht eine fast lebensgroße Majolika-Mädchenfigur heraus. Geschaffen hat die „Lotosblume2 die Münchner Bildhauerin Chaya Nouriani für die Porzellanmanufaktur Nymphenburg, wobei sie auf einen Entwurf von Karl Himmelstoß aus dem Jahr 1928 zurückgriff (Taxe 20.000 Euro).

Farbig bemalt ist der zweigeteilte Holzdeckel eines ägyptischen Sarkophags, der bei Gerhard Hirsch Nachfolger Erwartungen um 22.500 Euro weckt. © Gerhard Hirsch Nachfolger

Deckel für die Ewigkeit

Präkolumbische Kunst, antike Kunstobjekte und Münzen kommen bei Gerhard Hirsch Nachfolger in München vom 22. bis zum 25. September zum Aufruf. Ein „Sitzendes Figurenpaar“ der Zakateken (Westmexiko, um 50–200) aus bemaltem Ton startet bei 5000 Euro. Das Toplos bei den Antiken ist ein polychrom bemalter, zweigeteilter Deckel eines anthropoiden ägyptischen Sarkophags aus der Spätzeit (26. Dynastie oder später), der auf 17.500 Euro geschätzt ist. Bei den Prägungen der römischen Kaiserzeit fallen einige Goldmünzen ins Auge, darunter ein Aureus Caracallas, auf dessen Rückseite eine Opferszene vor dem Rundtempel der Vesta dargestellt ist (Taxe 22.500 Euro).