TRIIIO Tower in Hamburg

Mehr Mut zur Farbe!

Der Sammler und Kunst-Aficionado Christian Efremidis präsentiert im Hamburger TRIIIO Tower unter dem Titel „mightbewrong“ Positionen junger zeitgenössischer Kunst auf erfrischende Weise

Von Matthias Ehlert
18.03.2026

Der White Cube ist tot, es lebe der Coloured Cube! So lässt sich eine kleine spektakuläre Ausstellung auf den Punkt bringen, die derzeit in der Hamburger Kunstszene für Aufsehen sorgt. In einer Gruppenausstellung im TRIIIO Tower stellt der Kunst-Aficionado Christian Efremidis einige seiner persönlichen Favoriten aus der jungen zeitgenössischen Kunstszene vor und inszeniert sie dabei so, wie er es auch privat in seiner Sammlung tut – vor farbintensiven Hintergründen, die den Eindruck des Gesehenen noch einmal zusätzlich intensivieren.

Ein rötliches Orange, das dänische Designer in den Sixties zusammenmischten, trifft auf ein kräftiges Lila, das für Magie und Transformation steht, oder ein leicht grünliches Gelb, das tropische Entspanntheit evoziert. All das bricht mit dem Dogma des allzu oft gesehenen Weiß, das in seiner scheinbaren Neutralität lange Zeit vorgab, ausschließlich der Autonomie der Kunst zu dienen. Christian Efremidis beweist mit seiner kuratorischen Klammer, dass Kunst Farbe an den Wänden vertragen kann, ja, dass sie dadurch viel nahbarer und sinnlicher wird. Seine neobarocke Präsentation ist betitelt mit „mightbewrong“, was nicht nur sein Kuratoren-Pseudonym ist, sondern zugleich ein augenzwinkernder Abgesang auf die eine, allgemeingültige Wahrheit in der Kunst. Ihr setzt Efremidis seine hochgradig subjektive, von tiefer Leidenschaft und emotionalem Zugang geprägte Sichtweise entgegen, die gerade heute – in einer Welt austauschbarer, digitaler Bilderfluten – notwendiger denn je ist.

Philip Grözinger
Wirken vor Orange noch farbgewaltiger: Zwei Arbeiten von Philip Grözinger „The Dance of Prometheus“ und „Find your dreams“, 2022. © Fotos: Robert Schlossnickel

Vierzehn zeitgenössische Positionen werden vorgestellt, darunter bekanntere Namen wie Maike Abetz und Philip Grözinger, aber auch frische Entdeckungen wie Helen Hu. Sie alle zeigen, wie stilistisch vielgestaltig sich junge Malerei aktuell präsentiert und alte Grabenkämpfe zwischen figurativ und abstrakt, poppig-bunt und farblich reduziert längst ad acta gelegt hat. Andrey Klassen etwa entführt uns in seine surrealen, oft monochromen Welten, deren feine Graustufen dabei Schicht für Schicht ihre Geheimnisse offenbaren. Seine Arbeiten balancieren mit traumwandlerischer Sicherheit auf dem schmalen Grat zwischen Albtraum und Märchen und fordern uns heraus, die Geschichten zu Ende zu denken.

Einen starken farblichen Gegenpol dazu setzen Helen Hu und Philip Grözinger. In Hus abstrakten Arbeiten scheint das Kolorit eines Korallenriffs mit sanften Himmelssphären zu verschmelzen und erzeugt so eine unverwechselbare intensive Leichtigkeit. Grözingers großformatige Gemälde sind hingegen wie farbgewaltige Explosionen, bevölkert von bizarren Wesen und Science-Fiction-Elementen und einer beeindruckenden erzählerischen Dichte. Durch die Wahl ihres groben Maluntergrundes erzeugt Inna Levinson eine nahezu verpixelte, fast digitale Ästhetik auf ihren Bildern, die mit den pointillistischen Auflösungserscheinungen ihrer Motive hervorragend harmoniert. Daniel Lannes erweist sich als gekonnter Jongleur tiefster Blautöne und subtiler erotischer Anspielungen, während bei Guiseppe Gonella Landschaften und Emotionen abstrakt-farbgewaltig verschmelzen. Und mit der aus Südkorea stammenden Malerin Nanhee Kim erlebt die Neue Sachlichkeit verschränkt mit Neo-Surrealismus und K-Pop-Motiven ein erfrischendes Comeback.

Nanhee Kim
Neue Sachlichkeit meets K-Pop: Nanhee Kim „Resting“, 2025. © Fotos: Robert Schlossnickel

All das wird noch einmal gesteigert durch die speziellen Ausstellungsräume in den obersten Etagen des TRIIIO-Towers, in denen die Wirtschaftskanzlei YPOG ihre Büros hat. Sie eröffnen einen fantastischen Panorama-Blick über die Hamburger City und Speicherstadt und sind schon für sich einen Besuch wert. Eine urbane Kulisse trifft auf junge urbane Kunst und lotet die Grenzen zwischen privatem Sammeln und öffentlicher Präsentation auf erfrischende Weise neu aus.

Service

INFOS ZUR AUSSTELLUNG

„mightbewrong“, noch bis 15.4. nach vorheriger Anmeldung im TRIIIO Hamburg

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