20.10.2017 Gloria Ehret

Münchner Kunstmessen als bewährtes Doppel

Der Münchner Kunstherbst wird geprägt von zwei Messen, die sich in ihrem Profil gut ergänzen: Die Highlights versammeln in der Residenz Hochkarätiges, die Kunst & Antiquitäten setzt im Postpalast auf eine breit gefächerte Auswahl

Knapp 40 Aussteller bei den Highlights in der Residenz, etwa 65 im Postpalast: Der zeitlich aufeinander abgestimmte Auftritt an verschiedenen, doch für den Besucher gut kombinierbaren Standorten hat sich bewährt. Das Echo von Besuchern und Käufern war voriges Jahr einhellig positiv. Dass auch die Händler zufrieden waren, zeigen die jeweils vier neuen Teilnehmer. Schade nur, dass sich einige der wichtigsten deutschen Händler für die ebenfalls im Oktober stattfindende Tefaf New York entschieden haben. Doch ist die Terminentzerrung für 2018 schon geregelt, sodass Georg Laue und Florian Eitle dann wieder in der Residenz dabei sein werden.

Beide Messen präsentieren Kunst vom Mittelalter bis in die Gegenwart, Antiken fehlen leider ganz wegen des in Teilen unsinnigen Kulturgutschutz-Gesetzes. Die Schwerpunkte sind unterschiedlich gewichtet. Das Programm der Kunst & Antiquitäten im Postpalast ist inhaltlich und qualitativ breit gefächert. Anspruchsvolle Antiquitäten aus dem 18. und 19. Jahrhundert, mit denen es sich gut leben lässt, bilden das Herzstück. Hier steuern die österreichischen Teilnehmer Wesentliches zum facettenreichen Angebot bei. Ein Dutzend Spezialisten kommt mit außereuropäischer Kunst, mit Tibetika, Asiatika und japanischen Holzschnitten, mit sammelwürdigen Teppichen und Textilien sowie russischen und griechischen Ikonen.

Im Kaiserhof der Residenz konzentriert man sich vor allem auf hochkarätige Sammelobjekte. Rund die Hälfte der Highlights-Aussteller sind Galerien mit Werken von der klassischen Moderne bis zu den Zeitgenossen inklusive Fotografie. Bedauerlich ist, dass kein Altmeisterhändler mehr teilnimmt. Dafür hat der klassische Antiquitätensektor durch die Teilnahme von Walter Senger enorm gewonnen. Mit ihm und den Allrounder-Kollegen Christian Eduard Franke aus Bamberg und Peter­ Mühlbauer aus Pocking sind nun drei der vier wichtigsten deutschen Generalisten vertreten. Ihre Stände sind ein Dorado höfischer Interieur- und Sammlerkunst des 17. bis frühen 19. Jahrhunderts mit Gemälden, Möbeln, Lüstern, Leuchtern, Spiegeln, Bronzen oder Prunksilber. 

In München zeigt Walter Senger, dessen Skulpturenkeller in Bamberg weithin berühmt ist, innerhalb seiner süddeutsch-spätgotischen Skulpturen eine berückend schöne Ulmer Lindenholz-Madonna mit Kind und originalen Fassungsresten (85.000 Euro), einen heiliger Hieronymus in Eichenholz mit alter Fassung (95.000 Euro) und einen vollrund in Lindenholz geschnitzten und gefassten Christophorus um 1520 (Preis auf Anfrage). Ein kleines, um 1760 von Feuchtmayer geschnitztes und in der originalen Fassung erhaltenes geflügeltes Lindenholz-Puttenköpfchen (13.000 Euro), ein ebenfalls noch original gefasster dramatischer, über einen halben Meter großer Tiroler Auferstehungs-Christus (16.500 Euro), der dem Imster Bildhauer Jakob Witwer (1679–1758) zugeschrieben wird, oder ein ungefasster Lindenholz-Apostel aus der Schule des Matthias Bernhard Braun (12.000 Euro) sind bei Dr. Rainer Jungbauer, der Anlaufstelle traditioneller Barock- und Rokokoskulpturen, zu entdecken.

