08.06.2017 Martin Miersch

Mit Pechstein in die Südsee

Mit Pechstein in die Südsee, mit Beckmann aufs „Château d’If“, dazu Werke von Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller und Adelbert von Camisso. Bei Ketterer sind die großen der Klassischen Moderne versammelt.

Seit er im Dresdener Museum die Kunst der Palau-Inseln für sich entdeckt hatte, wollte Max Pechstein unbedingt eine Reise in die Südsee unternehmen. Als er 1914 nach sechswöchiger Anreise in Palau ankam, entstanden zahlreiche Zeichnungen von den Inselbewohnern. So porträtierte er auch die Tochter des Häuptlings. Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges aus seinem Südseeparadies vertrieben, fertigte er 1917 aus der Erinnerung das Ölgemälde „Ronmay“ an. Das exotische Motiv faszinierte den US-amerikanischen Regisseur Josef von Sternberg, der sich damals für die Dreharbeiten des Spielfilms „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich in Berlin aufhielt. Bis 1949 war das Werk Teil seiner prominenten Kunstsammlung. Es soll 200.000 bis 300.000 Euro einspielen.

Als unbestrittenes Highlight der Ketterer-Auktion im Bereich der Druckgrafik erweist sich Ernst Ludwig Kirchners handkolorierter Holzschnitt „Die Geliebte“ (Abb.) aus der Mappe zu „Peter Schlemihl“ von Adelbert von Chamisso aus dem Jahr 1915 (100.000 bis 150.000 Euro). Es handelt sich hierbei um ein Unikat, um den einzigen bekannten Handabzug des ersten Zustands von dem noch nicht zersägten Zeichnungsstock. Mit diesem Blatt wird erstmals seit 30 Jahren wieder ein Abzug des Holzschnittes auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten. Die klassische Moderne wird angeführt von Max Beckmanns Gemälde „Château d’If“ von

1936 (Taxe 800.000 bis 1,2 Mio. Euro) und Otto Muellers mit 300.000 bis 400.000 Euro bewerteter Arbeit „Vier Badende“ von 1910. Gabriele Münter begeistert mit der „Berglandschaft mit Haus“ von 1910 (Taxe 240.000 bis 280.000 Euro).

In der Abteilung der Kunst nach 1945 und der Zeitgenossen fällt zunächst das 1968 entstandene Gemälde „Zwei halbe Kühe“ von Georg Baselitz ins Auge (Taxe 500.000 bis 600.000 Euro). Der Künstler reduziert das Tiermotiv auf eine blockhafte Grundstruktur, um die größtmögliche malerische Freiheit zu erreichen. Damit zählt dieses Werk zu den Frakturbildern, die bereits auf die auf dem Kopf stehenden Gemälde verweisen. Willi Baumeister ist mit einer Arbeit aus der Montaru-Serie vertreten (Taxe 150.000 bis 200.000 Euro). David LaCha­pelle irritiert den Betrachter mit einer Fotografie aus der sechsteiligen Serie „Jesus is My Homeboy“, die 2003 entstand und ikonische Szenen aus dem Leben Christi modern interpretiert (Taxe 25.000 bis 35.000 Euro).

Service

Abbildung

Ernst-Ludwig Kirchner, „Die Geliebte“, Holzschnitt, handkoloriert, 1915, 28,2 x 22,2 cm (Abb.: Ketterer, München)

Auktion

Ketterer
München

Auktion 8. bis 10. Juni

Dieser Beitrag erschien in

WELTKUNST Nr. 130/2017