Die Kuratorin Cynthia Osiecki erkannte in einem anonymen Stillleben ein Werk von Clara Peeters
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02.11.2026
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Erschienen in
Kunst und Auktionen Nr. 18/26
Cynthia Osiecki ist Kuratorin für Gemälde Alter Meister am Norwegischen Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design in Oslo. Die gebürtige Niederländerin ist Expertin für niederländische Kunst der Frühen Neuzeit, insbesondere deren Verbreitung im nordischen Raum. Ihre kuratorische Arbeit konzentriert sich derzeit auf transnationale Kunstgeschichten sowie auf Künstlerinnen der Frühen Neuzeit.
Die Erkenntnis, dass es sich bei einem anonymen Gemälde aus dem Depot des Nationalmuseums in Oslo um ein Werk von Clara Peeters handelt! Sie ist eine der frühen Stilllebenmalerinnen des 17. Jahrhunderts. Das Gemälde war 1845 als anonymes Werk in die Sammlung gelangt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es kurzzeitig Ambrosius Brueghel, dem Sohn von Jan Brueghel d. Ä., zugeschrieben, doch diese Zuschreibung wurde schon bald wieder verworfen. Durch Holzwurmbefall war an allen Rändern – also genau dort, wo sich üblicherweise ihre Signatur befindet – Holz verloren gegangen.
Das Werk ist von historischer Bedeutung, da es das schmale, rund 40 Arbeiten umfassende Œuvre von Clara Peeters erweitert. Sie gehörte zu jenen Künstlern in Flandern, die das Stillleben als eigenständiges Genre entwickelten. Anhand der kompositorischen Elemente – insbesondere der Tazza – lässt das Gemälde erkennen, dass sie mit den Kompositionen ihrer Zeitgenossen wie Frans Snijders und Jan Brueghel d. Ä. vertraut war.
Ich stieß eher zufällig in unserem Depot darauf. Ich war auf der Suche nach Werken, die als Ersatz für Gemälde dienen konnten, welche als Leihgaben außer Haus gingen. Das Gemälde fiel mir ins Auge, und die Komposition kam mir bekannt vor. Dies gab den Anstoß zu einer mehrjährigen weiterführenden Erforschung des Werks sowie zu Vergleichen mit anderen Gemälden von Peeters und ihren Zeitgenossen.
Das Gemälde gehört zur Sammlung des Norwegischen Nationalmuseums und ist in der Ausstellung „Woman Painter“, die in Zusammenarbeit mit der Galleria Borghese in Rom realisiert wurde, bis zum 7. Februar 2027 in Oslo zu sehen. Anschließend wird die Ausstellung vom 15. März bis zum 30. Mai in Rom gezeigt.
Ja, sie hat mich in der Überzeugung bestärkt, dass jedes Gemälde der Sammlung eine Geschichte birgt, die es wert ist, aufgedeckt zu werden. Zugleich erinnert die Entdeckung daran, dass es noch so vieles gibt, was wir nicht wissen.