20.04.2020 Weltkunst Redaktion

Watchlist: Auktionen der Woche

Was Sammler diese Woche glücklich macht. Unsere aktuellen Highlights aus der Welt der Auktionen: vom sonnendurchfluteten Nilufer bei Bassenge bis zu Schmidt-Rottluffs Taunuslandschaft bei Dr. Fischer

Hermann David Solomon Corrodis
Hermann David Solomon Corrodis "Abendstimmung am Ufer des Nils" kommt bei Bassenge zur Taxe von 12.000 Euro zum Aufruf (Reproduktion: Galerie Bassenge, Berlin 2020)

Lust For Life

Ein schon sehr exemplarisches Bild aus besseren Zeiten bietet Bassenge bei seinen Auktionstagen vom 3. bis 6. Juni an: Dicht gedrängt versammeln sich die Gestalten in der Taverne, um einer üppigen Schönheit beim Tanz zuzuschauen. Ein lachender Faun ist dabei, zwei Seemänner, ein Musikant, eine alte Kupplerin. Pablo Picasso bündelt in seiner 1934 in Paris entstandenen Radierung „En la Taberna. Pécheurs Catalans en Bordée (Au Cabaret)“ einige seiner Lieblingsmotive und wechselt dabei unbekümmert nicht nur seinen Zeichenstil, sondern auch zwischen Antike und Gegenwart. Das vor Lebendigkeit pulsierende Blatt ist ein seltener Probedruck, der vor der eigentlichen Auflage von 108 Exemplaren bei Lacourière 1942 entstand. Das Berliner Auktionshaus schätzt ihn auf 40.000 Euro. Traumverloren wirkt auch die sonnendurchflutete Szene am Nil, die der italienische Orientalist Hermann David Solomon Corrodi schuf. Seine „Abendstimmung am Ufer des Nils“ taxiert Bassenge auf 12.000 Euro.

Heinz Macks Farbseriegrafie „Sommer“ (2007) geht bei Hargesheimer mit einem Limit von 2000 Euro in den Bieterwettkampf. (Copyright: Hargesheimer/VG Bild-Kunst Bonn, 2020)
Heinz Macks Farbseriegrafie „Sommer“ (2007) geht bei Hargesheimer mit einem Limit von 2000 Euro in den Bieterwettkampf. (Copyright: Hargesheimer/VG Bild-Kunst Bonn, 2020)

Sonniges Zero

Für die feinen Nuancen optischer Phänomene hatte Heinz Mack immer schon einen ausgeprägtes Gespür. Zusammen mit seinem ZERO-Kollegen Günther Uecker gehört der 1931 in Lollar geborene Künstler zu den letzten verbliebenen Boten des Lichts. Auch seine Farbserigraphie „Sommer“ von 2007 aus der Spätphase des künstlerischen Œuvres sendet strahlende Signale aus, weckt mit ihren glühenden Farben Assoziationen zu Wüstenwelten oder ähnlich aufgeheizten Gefilden. Theoretisch schon für ein Limit von 2000 Euro könnte sich am 6. Juni bei Hargesheimer in der Auktion mit moderner und zeitgenössischer Kunst ein glücklicher Bietgewinner die Sonne ins Haus holen. Wer es weniger bunt mag, gerät vielleicht angesichts der ebenfalls vom  Düsseldorfer Auktionshaus offerierten Monumentalplastik „Solon’s Law“ des irischen Künstlers Rowan Gillespie ins Philosophieren: Mit drei Bronzefiguren, die zusammen einen Steinblock stemmen, verbildlicht die 185 Zentimeter hohe Arbeit die Ansicht des athenische Staatsmanns Solon (um 640–560 v. Chr.), dass in einer ausgewogenen Gesellschaft drei Säulen notwendig seien, um die Last gemeinsam zu schultern (Taxe 15.000 Euro).

Nicht nur die abgebildeten neun Messer und Gabeln, sondern ein Konvolut von insgesamt 58 Silberbestecken, die der Jugendstilkünstler Hans Christiansen um 1901 für die Firma Bruckmann entwarf, schätzt Döbritz auf 1450 Euro (Copyright Döbritz)
Nicht nur die abgebildeten neun Messer und Gabeln, sondern ein Konvolut von insgesamt 58 Silberbestecken, die der Jugendstilkünstler Hans Christiansen um 1901 für die Firma Bruckmann entwarf, schätzt Döbritz auf 1450 Euro (Copyright Döbritz)

Tischkultur und Max Beckmann als Lehrer

Tafelfreuden in erster Linie zu Hause zu erleben wird wohl noch eine Weile anhalten. Ein schönes Besteck ist dafür unumgänglich. In der Sommerauktion bei Döbritz am 6. Juni in Frankfurt kommt jetzt eine Sammlung von Jugendstilbesteck mit über 30 verschiedenen Entwürfen zur Auflösung. Darunter ist ein Konvolut von 58 Messern und Gabeln aus 800er-Silber, die 1901 Hans Christiansen für Bruckmann entwarf. Mit ihren beidseitigen Bänderreliefs, Pistolengriffen und teilweise gravierten Klingen sind sie eine echte Augenweide, der Schätzpreis liegt bei 1450 Euro. Malerische Glanzstücke werden hingegen aus dem Nachlass des von 1907 bis 1989 in Frankfurt lebenden Künstlers Wilhelm Raab in Gestalt einiger schöner früher Arbeiten offeriert. Seine »Straßenszene« von 1931 etwa, die auf 4000 Euro taxiert ist, lässt in ihrer Mischung aus Buntheit und Düsternis den pädagogischen Einfluss seines berühmten Lehrers Max Beckmann erkennen.

Für das in allen Regenbogenfarben schimmernde Landschaftsaquarell „Nachmittagssonne im Taunus“, gemalt 1959 von Karl Schmidt-Rottluff, beziffert Dr. Fischer den Schätzpreis auf 18.000 bis 24.000 Euro. (Copyright Dr. Fischer/VG Bildkunst Bonn, 2020)
Für das in allen Regenbogenfarben schimmernde Landschaftsaquarell „Nachmittagssonne im Taunus“, gemalt 1959 von Karl Schmidt-Rottluff, beziffert Dr. Fischer den Schätzpreis auf 18.000 bis 24.000 Euro. (Copyright Dr. Fischer/VG Bildkunst Bonn, 2020)

Schutzraum mit guter Luft

Als die Nazis seine Kunst als „entartet“ verfemten, wurde der Taunus für Karl Schmidt-Rottluff zum Fluchtort. Seine langjährige Förderin Hanna Bekker vom Rath ermöglichte ihm in ihrem „Blauen Haus“ in Hofheim die Weiterarbeit. Auch nach dem Krieg kehrten der Künstler und seine Frau immer wieder in die kleine Kreisstadt zwischen Frankfurt und Wiesbaden zurück, um die Natur zu genießen und um zu malen. „Die Luft ist angenehm u. ergab zarte duftige Töne – rosa – lila – u. die dunkleren Kiefern und Tannen in blau“, schrieb er 1956 in einem Brief an Bekker vom Rath über die geliebte Gegend. Hier entstand drei Jahre später auch seine ausdrucksvolle Landschaft „Nachmittagssonne im Taunus“, die nun am 6. Juni bei Dr. Fischer in Heilbronn zur Taxe von 18.000 bis 24.000 Euro aufgerufen wird. Das Aquarell gehört zu einem Konvolut von knapp 300 Gemälden und Grafiken moderner und zeitgenössischer Künstler aus einer Berliner Privatsammlung, die hier in einer Sonderauktion zur Versteigerung kommt.