16.02.2017 Martin Miersch

Comeback der Fifties bei Quittenbaum

Bei Quittenbaum steht das Design der 50er und 60er-Jahre im Mittelpunkt. Neben Nierentischen und Cocktailsesseln gibt es dabei noch einiges mehr zu entdecken.

Cocktailsessel, Nierentische, Couchtische mit ausgestellten Beinen: Im Bereich Interior-Design liegen die Möbel der Wirtschaftswunderzeit gerade voll im Trend. Die Fifties feiern ihr Comeback. Was eben noch als angestaubtes Relikt der Nachkriegszeit galt, wird nun vermehrt nachgefragt. Die Preise für gut erhaltene Objekte von renommierten Designern steigen. Die heutigen Sammler lieben es aber auch, diese Objekte mit aktuellen Möbeln zu mixen. Dem besonders innovativen italienischen Design dieser Zeit widmet das Münchner Auktionshaus Quittenbaum seine aktuelle Auktion. Die minimalistische Stehleuchte „1063“, die der Mailänder Gino Sarfatti 1953 entwarf, wird auf 14.000 bis 18.000 Euro taxiert.

Von dem in Palermo geborenen und in Como tätigen Ico Parisi wird ein zeitlos anmutender Tisch mit Beinen aus Buchenholz angeboten. Sein Entwurfsjahr 1949 sieht man diesem keineswegs an. Er ist bereits für 1500 bis 1800 Euro zu haben. Gio Ponti studierte bis 1921 Architektur am Polytechnikum in Mailand. Von 1936 bis 1961 lehrte er dort als Professor. Er zählt zu den wenigen Architekten Italiens, die sowohl im Design von kleinen Alltagsgegenständen als auch im Entwurf von großen Hochbauprojekten zu internationalem Ruhm gelangten. Sein Armlehnsessel von 1952 aus Nussholz mit senfgelbem Samtbezug soll 5500 bis 6000 Euro einspielen.

Mit dem Stuhl „Floris“ aus Fiberglas hat Quittenbaum einen echten Klassiker des modernen Designs im Angebot. Der aus Wuppertal stammende deutsche Designer Günter ­Beltzig entwarf 1968 mit dem ausgefallenen Stuhl ein wun­derbar verspieltes Sitzmöbel, das auch in Museen wie dem New Yorker MoMA zu bewundern ist. Das in Polyester und Fiberglas gefertigte und orangerot lackierte Stück ist ohne Zweifel ein Eyecatcher. Die geschwungene Sitzfläche und Rückenlehne, die sehr hoch ist, lassen den Stuhl mehr als Skulptur denn als Möbel wirken. Trotzdem ist er durchaus zum Sitzen geeignet. Die futuristische Form erinnert nicht zufällig an bunte Kindermöbel. Beltzig konzentrierte sich – auch in der mit seinen Brüdern 1966 eröffneten Firma – auf die Entwicklung von Spielmöbeln. Heute ist er als freier Designer tätig und widmet sich der Konzeption von Kinderspielplätzen auf der ganzen Welt. Bei Quittenbaum kommen drei originale „Floris“-Stühle mit Tisch unter den Hammer (Taxe 40.000 Euro).

Die Glas-Offerte wird von seltenen „Battuto“-Vasen aus Murano-Glas von Carlo Scarpa dominiert. Mit diesen zeitlosen Glas-Objekten, die zwischen 4000 und 12.000 Euro taxiert sind, prägte Carlo Scarpa in den 1940er-Jahren eine revolutionäre und neue Formensprache.

Service

Abbildung:

Tisch, Ico Parisi, Entwurf 1949 (Foto: Quittenbaum, München)

Auktion:

Quittenbaum, München
21. bis 23. Februar

Zum Katalog

Dieser Beitrag erschien in:

WELTKUNST, Nr. 125/2017