04.07.2016 Simone Sondermann

Neuer Anbau fürs Staatliche Museum Schwerin

Die Galerie Alte & Neue Meister in Schwerin eröffnet ihren lange ersehnten Erweiterungsbau. Vor allem die Werke Günther Ueckers finden hier jetzt großzügig Raum

Es war eine Herausforderung. Knapp zwei Jahre, das ist wenig Zeit, um einen Museumsbau zu realisieren, der sich auch noch harmonisch an einen Altbau von 1882 fügen soll. Zumal auf sumpfigem Grund, in Steinwurfweite eines großen Sees. Doch der enge Zeitplan, der mit Fördergeldern der EU zu tun hatte, und die baulichen Gegebenheiten waren nicht die einzigen Hürden, die bei der Erweiterung der Galerie Alte und Neue Meister in Schwerin zu nehmen waren. Denn in Schwerin hat man Größeres vor. Das Kunstmuseum ist Teil eines Ensembles, zu dem das historistische Schweriner Schloss, diverse Gärten und Parks und Teile der Uferbebauung des Schweriner Sees gehören. Diese „Kulturlandschaft“, so der ehrgeizige Plan der örtlichen Politik und eines Fördervereins, soll UNESCO-Welterbe werden. Das Bewerbungsverfahren läuft bereits und steckt jeder baulichen Veränderung enge Grenzen. So waren Höhe, Breite und Länge des neuen Museumsanbau durch die Welterbe-Pläne vorgegeben, nichts darf mehr den harmonischen Gesamteindruck stören, erklärt der Architekt Frank Kasprusch.

Unter diesen schwierigen Umständen ist ein Bau gelungen, der mit seiner hellbraunen Betonfassade und den bodentiefen Panoramafenstern das bestehende Ensemble sehr gut ergänzt. Auf den so gewonnenen 800 Quadratmetern findet die zeitgenössische Kunst des Schweriner Museums Platz. Im Fokus steht hier vor allem der gebürtige Mecklenburger Günther Uecker, von dem nun von einem frühen „Selbstportrait, 1963“ bis zu eigens für den Neubau geschaffenen „Wustrower Tüchern“ ein beeindruckender Werkausschnitt zu sehen ist. Uecker ist dem Museum eng verbunden und hat die Erweiterung im Vorfeld durch druckgrafische Editionen unterstützt, deren Versteigerung allein 1,3 Millionen Euro einbrachte. Er ist Ehrengast am Eröffnungsabend Ende Juni, und die Freude und Rührung sind dem 86-Jährigen deutlich anzumerken. „Ick bün all hier“ lacht er auf Mecklenburger Platt ins Mikrofon, er ist längst da in diesem Haus. Neben einem Saal im Altbau ist ihm das gesamte Obergeschoss des neuen Anbaus ist gewidmet. Große weiße Tücher, die auf ein traumatisches Erlebnis kurz nach Kriegsende auf der Ostseeinsel Wustrow Bezug nehmen, sind zu sehen, zudem ein Video über ebendiese Arbeit und eine meditative „Sandspirale“ von 1970, die dank der Unterstützung des Museumsfreundeskreises zur Eröffnung angeschafft wurde.

Doch nicht nur Uecker lohnt den Besuch in Schwerin. Die Galerie Alte & Neue Meister verfügt über eine hervorragende Sammlung niederländischer Altmeister des 17. Jahrhunderts, die auch internationale Gäste anlockt und durch den Neubau mehr Platz bekommt.