Im Mai freuen wir uns auf Peter Hujars zärtliche Fotografien in Berlin, entdecken verspielte Jugendstilkeramik in Staufen und bewundern den deutschen Impressionismus in Potsdam
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30.04.2026
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Erschienen in
Weltkunst Nr. 255
HORST ANTES
Sprengel Museum, Hannover, bis 5. Juli
Als sich Anfang der Sechzigerjahre die Figuration wieder in die Kunst schlich, schritt Horst Antes ganz vorne voran: Bei seinen berühmten „Kopffüßlern“ verzichtet er oft auf den Rumpf, und auch die Hände spielen eine Nebenrolle. Diese Wesen sind menschlich, aber noch ausreichend abstrakt, damit das Bild offen und mehrdeutig zu interpretieren bleibt. Das Sprengel Museum besitzt die größte öffentliche Sammlung von Antes-Bildern, darunter die anatomisch etwas korrektere „Rotmaskierte Figur (nach Ludwig Richter)“ von 1965/66.
PETER HUJAR
Gropius Bau, Berlin, bis 28. Juni; Bundeskunsthalle, Bonn, bis 23. August
Dass wir von Peter Hujars zärtlichen Porträtfotografien einfach nicht genug bekommen können, beweisen uns jetzt zwei parallel laufende Ausstellungen am östlichen und am westlichen Ende der Republik. Hujar dokumentierte die queere New Yorker Subkultur der Siebziger- und Achtzigerjahre, fotografierte Liebhaber wie den Künstler David Wojnarowicz, die Warhol-Ikone Candy Darling auf dem Sterbebett oder Freunde in absurden Posen – wie 1983 „Beauregard and his Dog Pilar (1)“. Vier Jahre später starb er an einer Aidsbedingten Lungenentzündung. Seine Bilder halten die Erinnerung an eine Ära lebendig.
IMPRESSIONISMUS
Museum Barberini, Potsdam, bis 7. Juni
Farbtupfer und Sonnenflecken – made in Germany: Nach 1880 zog mit nur leichter Verspätung das Licht auch in die deutsche Malerei ein. Als Pionier würdigt die Ausstellung, klar, den frankophilen Max Liebermann als ersten deutschen Impressionisten. Zu bewundern sind zum Beispiel die „Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus“ (1881/1882) aus dem Frankfurter Städel Museum oder jene Gartenbilder der 1920er-Jahre (aus Privatbesitz), die ihn in den Rang eines Monets vom Wannsee erhoben. Und der deutsche Impressionismus war ja noch sehr viel vielfältiger, wie Lesser Urys nächtliche Berlinszenen oder Sabine Lepsius’ Doppelporträt der Geschwister Cornelia und Charlotte Hahn (1932) in dieser Ausstellung zeigen.
BERNINI
Gallerie Nazionali di Arte Antica – Pal. Barberini, Rom, bis 14. Juni
Um 1617 arbeitete Gian Lorenzo Bernini fleißig in der Werkstatt seines Vaters Pietro an gemeinsamen Werken wie „Putto mit Drachen“. Damals nahm ihn Maffeo Barberini unter seine Fittiche, der wenig später als Papst Urban VIII. die Auftragslage für das junge Talent dramatisch erhöhte. Das Genie und der Mäzen zündeten ein Marmorfeuerwerk des skulpturalen Barocks. Für diese Schau kommen erlesene Leihgaben von großen Museen aus aller Welt.
VÖGEL
Mauritshuis, Den Haag, bis 7. Juni
Der Distelfink ist ein Star. Nicht biologisch, sondern im Sinne des Stellenwerts, den er – 1654 von Carel Fabritius gemalt – heute im Mauritshuis genießt. Der britische Historiker Simon Schama nennt ihn sogar den Co-Kurator dieser Ausstellung, die zeigt, auf welch mächtigen Schwingen die Inspiration über Jahrhunderte die Kunstschaffenden trug: Exquisit zeichnete Leonardo da Vinci um 1512 die Anatomie eines Flügels, während Rembrandt ca. 1639 ein melancholisches Stillleben mit erlegten Pfauen malte. Ein Kostüm aus Angola prunkt mit prächtigen Federn. Und Brancusi kam bei seiner skulpturalen Darstellung eines Vogels im Flug ganz ohne sie aus: Er ließ polierte Bronze schweben
JUGENDSTIL
Keramikmuseum Staufen, bis 28. November 2027
Wahnsinnig vielfältig erscheint uns der Jugendstil – gleichsam modern wie nostalgisch, teilweise abstrakt, dann wieder verspielt-gegenständlich. Da er außerdem die Kunst mit dem Handwerk vereinte, fand um 1900 auf diesem fruchtbaren Nährboden auch die Keramik zur neuen Blüte. Eine lang laufende Ausstellung in Staufen feiert nun die Kreativität dieses internationalen Stils, zum Beispiel mit der eleganten Harlekin-Tänzerfigur von Fritz Behn, der Vase in Form einer Schwertlilie von Jean-Baptiste Massier, der Deckeldose mit Schmetterlingen von Vilmos Zsolnay oder einer dekorativen Fliese mit lauschiger Landschaft im Mondschein, hergestellt um das Jahr 1900 von der Wessels Wandplattenfabrik in Bonn.