Positions Berlin 2021

Positions geht voran

Die Berliner Positions überzeugte schon im vergangenen Jahr mit ihrem Corona-Konzept und findet diesmal vor der Berlin Art Week statt

Von Christiane Meixner
09.09.2021
/ Erschienen in Kunst und Auktionen Nr. 13

Erfahrungen mit einer Messe unter pandemischen Bedingungen konnte die Positions Art Fair schon 2020 machen: als eine der wenigen Kunstmessen, die im vergangenen Jahr überhaupt stattfanden und die deshalb so viel Zuspruch erfuhr, dass sich die Besucher in langen Warteschlangen vor dem einstigen Flughafen Tempelhof in Berlin wiederfanden. Der Hunger nach physischen Erlebnissen ist also groß und wird es bleiben, das Angebot nach wie vor ausgedünnt – deshalb darf Berlins große Kunstmesse auch dieses Jahr mit reichlich Publikum rechnen.

Das aufwendige Hygiene-Konzept, das ein Kulturevent mit 110 internationalen Galerien und einem Mehrfachen an Gästen in Covidzeiten überhaupt erst möglich macht, wird beibehalten. Ansonsten wollen die Organisatoren diesmal einen reibungslosen Aufenthalt für alle Interessenten bieten. Auf der anderen Seite hat die Berliner Messe für zeitgenössische wie jüngste Kunst von der schwierigen Situation jedoch auch profitiert.

Ihre Erweiterung um einen ganzen Hangar brachte zusätzlichen Platz und eine Großzügigkeit in die Präsentation, die man vorher manchmal vermisst hat. Diese Luftigkeit wird 2021 beibehalten, genau wie die breiten Wege und das übersichtliche Leitsystem. Jede der Maßnahmen dient nicht zuletzt dem Schutz der Besucher. Dass sie überhaupt möglich sind, ohne die teilnehmenden Galerien finanziell zu überfordern, liegt an der Ausweitung des „Neustart“-Programms: Der Bund unterstützt nun auch den Auftritt von Galerien auf Messen, um den internationalen Kunsthandel wieder in Gang zu bringen.

Positions Berlin Hein Spellmann
In seiner „Fluchttreppe“ (2020) lässt Hein Spellmann Fotografisches wie utopische Architektur der Sechziger- und Siebzigerjahre aussehen. © the Artist Courtesy Galerie Rasche Ripken / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Dennoch legen die beiden Messedirektoren Kristian Jarmuschek und Heinrich Carstens viel Wert auf eine kuratierte Schau anstelle reiner Verkaufsstände. Die Positions stellt junge, spannende Positionen in den Vordergrund wie den in Berlin lebenden Künstler Alexander Skorobogatov, dessen lakonische, aus einfachen Materialien konstruierte Skulpturen am Stand der Warschauer Galerie Szydlowski stehen. Oder die Künstlerin Aneta Kajzer, deren chimärenhaft figürliche, monströse Erscheinungen beschwörende Bilder von der Galerie Conrads gezeigt werden. Bei Reiter (Leipzig / Berlin) hängen Kugelschreiber-Zeichnungen von Claus Georg Stabe, die Galerie Rasche Ripken zeigt Fotografisches, das der Künstler Hein Spellmann mithilfe nachträglicher Bearbeitung und dreidimensionaler Untergründe wie utopische Architektur der Sechziger- und Siebzigerjahre aussehen lässt.

Die Galeristin Carsta Zellermayer steuert Berliner Klassiker bei, die es wiederzuentdecken gilt – den vor 100 Jahren geborenen Maler und Bildhauer Rudolf Kügler beispielsweise, den die Galerie zwischen Zeitgenossen präsentiert. Neu unter den Teilnehmern sind außerdem namhafte Galerien wie Anita Beckers, Tobias Naehring, Reiter und das Eigen + Art Lab. Hinzu kommen Talks, Sonderausstellungen und mit dem Format „Live.Positions“ auch die Möglichkeit, die Kunst genau wie die anderen Veranstaltungen der Positions digital zu erleben.

Positions Berlin Claus Georg Stabe
Claus Georg Stabes „Day of Hearts Release“, Kugelschreiber und Collage auf Ätzradierung, 2021, bringt die Galerie Reiter auf die Positions mit. © the Artist / Galerie Reiter

Service

POSITIONS BERLIN 2021

Hangar 5 & 6, Flughafen Tempelhof, Berlin

9. – 12. September

www.positions.de

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