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Die besten Ausstellungen 2026: Teil 4

Im Jahr 2026 locken die Museen wieder mit zahlreichen großartigen Ausstellungen. Wir zeigen, was Sie nicht verpassen sollten. Teil 4: September bis November

Von Tim Ackermann
02.01.2026

September

Jörg Immendorff

Kunstpalast, Düsseldorf, vom 9.9. bis 10.1.2027

Koks, käufliche Liebe, Kanzlerporträt: Dass Jörg Immendorff am Ende seines Lebens mit diesem Triple Schlagzeilen machte, dürfte ihn kaum gestört haben. Er war damals schon todkrank, und generell galt der Maler als provokationsfreudig. In Düsseldorf, wo er studierte und selbst lange an der Akademie lehrte, hatte er noch keine Retrospektive. Das ändert nun diese rund 100 Werke starke Schau, die uns an die gute alte Zeit erinnert, als die Kunst noch plakativ-politisch war und die Sozialdemokratie ein Versprechen.

Jörg Immendorffs Panorama »Gyntiana« von 1992/93 mit Figuren wie Beuys oder Henrik Ibsen lässt uns ab September in Düsseldorf rätseln.
Jörg Immendorffs Panorama »Gyntiana« von 1992/93 mit Figuren wie Beuys oder Henrik Ibsen lässt uns ab September in Düsseldorf rätseln. © Nachlass Jörg Immendorff

Franz Marc

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, vom 12.9. bis 24.1.2027

Freunde der Feliden haben die Qual der Wahl: Verlieben sie sich in „Die Weiße Katze“ (um 1912), die auf einem Kissen schlummert und aus Halle angereist ist? Oder schlägt ihr Herz für die „Drei Katzen“ (1913), die als rote, weiße und gelbe Stubentiger herumtollen und zur hauseigenen Sammlung zählen. Die Ausstellung im K20 beweist, dass Franz Marc neben allen Formexperimenten ein grandioser Tiermaler war, der auch das Wesen von Pferden, Rehen und Hunden verstand und einfühlsam wiedergab.

Correggio

Gemäldegalerie Alte Meister Dresden, vom 19.9. bis 10.1.2027

Seine „Heilige Nacht“ ist wohl die anheimelndste der Malereigeschichte: In Antonio da Correggios Gemälde von 1528/1530 geht vom neugeborenen Christuskind ein so warmes Licht aus, dass man am liebsten in den Stall treten und sich auf die Schwelle zu Füßen der Madonna setzen möchte. Dresden bewahrt dieses Meisterwerk des Zeitgenossen Raffaels und richtet Correggio die erste Überblicksschau außerhalb Italiens aus. Neben wertvollen Leihgaben glänzt die neu restaurierte „Madonna des heiligen Sebastian“ aus eigenem Bestand.

Oktober

Mode im Römischen Reich

Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen, vom 1.10. bis Frühjahr 2027

Kleider machen Leute – das war auch im alten Rom so. Aber was wissen wir heute wirklich über den modischen Geschmack von Cäsar oder Cicero? Die Ny Carlsberg Glyptotek nimmt ihren umfangreichen Bestand an römischen Porträtskulpturen zum Anlass, um auf mehr als 1000 Quadratmetern sehr gründlich über diese Frage nachzudenken. Langjährige Forschungen des Museumsteams zu Bekleidungsstilen, Farben, Schmuck oder antiken Parfümen münden in diese Ausstellung, so dürfte die Schau auch für Kenner der Epoche die eine oder andere überraschende Erkenntnis bringen.

Salman Toor

The Courtauld Gallery, London, vom 2.10. bis 10.1.2027

Mit seiner queeren Malerei, die sich zum Teil für siebenstellige Dollarbeträge verkauft und auch schon groß im Whitney Museum zu sehen war, ist Salman Toor zweifellos der Künstler der Stunde. Und doch sucht der 1983 in Lahore geborene New Yorker die Verbindung zur Vergangenheit, wenn er beispielsweise Manets Gemälde „Bar in den Folies Bergère“ (1882) zitiert. Letzteres hängt in der Courtauld, die Toor nun auch zur Dialogschau einlädt. 

Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer

Kunstsammlungen Chemnitz, vom 3.10. bis 11.4.2027

Als Zeichnerin und Grafikerin stand sie im Schatten ihres Mannes, der als Vertreter der Leipziger Schule die Kunst der DDR nachhaltig veränderte. Und doch hat Ursula Mattheuer-Neustädt nicht nur Bücher gestaltet, sondern auch Kunstwerke geschaffen: In Chemnitz ist unter anderem eine berührende Grafik zu sehen, die sie zum Jubiläum des Deutschen Bauernkriegs schuf. Die Schau würdigt das Power-Couple auch mit den mehrdeutigen Gemälden von Wolfgang Mattheuer wie „Hemd im Wind II“ (1991).

Ursula Mattheuer-Neustädts Werk ohne Titel für die Mappe »Grafik zum 450. Jahrestag des Deutschen Bauernkriegs«, 1975, ist in Chemnitz zu sehen.
Ursula Mattheuer-Neustädts Werk ohne Titel für die Mappe »Grafik zum 450. Jahrestag des Deutschen Bauernkriegs«, 1975, ist in Chemnitz zu sehen. © Kunstsammlungen Chemnitz/VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Roberto Burle Marx

Zentrum Paul Klee, Bern, vom 10.10. bis 7.2.2027

Seine Parks sind Bilder, mit Blumen und Bäumen gemalt: Der brasilianische Landschaftsarchitekt Roberto Burle Marx (1909–1994) dachte seine Arbeit tatsächlich von der Kunst aus. Er nutzte die fließenden Formen der abstrakten Malerei und kultivierte einheimische Pflanzenarten. Die ebenfalls kunstvollen Entwürfe dieses Hauptvertreters des „Modernismo Tropical“ zeigt eine Ausstellung in Bern.

Hella Jongerius

Museum für Kunst & Gewerbe, Hamburg, vom 16.10. bis 30.5.2027

Wenn im Norden die Tage dunkler werden, zieht man sich nur zu gern in die Gemütlichkeit des eigenen Wohnzimmers zurück. Gestaltungsanregungen gibt die Hamburger Retrospektive der niederländischen Designerin Hella Jongerius, deren Teppiche, Keramiken und Möbel seit drei Dekaden sehr gefragt sind. Süddeutsche Designfreunde sehen diese Schau schon vom 14.3. bis 6.9. im Vitra Design Museum (Weil am Rhein).

Die Blauen Reiterinnen

Museum Wiesbaden, vom 23.10. bis 21.2.2027

Der Kreis des Blauen Reiters hatte eine starke weibliche Seite – auch wenn dies von der Forschung lange ignoriert wurde. Endlich widmet sich eine Ausstellung allein den Künstlerinnen des Blauen Reiters, den prominenten wie Gabriele Münter und Marianne von Werefkin und den heute weniger bekannten wie Elisabeth Epstein, die Netzwerke nach Paris und Genf knüpfte. Nach der Station in Wiesbaden ist die Schau ab 13.3.2027 auch im Bremer Paula Modersohn-Becker Museum zu sehen.

Gabriele Münter, „Bildnis Marianne von Werefkin“, 1909. Das Museum Wiesbaden widmet den Künstlerinnen des Blauen Reiters eine Ausstellung.
Gabriele Münter, „Bildnis Marianne von Werefkin“, 1909. Das Museum Wiesbaden widmet den Künstlerinnen des Blauen Reiters eine Ausstellung. © Lenbachhaus München/Gabriele Münter Stiftung 1957/VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Das Vermächtnis Amazoniens

Museum Rietberg, Zürich, vom 30.10. bis 14.3.2027

Chiribiquete gehört zu den Wundern dieser Welt: Der kolumbianische Nationalpark verbirgt in 60 Höhlen mehr als 75 000 Felsmalereien, zum Teil aus der letzten Eiszeit. Erst nach 1990 entdeckte man das unzugängliche Areal im Amazonasgebiet. In Zürich wird Chiribiquete als immersive Installation mit Bildern und Klängen erlebbar, begleitet durch archäologische Funde wie Graburnen der Napo-Kultur aus Ecuador.

November

Osthaus im Orient

Museum Folkwang, Essen,vom 6.11. bis 21.2.2027

Bevor Karl Ernst Osthaus kurz nach 1900 Meisterwerke von Renoir und van Gogh kaufte, sammelte er islamische Kunst. An diese Leidenschaft erinnert das von ihm gegründete Museum Folkwang, indem es 300 seiner einstigen Erwerbungen zeigt. Ein Paneel aus maurischen Fliesen, gefertigt 1475 bis 1500 in Sevilla, oder das Fragment eines seidenbestickten Gewebes aus Ägypten (erste Hälfte des 12. Jh.) sind Highlights dieser zauberhaften Ausstellung.

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