Ulmer Lindenholz-Maria mit Kind
Berückend schön: die Ulmer Lindenholz-Maria mit Kind, um 1500, gesehen beim Bamberger Kunsthändler Walter Senger.

Peter Mühlbauer erwähnt innerhalb seines höfischen Prunkmobiliars ein Paradebeispiel Neuwied’scher Ebenistenkunst: einen Rollschreibtisch von David Roentgen, um 1785, in Mahagoni mit feuervergoldeten Bronzen in wunderbarem Originalzustand! Er stammt aus einer umfangreichen Lieferung an den russischen Hof. Das Gegenstück befindet sich noch heute im Kabinett des Großfürsten Petrowitsch in Schloss Gattschina (225.000 Euro). Seine Neuentdeckung einer geometrisch marketierten Münchner Sans-traverse-Kommode in Königsholz mit feuervergoldeten Bronzen und originaler „Tegernseer Marmorplatte“, um 1750, (82.000 Euro) kann mit Beispielen im Residenzmuseum durchaus konkurrieren. Es gilt als erwiesen, dass sie vom „Churfürstlichen Galanteriekistler“ Sebastian Guglhör stammt.

Wie ein roter Faden zieht sich das Thema „Paare, Pärchen und Pendants“ durch H. J. Eschs Angebot. Zu einem Paar signierter und 1739 datierter Öl-auf-Holz-Porträts der Familie van Visvliet des Künstlers Philip van Dijk, von 1726 bis 1736 Hofmaler des Landgrafen von Hessen-Kassel (33.500 Euro), gesellt sich ein Paar naturalistisch staffierter Fayence-Kohlkopf-Deckelterrinen mit Kohlblättern als Présentoires aus Sceaux um 1755/60 (24.500 Euro).

Liebhaber früher Porzellanraritäten sind bei Friedel Kirsch Langeloh (Weinheim) richtig. Sie bringt zwei um 1739/40 in Meissen gefertigte Goldfond-Prunkterrinen mit, von denen heute nur zwei weitere vergleichbare Exemplare bekannt sind, darunter eines im Bayerischen Nationalmuseum (80.000 Euro). Erwähnenswert ist auch das Paar KPM-Mandelkrähen („Blaueraack“, 1765) auf Goldbronzesockeln von Henry Dasson, für die 38.000 Euro zu veranschlagen sind.

Zwei KPM-Mandelkrähen, um 1765, von Langeloh Porcelain
Zwei KPM-Mandelkrähen, um 1765, von Langeloh Porcelain

Die Wiener Galerie Kovacek Spiegelgasse macht den verdienstvollen Spagat, alte Glaskunst mit Malerei der Moderne zu verbinden: Von dem Multitalent und Wiener-Werkstätte-Mitarbeiter Otto Prutscher kann man sechs seiner zeitlos eleganten Weingläser erstehen – auch einzeln (je 14.000 Euro). In anderen Preiskategorien bewegt sich der „Kopf eines Jungen, leicht nach rechts gewandt“ von Emil Nolde (160.000 Euro).

Dr. Alexander Kunkel ist nicht nur als einer der beiden Highlights-Geschäftsführer ein Glücksfall. Auch als Kunsthändler bereichert er die Messe um eine eigene Facette: die deutsche Salon- beziehungsweise Historismusmalerei der Gründerzeit um 1900. Wie malerisch brillant man den Tod schildern kann, zeigt Ferdinand von Kellers dramatisches Gemälde „Selene“, signiert, 1886 datiert und mit der Ortsbezeichnung Karlsruhe versehen, der Geburtsstadt des Malers, wo er von 1880 bis 1913 als Direktor an der Kunstschule gewirkt hat (125.000 Euro). Zwei Jahre später zeichnete der Münchner Malerfürst Franz von Stuck „Die Raben-Eltern“ in Tusche und Bleistift (9800 Euro). Die ironisch-skurrile Szene wurde im selben Jahr in den Fliegenden Blättern veröffentlicht. Von Johann Charles Palmié präsentiert Kunkel diesmal eine impressionistisch angehauchte „Sommerlandschaft bei Giverny“ (38.000 Euro), die im Jahr 1906 entstanden ist.

