Rückblick aufs Kunstjahr

Die Nacht der Wärme

Das Kunstjahr 2020 mit seinen vielen Schatten- und manchen Lichtmomenten geht zu Ende. Pessismismus und Zuversicht liegen nicht nur auf dem Kunstmarkt, sondern bei uns allen an diesem Weihnachtsfest nahe beieinander

Von Sebastian Preuss
24.12.2020

Ein Jahr geht zu Ende, das niemand vergessen wird. Alles ist von der Pandemie überschattet, und selbst das Weihnachtsfest steht diesmal nur noch bedingt für Nähe, Liebe und familiäre Geborgenheit, sondern ist zugleich eine besondere Gefahrenquelle der Ansteckung und der weiteren Ausbreitung von Covid-19. Optimismus und Verzweiflung, Hoffnung und Schwarzseherei – diese Wechselbäder der Gefühle muss derzeit jeder Mensch auf dem Globus irgendwie verarbeiten. Auch auf dem Kunstmarkt liegen Zuversicht und Pessimismus dicht beieinander. Die Darstellung des „Neugeborenen“, um 1645 von Georges de La Tour gemalt und eines der schönsten Weihnachtsbilder überhaupt, erinnert an den großen Erfolg, den Lempertz mit einem der seltenen Gemälde des Künstlers am 8. Dezember hatte. Dessen „Mädchen, in ein Kohlebecken blasend“ erzielte samt Aufgeld 4,3 Millionen Euro und damit das beste deutsche Auktionsergebnis in diesem Jahr.

Die Versteigerungshäuser haben gute bis sehr gute Umsätze gemacht; das ist eine der positiven Überraschungen dieses Krisenjahres. Die Kunsthandlungen und Galerien trifft es dafür umso härter, besonders gravierend für sie ist der fast völlige Ausfall des Messegeschäfts. Auch vielen Künstlern geht es wirtschaftlich schlecht. Doch die Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr die Eindämmung der Pandemie erleben können, lassen wir uns nicht nehmen. Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, frohe Weihnachten und danken Ihnen für Interesse an Weltkunst Online! Wir bleiben dran am Puls der Kunst und des Kunstmarkts.

Georges de La Tour Gemälde Weihnachten
Georges de La Tours „Das Neugeborene“, um 1645, ist eines der schönsten Weihnachtsbilder überhaupt. © Musée des Beaux-Arts in Rennes