Über lange Jahre unentdeckt, jetzt auf Millionen geschätzt: Eine Kiste bringt in Frankreich wohl ein bisher unbekanntes Bild des deutschen Renaissance-Künstlers Hans Baldung Grien zum Vorschein
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16.01.2026
Es schlummerte in einer Holzkiste und stellt sich nun wohl als wahre Kostbarkeit heraus: Nach mehr als 500 Jahren ist einer französischen Galerie zufolge eine Zeichnung des deutschen Renaissance-Künstlers Hans Baldung Grien entdeckt worden. Die mit Silberstift gefertigte Frauendarstellung stammt demnach aus dem Jahr 1517 und ist seit seiner Entstehung in der elsässischen Familie der porträtierten Susanna Pfeffinger geblieben.
Der Renaissance-Künstler Baldung gilt als so bedeutend wie eigenwillig. Er wurde berühmt mit Szenen vom Sündenfall, offenherzigen Heiligen-Darstellungen und drastischen Hexenszenen. Als ein Höhepunkt seines frühen Schaffens gilt der Hochaltar des Freiburger Münsters. Geboren wurde Baldung 1484 oder 1485 vermutlich in Schwäbisch Gmünd. Der Maler, Zeichner und Kupferstecher arbeitete einige Jahre bei Dürer in Nürnberg. Den Großteil seines Lebens verbrachte er in Straßburg, wo er 1545 starb.
Patrick de Bayser von der Pariser Galerie „Cabinet de Bayser“ bezeichnet den Fund der Zeichnung als einen „Schock“. „Zeichnungen von Baldung sind extrem rar.“ Nur wenige davon seien in privaten Sammlungen. Die Familie sei mit der Bitte an ihn herangetreten, das Gemälde zu begutachten. Vom wem es stammte, wussten sie nicht.
Nun soll das Werk am 23. März bei Beaussant Lefèvre & Associés in Paris versteigert werden. Kunstexperte De Bayser schätzt den Wert auf 1,5 bis 3 Millionen Euro. Auktionator Arthur de Moras erzählt, dass die Familie in ihrem umfangreichen Familienarchiv über zahlreiche Bilder verfügte. Einige Dutzende davon, von eher entfernteren Vorfahren, waren in einer Holzkiste aufbewahrt worden – unter ihnen auch das Bild, das sich nun als Werk von Baldung Grien herausgestellt habe. (dpa)