München Spezial

Farbexplosionen: Die neue Weltkunst München ist da

Unser neues Weltkunst München Spezial widmet sich den Farbexplosionen von Rupprecht Geiger, blickt zurück auf die umkämpften 1920er-Jahre in der Isarmetropole und stellt Deutschlands erfolgreichsten Auktionator vor

Von WELTKUNST Redaktion
06.10.2020
/ Erschienen in WELTKUNST Nr. 177

Das München der 1920er Jahre stand nicht im Ruf progressiv zu sein. Das heitere Leuchten des 19. Jahrhunderts und die Strahlkraft der expressionistischen Avantgarde waren einem dumpfen Beharrungswillen gewichen, der sich als Bollwerk gegen das „marxistische Chaos“ und die „verjudete Weimarer Republik“ verstand. Thomas Mann, der hier lebte, bezeichnete die Stadt als „Hort der Reaktion, als Sitz aller Verstocktheit“, nicht umsonst feierten die Nationalsozialisten hier ihre ersten Erfolge. Moderne Kunst hatte es in einem solchen Umfeld naturgemäß schwer und doch gab es sie auch hier. Welche Spuren die Moderne im München zwischen Räterepublik und Nazizeit hinterließ, welche Gegenpositionen sich etwa in der Produktgestaltung, aber auch in einzelnen Galerien durchsetzten, beleuchten wir in einem großen, reich bebilderten Essay.

München Cover
Das Cover der WELTKUNST München Spezial von Illustrator Christoph Niemann.

Kunst hält jung: Noch bis ins hohe Alter ging Rupprecht Geiger, der im Dezember 2009 mit 101 Jahren verstarb, täglich in sein Atelier. Dort, in dem lichten Bungalow in München-Solln, wartete auf diesen Magier der Farbe ein blauer Malstuhl mit fahrbarem Untersatz und aufmontiertem Palettenkasten, der ihm das lange Stehen vor der Leinwand ersparen sollte. Der Stuhl, der inzwischen selbst wirkt wie ein Kunstobjekt, ist heute ausgestellt im Archiv Geiger. Es hat vor zehn Jahren die ehemaligen Atelierräume Geigers bezogen, um dessen künstlerisches Erbe zu bewahren. Wir besichtigten das Archiv und sprachen mit der Enkelin Rupprecht Geigers, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Andenken an ihren Großvater auf lebendige Weise aufrechtzuerhalten.

Rupprecht Geiger München
Rupprecht Geiger mit seiner Frau Monika, 1997 portraitiert von Stefan Moses. © Stefan Moses

Weitere Themen der Ausgabe sind ein Gespräch mit Robert Ketterer, Deutschlands erfolgreichstem Kunstauktionator, ein Besuch bei der jungen Sammlerin Linn Born sowie ein Streifzug durch die Münchner Möbelkunst vergangener Jahrhunderte.

Kommode
Im Bayrischen Nationalmuseum ist David Roentgens Kommode mit Theater.Marketerie um 1780 zu bewundern. © Bayrisches National Museum