19.02.2018 Marie Bäumer

Marie Bäumer: Bild meines Lebens

Aktuell ist Marie Bäumer als Romy Schneider in „3 Tage in Quiberon“ auf der Berlinale zu sehen. Uns hat die Schauspielerin erzählt, was sie an den Motiven des Malers Lucian Freud besonders fasziniert – und welche Verbindung sie zur Schauspielerei haben

Von klein auf male und zeichne ich, auch heute noch, beim Telefonieren oder sogar beim Abendessen, wenn es nicht auffällt. Die Fantasie hatte in unserer Familie schon immer viel Freiraum. Nachts in meinen Träumen lebe ich so intensiv wie tagsüber. Von der sogenannten Realität fühle ich mich dagegen eingeschränkt, egal ob es ein Zebrastreifen ist, Schleusen am Flughafen oder Blutbilder beim Arzt, die das eine sagen, während man sich ganz anders fühlt.

Emotionaler Zugang

Mein Zugang zur Kunst war und ist immer emotional. Sei es bei Max Ernst, Gauguin  oder Chagall, mich faszinieren die Zwischenwelten, die offenen Räume. Ganz besonders hat mich eine Lucian-Freud-Ausstellung beeindruckt, die ich im Centre Pompidou in Paris mit einem Freund besucht habe. Ich bin vollkommen in seine Bilder getaucht. Als wir draußen waren, habe ich gesagt: Das muss ich noch einmal sehen –ich war noch nicht „satt“. Also haben wir uns sofort wieder Tickets besorgt und sind gleich noch einmal hineingegangen.

Lucian Freud: Girl Sitting, 1987 Radierung © The Lucian Freud Archive/Bridgeman Images UBS Art Collection
Lucian Freud: Girl Sitting, 1987 Radierung © The Lucian Freud Archive/Bridgeman Images UBS Art Collection

Parallele zur Schauspielerei

Lucian Freuds Malerei geht direkt in jede Pore hinein. Die nackten Frauen mit dem Hund haben mich besonders berührt. Sinnlichkeit, Bett und Tier: Das sind drei Dinge, die mich unmittelbar ansprechen. Ich sehe hier die Suche nach Geborgenheit, aber auch die Fragilität. Von den Körpern geht eine gewisse Melancholie aus. Die Bilder lassen viel Raum für einen Zoom in eine Geschichte, die sich in verschiedene Richtungen entwickeln könnte. Ich bewundere die Chuzpe des Malers, die physische Kraft, die aus dem Werk spricht, aber auch Räume für Sehnsucht. Das ist eine Brücke zu meinem Beruf, der Schauspielerei. Mein Kunstlehrer an der Waldorfschule hat einmal gesagt: Marie, Sie müssen mit dem ganzen Corpus in die Farbe. Davon träume ich heute noch.

Lucian Freud: Double Portrait, 1988-90, Öl auf Leinwand © The Lucian Freud Archive/Bridgeman Images UBS Art Collection
Lucian Freud: Double Portrait, 1988-90, Öl auf Leinwand © The Lucian Freud Archive/Bridgeman Images UBS Art Collection

Service

Informationen zum Film

3 Tage in Quiberon auf der Berlinale

20.2. um 12 Uhr (Friedrichstadt-Palast) und
um 21 Uhr (Haus der Berliner Festspiele)

21.2. um 21.30 Uhr (Filmkunst 66)

25.2. um 12.45 Uhr (Berlinale Palast)