Tefaf Online

Kann die Tefaf digital bestehen?

Die hochkarätige Kunst- und Antiquitätenmesse hat sich für ihren New Yorker Ableger früh auf ein rein virtuelles Format festgelegt. Nun sind rund 300 Meisterwerke im Online-Showroom zu sehen

Von Christiane Meixner
30.10.2020

„Starten Sie eine Konversation“, empfiehlt der Button unter den Porträtfotos von Ute Eggeling und Michael Beck. Und natürlich bleibt dieses Treffen virtuell. Doch es ist eine Chance, mit den Düsseldorfer Galeristen ins Gespräch zu kommen – falls einem die Informationen ihres aktuellen Tefaf-Auftritts nicht genügen.

Eigentlich fände diese größte und schönste Messe für exquisite Antiquitäten und Kunst, deren Entstehungsdatum sich immer mehr über alle Epochen bis in das 20. Jahrhundert erstreckt, just in New York statt. Ihre Organisatoren haben jedoch frühzeitig die Notbremse gezogen: Die vorangegangene Tefaf in Maastricht musste im Frühjahr Corona-bedingt vorzeitig schließen. Und bevor man eine derart aufwändige Messe plant, die wiederum wegen Covid 19 nicht stattfinden kann, geht man lieber ins Netz.

Tarsila do Amaral Gemälde Galerie Bergamin & Gomide Tefaf online
Die brasilianische Galerie Bergamin & Gomide bietet mit „Idílio“ (1929) ein seltenes Werk der modernistischen Malerin Tarsila do Amaral zu einem Preis von 7 Millionen US-Dollar an. © Bergamin & Gomide

Knapp 300 Kunsthändler sind dem Angebot gefolgt und nehmen an der Tefaf Online teil. Preview für die VIPs ist am heutigen Freitag, ab dem 1. November kann sich dann jeder für einen virtuellen Rundgang registrieren. Sonst aber ist vieles anders in den virtuellen Räumen, vor allem beim Angebot. Statt aus dem Reichtum der Jahrhunderte zu schöpfen, mit dem die reale Tefaf ihre Besucher verlässlich überwältigt, steht nun jede Galerie für ein herausragendes Werk: ArtAncient aus London für eine Marmorbüste des jungen Herakles aus hellenistischer Zeit, Karsten Greve für eine Skulptur aus drei bronzenen Händen von Louise Bourgeois, der Kunsthandel Peter Mühlbauer für einen auf 1600 datierten Buchdeckel aus getriebenem Metall.

Marmorbüste des jungen Herkules aus dem 1. Jahrhundert Galerie ArtAncient Tefaf Online
Die Marmorbüste des jungen Herkules aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. befand sich einst in der Sammlung des schottischen Herzogs George Granville Sutherland-Leveson-Gower. Für die Tefaf Online wurde sie von der Londoner Galerie ArtAncient auserkoren. © ArtAncient

Der Londoner Kunsthandel Rafael Valls Limited zeigt eine innige Darstellung der heiligen Familie von Angelika Kauffmann, Senger aus Bamberg trumpft mit einem mehrfigurigen Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren und dessen Werkstatt auf und die Galerie Beck und Eggeling präsentiert ein Großformat von Gerhard Hoehme.

Senger Kunsthandel Lucas Cranach Tefaf Online
Der Senger Kunsthandel aus Bamberg bietet das Gemälde „Herkules am Hof von Omphale“ (um 1535-38) von Lucas Cranach dem Älteren an. © Senger Kunsthandel aus Bamberg

„Jeder an der Tefaf Online teilnehmende Kunsthändler hat ein Kunstwerk ausgewählt, das für seine Expertise steht“, erklärt Hidde van Seggelen als Chairman der Messe. Man habe den Besucher der Website visuell nicht überfordern wollen und sich deshalb auf ein Exponat pro Händler geeinigt. Begleitet wird es von umfangreichem Material – von Videos über Material zu Künstlern und Objekten bis hin zu Preisen, die manche Teilnehmer auf ihrer Site kommunizieren. Diese neue Offenheit hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die Organisatoren der Tefaf auf eine neue, digital versierte Generation von Sammlern hofft, für die die Online-Version einen Einstieg in die Kunstwelt bedeutet. „Wenn Kaufabsicht besteht, lässt sich eine Präsentation des Objektes in der Galerie oder an einem vom Interessenten gewählten Ort organisieren“, ergänzt van Seggelen und erinnert so an den sinnlichen Aspekt der Messe.

Christoph Jamnitzers Narziss an der Quelle Buchdeckel Kunsthandel Peter Mühlbauer Tefaf Online
Kunsthandel Peter Mühlbauer aus Pocking stellt Christoph Jamnitzers Narziss an der Quelle (1600) aus. Der Buchdeckel aus getriebenem Metall und Feuervergoldung befindet sich in einem unrestaurierten Originalzustand. © Kunsthandel Peter Mühlbauer

Wichtig ist ihm noch der Hinweis auf das traditionelle „Vetting“ aller Exponate – der kritische Vorabblick durch Experten aller vertretenen Epochen, um die Echtheit der angebotenen Bilder, Möbel und Skulpturen zu garantieren. Auch dies musste diesmal anhand hochauflösender Bilder online vonstatten gehen. Dokumentationen und Zustandsberichte wechselten zwischen den Kunsthändlern zu den Mitgliedern der Jury. „Mit der Tefaf Online haben wir in dieser Zeit einen guten Kompromiss gefunden“, ist sich van Seggelen sicher. Die nächsten Tage werden dies zeigen.

Service

MESSE

Tefaf Online
www.tefaf.com
1. bis 4. November
VIP Early Access ab 30. Oktober