Die neue Kunsthalle BRUSK in Brügge bringt zeitgenössische Dynamik in das mittelalterliche UNESCO-Weltkulturerbe. Zur Eröffnung locken zwei Sonderausstellungen – die eine kulturhistorisch ausgerichtet, die andere dicht am digitalen Puls der Gegenwart
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29.05.2026
Obwohl Museumsarchitektur der Kunst dienen soll, tendiert sie dazu, sich selbst ins Rampenlicht zu rücken. Oft zielen Neubauten darauf ab, mit spektakulären Effekten zu überwältigen. Die Kunsthalle BRUSK, die am 8. Mai in Brügge eröffnet wurde, geht einen anderen Weg. Der Bau, entworfen vom Genter Büro Robbrecht en Daem und dem Brügger Architekten Olivier Salens, trumpft nicht auf. Vielmehr fügt er sich als Teamplayer harmonisch in den neuen Museumspark ein.
Das Areal gehört zum städtischen Dachverband Musea Brugge – auch das Groeningemuseum und das Forschungszentrum BRON haben hier im Grünen ihre Heimstatt. Im Herzen der mittelalterlich geprägten Altstadt setzt die Kunsthalle BRUSK jetzt einen zeitgenössischen Akzent.
BRUSK ist mehr als eine Kunsthalle – es ist ein Ort der niedrigschwelligen Begegnung. Großzügig dimensioniert und kostenlos zugänglich laden Forum, Aula und Bar Brusk jedermann dazu ein, aus der „Scala“ im Erdgeschoss einen urbanen „Place to be“ zu machen. Blickfang ist hier Laure Prouvosts Werk „The Whispering Walls Rêve“. Im Treppenhaus hat die Französin einen vierteiligen Freskenzyklus geschaffen, der ein Panorama auf Brügge eröffnet. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll – derart viele Einzelheiten hat Prouvost in ihrem Wimmelbild untergebracht. Zu entdecken sind prominente Gebäude und Bewohner Brügges, Zitate aus Gemälden, ja sogar reale Objekte wie eine bronzene Clementine. Eine faszinierende Melange aus Surrealismus und „Alice im Wunderland“.
Auf diese Weise vorbereitet auf das ‚eigentliche‘ Ausstellungserlebnis, erwarten den Besucher im Obergeschoss zwei weitläufige Säle. Ebenso imposant die Deckenhöhe von 13,5 Metern – hier haben sich die Architekten inspirieren lassen vom Vertikaldrang gotischer Kathedralen. Der große Saal ist jetzt Schauplatz der kulturhistorischen Ausstellung „Bigger Picture – Connected worlds of Bruges 900–1550“. Fünf Themenwelten demonstrieren mit einer Fülle von Objekten und Kunstwerken, dass Brügge seit dem Frühmittelalter im Nabel der Welt lag. Die Schau lockt nicht zuletzt mit etlichen Spitzenwerken der Malerei – vertreten sind unter anderem Gentile Bellini, Jan van Eyck und Rogier van der Weyden.
Immer unterwegs, so könnte das rastlose Motto lauten, das die Dynamik der Stadtgeschichte umschreibt. Emsiger Handel brachte die flämische Welt schon früh in Kontakt mit dem Osmanischen Reich. Für eine Direktverbindung zwischen Brügge und Jerusalem sorgten Pilgerreisen. Anschaulich vergegenwärtigt wird diese Nähe des Fernen in Hans Memlings „Passion Christi“: Hier dient die Heilige Stadt als Kulisse für die Andacht der flämischen Gläubigen.
Vom Mittelalter in die Zukunft führt im BRUSK ein kurzer Weg. Im gegenüberliegenden Ausstellungssaal hat Refik Anadol seine „Latent City“ aufgebaut. In den vergangenen Jahren trainierte der in L.A. lebende Medienpionier seine KI-Modelle mit Millionen Bildern von Metropolen in aller Welt. Sein Ziel: die Stadt als Gesamtkunstwerk aus dem Geiste der digitalen Revolution. Im BRUSK präsentiert der Visionär pixelbasierte Bilder und Datenskulpturen, die sich zu einem futuristischen Stadtbild von Brügge formieren. Momentan reden alle von Künstlicher Intelligenz. Wer sich einen Eindruck davon verschaffen will, was mit dieser Technik im Bereich der Kunst möglich ist, für den ist der Besuch von Refik Anadols „Latent City“ ein Muss.
„Bigger Picture – Connected worlds of Bruges 900–1550“,
bis 6. September
„Refik Anadol: Latent City“
bis 8. November 2026
Kunsthalle BRUSK,
Dijver 12, Brügge,