 

Ferdinand von Keller,
Ferdinand von Keller, "Selene", Öl/Lwd., 76 x 110,5 cm, sign., dat. 1886 (Abb.: Kunkel Fine Art, München)

Maler der Brücke und des Blauen Reiter bilden die Creme der Galeristenauswahl – meist kombiniert mit Werken der Nachkriegsmoderne und Arbeiten bis ins 21. Jahrhundert. Die Münchner Galerie Thomas zeigt unter anderem Arbeiten von Gabriele Münter: Aus dem Jahr 1915, Münters bester früher Zeit, stammt die prächtige dichte Ölstudie „Abstrakt“ (285.000 Euro). Ihr „Roter Christstern“ von 1956 ist sicherlich auch außerhalb der Weihnachtszeit ein erfreulicher Anblick (165.000 Euro).

Ernst Ludwig Kirchner hat 1914 eine farbintensive „Fehmarnlandschaft mit Bäumen“ in Öl auf Leinwand gemalt, die bei Wienerroither & Kohlbacher neben der in einem Umrissschwung in schwarzer Kreide aufs Papier geworfenen erotischen Mädchenzeichnung „Akt mit abgewinkeltem Knie“ von 1918 sicher schnell den Besitzer wechseln wird. Arbeiten auf Papier nehmen bei der klassischen Moderne breiten Raum ein. So legt Thole Rotermund einen Schwerpunkt auf Künstlerpostkarten, deren Texte auf den Rückseiten Einblicke in das private Leben der Maler gewähren: 1911 hat Karl Schmidt-Rottluff „Zwei gelbe Häuser“ als duftiges Aquarell auf eine Postkarte gebannt. Als Skizzenbuchblatt hat August Macke 1913 in Köln einen in sich gekehrten „Mann beim Kranich im Zoo“ festgehalten.

Dr. Moeller (Hamburg) feiert Marcel Duchamps 130. Geburtstag mit einer ganzen Werkauswahl. Florian Sundheimer verführt mit zauberhaften Zeichnungen von László Moholy-Nagy aus dem Jahr 1945 (32.000 Euro) oder Rupprecht Geiger von 1962/65 (14.500 Euro).Die Galerie Maulberger gehört zu den führenden Adressen für die Kunst der Nachkriegszeit. Um das Jahr 1969 entstand Herbert Zangs’ Scheibenwischerreihung in Acrylfarbe auf Hartfaser (148.000 Euro). Von Günther Uecker präsentiert sie typische, wie ein Spiralwirbel wirkende „Nägel“, weiße Dispersionsfarbe auf Leinwand auf Holz von 2001 (650.000 Euro).

Bei Stephen Hoffman sind Fotoarbeiten von Horst Faas zu sehen, dem die Galerie im Sommer eine Ausstellung gewidmet hat. Das Künstleralphabet der Vor- und Nachkriegs-Klassiker des 20.Jahrhunderts ist attraktiv präsent: Hier nur eine Auswahl als Vorgeschmack auf die gebotene Vielzahl: Max Ackermann (Luzán), Jean Arp (Schwarzer), Willi Baumeister (Schlichtenmaier, Stockebrand + Uekermann), Alexander Calder (von Vertès), Max Ernst (Ludorff), Alexej Jawlensky (Brockstedt, von Vertès), Oskar Kokoschka (Ruberl), Emil Nolde (Schwarzer), Serge Poliakoff (Galerie Françise), Josef Scharl (Hagemeier), Egon Schiele (Kovacek), Fritz Winter (Untermann) – um nur einige herauszugreifen.

Bei so viel Moderne ist es um so bedauerlicher, dass Heribert Tenschert (Antiquariat Bibermühle) mit seinem singulären Programm früher illuminierter Handschriften und Bücher nicht mitmacht.

