30.11.2017 Billy Idol

Billy Idol: Bild meines Lebens

In den 1980er-Jahren machten Billy Idol Hits wie „Rebel Yell“ berühmt. Uns verriet er, welches Kunstwerk ihn besonders bewegt.

Seit meiner Jugend liebe ich den russischen Konstruktivismus und die frühen Abstrakten, all das verrückte Kandinsky-Zeug zum Beispiel. Ein Bild, das mich immer schon besonders beeindruckt hat, ist „Mit dem roten Keil schlagt die Weißen“, eine sowjetische Propaganda-Lithografie von El Lissitzky. Er hat das Bild zu Zeiten der Russischen Revolution geschaffen. Es fasziniert mich, wie es ihm gelungen ist, Symbole, Formen und geometrische Figuren, also gewissermaßen Mathematik, in Kunst zu verwandeln und sogar eine politische Aussage zu transportieren. 

Billy Idol bewundert El Lissitzkys „Mit dem roten Keil schlagt die Weißen“, 1920. Foto: Wikimedia Commons/Russian State Library
Billy Idol bewundert El Lissitzkys „Mit dem roten Keil schlagt die Weißen“, 1920. Foto: Wikimedia Commons/Russian State Library

Politische Plakate haben mich schon seit Anfang meiner Karriere inspiriert. Ich kann selbst nicht gut zeichnen, deshalb habe ich in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre, zu Zeiten meiner ersten Band Generation X, beim Design unserer Band-T-Shirts auch häufig geometrische Muster verwendet. Lissitzkys Bild hat mich dabei stark beeinflusst. Heute arbeite ich bei der Gestaltung meiner Alben häufig mit dem amerikanischen Street-Art-Künstler Shepard Fairey zusammen, seine Arbeiten erinnern mich an ebendiese alten Propaganda-Plakate.

Billy Idol: „Scheinbar trifft das Werk bei uns Musikern einen Nerv.“

„Mit dem roten Keil schlagt die Weißen“ hat aber scheinbar nicht nur mich angesprochen. Einige britische Musiker um Billy Bragg, Paul Weller und Jimmy Somerville haben sich in den 1980ern von diesem Bild inspirieren lassen – scheinbar trifft es bei uns Musikern einen Nerv. Sie haben die Organisation „Red Wedge“ (roter Keil) gegründet, mit dem Ziel, den Thatcher-Konservatismus zu beenden. Eine gute Sache. Damals habe ich aber schon in den USA gelebt.

Service

Dieser Text erschien in

WELTKUNST Nr. 97 / 2015