13.03.2017 Peter Dittmar

Kunst im Netz – Der Aggregator

Barnebys bündelt, was andere Häuser bieten

„Es steht noch nicht im Meyer. / Und auch im Brockhaus nicht“, wusste Christian Morgenstern vom „Nasobem“. Dasselbe lässt sich vom „Aggregator“ sagen. Er steht noch nicht im Pons, und auch im Langenscheidt nicht. Und „Barnebys“, die stolz verkünden, sie würden als Aggregator den Kunstmarkt revolutionieren, trösten den Leser dieser Mitteilung damit, dass er dem Wort zuvor wohl nicht begegnet ist. Ein wenig Latein hilft da immerhin weiter: „aggregare“ meint „anschließen“, „bei- und zugesellen“, auch „an- und aufhäufen“. Und Wiktionary vermerkt mit Blick auf die digitale Welt noch „sammeln“, „aufbereiten“, „verfügbar machen“. Das ist es auch, was „Barnebys“ verspricht. 2011 in Stockholm gegründet, ist man inzwischen auch in England, den Vereinigten Staaten, Hongkong, Frankreich, Spanien und Deutschland präsent. Dementsprechend gibt es die deutschsprachige Seite www.barnebys.de. Und mit typischer Internet-Bescheidenheit stellt sich „Barnebys“ als „der Welt größter und am schnellsten wachsender Auktions-Aggregator“ vor. Aber im Prinzip tut man nur das, was „Lot-tissimo“ (s. KUA 18 / 2015, S. 78) oder „Invaluable“ (s. KUA 9 / 2016, S. 62) tun: Man bündelt als Vermittler die Angebote von Auktionshäusern in den verschiedenen Ländern. Das können Internet-Auktionen sein, die mit „1 €“ beginnen, klassische Versteigerungen oder Ermunterungen zum sofortigen Kauf – auch bei Händlern. Das Repertoire reicht von Autos, Uhren, Schmuck bis zu Gemälden, Skulpturen und Grafiken, also vom Nützlichen, Kuriosen, Kitschigen bis zu Kunstwerken, die selten die Grenze vierstelliger Preiserwartungen übersteigen.

Tippt man einen Suchbegriff ein, erhält man eine bebilderte Liste aller Angebote der angeschlossenen Häuser. Diese Suche lässt sich nach Kategorien, Ländern und Auktionatoren / Kunsthändlern eingrenzen. Pro Woche, heißt es, könne man unter 520.000 Objekten (davon 112.000 aus Deutschland) bei 1200 Auktionshäusern, 300 Händlern und 25 Messen wählen. Sucht man also nach Toulouse-Lautrec, erhält man (Anfang Februar) 145 Ergebnisse, die auch Bücher, Reproduktionen und Adaptionen einschließen. Beim teuersten Angebot, dem Band über Yvette Guilbert für 55.800 Euro heißt es jedoch – wie bei knapp der Hälfte der Objekte: „Dieses Haus ist leider noch nicht mit uns verbunden. Deshalb wird noch kein Link zu dem entsprechenden Auktionshaus angeboten.“ Und auf diesen Link ist man angewiesen, wenn man bieten und kaufen will. 

Damit sind die Dienstleistungen jedoch nicht erschöpft. Unter „Endpreis-Suche“ lassen sich kostenlos Auktionsergebnisse abrufen. Mehr als 30 Millionen sollen das seit 1970 sein. Bei Toulouse-Lautrec sind es knapp 10.000 seit Januar 1991 mit Zuschlägen bis 20 Millionen Euro, die nach frühestem und spätestem Datum, höchstem und niedrigstem Preis sortiert werden können. Für Carl Hofer werden es 149 (mit irritierend vielen anderen Ergebnissen von anderen Carls und anderen Hofers), während Karl Hofer (mit wesentlich weniger unzutreffenden Verweisen) auf 356 Zuschläge kommt. Andere Ergebnis-Suchmaschinen, für die man allerdings zahlen muss, sind da genauer und ausführlicher. Und schließlich kann man auch ein Objekt schätzen lassen. Man muss es in einer E-Mail beschreiben, die Barnebys, dann an „alle angeschlossenen Auktionshäuser verschickt“, von denen „Eines oder mehrere“ den Fragenden per E-Mail kontaktieren würden. Das ginge „schnell und einfach“. Die digitale Auktions-Welt bleibt eben eine Welt der Hoffnungen. Und der Versprechen.

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KUNST UND AUKTIONEN Nr. 4/2017