Thomas Levy

„Mit Geduld, Leidenschaft und einer Banklehre“

Fünfzig Jahre lang hat der Galerist Thomas Levy mit internationalen Künstlern das Kulturleben der Hansestadt Hamburg geprägt. Ein Gespräch über surrealistische Freundschaften, seinen geplanten Umzug nach Berlin und die Zukunft der Kunstmessen

Von Christiane Meixner
19.12.2020

Lieber Herr Levy, Sie sind seit 50 Jahren Galerist. Hatten Sie irgendwann einmal keine Lust mehr auf den Beruf?

Da man innerhalb des Berufes das Betätigungsfeld auch erweitern kann, hat mich die Lust als Galerist, Kurator oder auch Sammler nie verlassen.

Nach Ihren eigenen Worten „brannten“ Sie schon früh für die zeitgenössische Kunst. Woher kam das?

Seit meinem 16. Lebensjahr war ich regelmäßig in Paris bei Freunden der Familie zu Besuch und bin durch sie in die Kunstwelt eingeführt worden, habe Man Ray, Sonia Delaunay, Paul Celan und viele andere KünstlerInnen kennengelernt und fing an, meine kleine Kunstsammlung aufzubauen. Und ich hatte einen strengen Förderer: Heinz Berggruen.

Wie schafft man es als Galerist überhaupt durch all die Finanzkrisen der vergangenen Jahrzehnte, die sich naturgemäß auch auf den Kunstmarkt niederschlagen?

Mit Geduld, Leidenschaft und eventuell auch der Banklehre…

Thomas Levy mit seinem Sohn und Nachfolger, dem Galeristen Alexander Levy
Thomas Levy mit seinem Sohn und Nachfolger, dem Galeristen Alexander Levy. @ Dirk Masbaum

Ist Hamburg eine besonders kunstfreundliche Stadt? Oder weshalb sind Sie immer in der Hansestadt geblieben?

Hamburg und die HamburgerInnen lieben die Musik, bildende Kunst ist und war jedoch immer ein Stiefkind. Zum Leben bleibt die Stadt aber ein herrlicher Standort – und steter Tropfen höhlt den Stein… Wir haben uns hier mittlerweile einen treuen Kundenstamm aufgebaut. Die Kunstszene findet heute in Berlin statt, daher der Schritt, 2008 eine Filiale in Berlin zu eröffnen. 2012 hat sie mein Sohn Alexander in Eigenregie und völlig neuem Programm übernommen.

Gehörten und gehören die hiesigen Museen zu den Käufern in Ihrer Galerie?

Wir haben viele Werke an Museen verkauft – leider so gut wie nichts an Hamburger Institutionen.

Mit welchen Künstlerinnen haben Sie Ihre Karriere begonnen – und weshalb ausgerechnet mit ihnen?

Ich war durch meine Parisaufenthalte sehr mit den Surrealisten verbunden: Max Ernst, Man Ray, Victor Brauner, René Magritte. Und um 1977 begegnete ich Meret Oppenheim, womit nicht nur eine langjährige Vertretung, sondern auch eine „surrealistische“ Freundschaft begann, durch die die Vermittlung des Werkes noch etwas Lebendiges bekam. Die anderen Surrealisten hatte ich ja leider nie kennengelernt, außer ganz kurz Man Ray 1969.

Auf welche Ausstellung und welchen Verkauf sind Sie besonders stolz?

Den Verkauf der Henry-Moore-Skulptur „Reclining Figure – Hand“ an die Stadt Hamburg und die Ausstellung „Das Ohr von Giacometti. (Post) Surreale Kunst von Meret Oppenheim bis Mariella Mosler“ 2010 zum 40-jährigen Galeriejubiläum.

Thomas Levy im Jahr 2005 mit dem Eat-Art-Künstler Daniel Spoerri
Der Galerist im Jahr 2005 mit dem Eat-Art-Künstler Daniel Spoerri. © Thomas Levy Privatarchiv

2019 haben Sie Ihre repräsentative Galerie aufgegeben und gegen kleinere Räume mit Salon-Charakter getauscht. Ändert sich damit auch das Programm?

Das Programm bleibt das gleiche:  Surrealismus, Nouveau Réalisme und Pop Art mit Künstlern wie Werner Berges, Allen Jones, Mel Ramos, Daniel Spoerri, die Nachlässe von Meret Oppenheim und Friedrich Einhoff und jüngere Positionen wie Johannes Hüppi, Marc Lüders, Annette Streyl usw.

Bestehen bleibt die Firma ARTOMA Kunst- und Kulturmanagement. Was genau ist die Aufgabe dieses Unternehmens?

Mit dieser Firma organisieren wir seit Ende der Achtzigerjahre Ausstellungen fürMuseen und andere öffentliche und private Ausstellungsorte im In- und Ausland. Es wird nicht langweilig, und die 50 Jahre Erfahrung helfen hierbei sehr.

Wie sehen Sie aktuell die Zukunft der Kunstmessen, auf denen Sie ja in der Vergangenheit stark präsent waren?

Bedingt durch COVID-19 und die verstärkte Präsenz auf Internetplattformen werden sicherlich einige Kunstmessen verschwinden. Jedoch glaube ich immer noch an den direkten Kontakt auf Messen wie der Art Basel, Art Cologne, Art Basel Miami oder Armory N.Y. – die werden das überleben. Das Verhältnis von Kosten und Nutzen müssen dabei aber sehr hinterfragt werden.

Sie planen neue Ausstellungsräume in Berlin, wo ihr Sohn Alexander seit 2012 ebenfalls erfolgreich eine Galerie mit Künstlern seiner Generation betreibt. Gibt es schon einen konkreten Zeitpunkt? Und was bedeutet das für die Zukunft der Galerie Thomas Levy?

Wir suchen intensiv Räume, wo beide Galerien mit ihren getrennten Programmen nebeneinander bestehen sollen, die in der Zukunft beide von Alexander Levy geführt werden sollen, da der „alte Levy“ es ja nicht ewig machen kann. Auch wenn er es gern möchte. Den KünstlerInnen der Galerie sollte so auch weiterhin ein Forum erhalten bleiben.