Tondi aus dem Umkreis Agostino Tassis
Als einzige Altmeisterhändlerin bringt Dr. Maria Galen zwei Tondi aus dem Umkreis Agostino Tassis in den Postpalast

Szenenwechsel in den Postpalast: Die Breite des Programms der Altmeistergalerie Dr. Maria Galen veranschaulichen ein Stillleben aus dem Umkreis des Balthasar van der Ast, ein Porträt Kaiser Ferdinands II. aus dem Umfeld des Hofmalers Hans von Aachen (15.000 Euro), zwei reizende Tondi mit italienischen Landschaften und Ruinenarchitektur aus dem Umkreis Agostino Tassis (8100 Euro) sowie das Porträt einer Dame im Oval, das der französischen Schule angehört (4600 Euro). Auch bei Nikolaus Fink lohnt sich der Blick an die Gemäldewände: Da sticht ein hochwertiges flämisches Ölgemälde aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts heraus, mit einem belebten Jahrmarkt, den an die 100 Personen bevölkern.

Für die Kunden aus München und dem Umland hat das Kunsthaus Bühler eine „Ansicht des Starnberger Sees mit der Zugspitze im Hintergrund“ von Albert Kappis (5400 Euro) im Messegepäck, Christian Mali ist mit einer „Rast vor dem ‚Gasthaus mit Tafernwirthschaft‘ im Winter“ (1871) dabei. Die idyllisch-verklärte Szene „Kinder mit Geissen“ von 1878 stammt von Jakob Grünenwald (36.000 Euro).

Zu Michael Vogts Favoriten zählen die Maler Wilhelm Busch und Eduard Schleich, von denen uns zwei Kleinformate in Öl auf Karton ausgefallen sind (je 11.000 Euro). Allerdings würde man den sitzenden Akt „Mann beim Sinnieren“ auf den ersten Blick nicht für einen Busch halten. Und bei der stimmungsvollen „Landschaft mit aufgehendem Mond“ würde man eher auf Schleich tippen.

Roderich Pachmann mag sich nicht auf seine museale Volkskunst reduziert wissen. Zum vielseitigen Angebot gehören auch Skulpturen: So etwa ein 40 Zentimeter großer Gottvater, der sich als Halbfigur über einem Wolkensockel erhebt. Von Georg Wittwer in Landeck in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts geschnitzt, verfügt er über die originale Fassung (8800 Euro). Er konkurriert in der Gunst des Skulpturenliebhabers mit einem neapolitanischen, gefatschten „Kindl in der ornamentreich geschnitzten Barockwiege“ aus Marmor mit originaler Vergoldung (5800 Euro). Markus Strassner überrascht diesmal mit einer Serie von fünf grotesken musizierenden Sandstein-„Callot“-Zwergen aus dem 18. Jahrhundert (24.000 Euro). Zudem hat er neben Bildern von Leo Putz und Edward Cucuel wieder eine Anzahl Oskar-Mulley-Gemälde (9500 bis 98.000 Euro) dabei. Aus den 1920ern stammt eine attrak­tive Sammlung Louis-Vuitton-Reisegepäck mit Trunks und Schiffskoffern.

Einer von fünf musizierenden
Einer von fünf musizierenden "CAllot"-Zwergen, Sandstein, 18. Jahrhundert, angeboten vom Kunsthandel Strassner auf der "Kunst und Antiquitäten" (Abb.: Kunsthandl Strassner, Schärding)

Bei Gregor von Seckendorff (Bamberg) sind klassizistische Möbel, Gemälde und Bronzen aufs Attraktivste vereint. „Die Narzisse“, wohl ein Unikat nach einer erhaltenen Tonvorlage, die seit den 1950er-Jahren bei Rosenthal in Porzellan ausgeführt wird (36.000 Euro), und „Die Mignon“ hat Fritz Klimsch beide bei H. Noack in Berlin in Bronze gießen lassen (18.600 Euro). Eine 1886 signierte und datierte stimmungsvolle „Ruinenlandschaft“ mit beeindruckender Lichtregie des 1836 in Würzburg geborenen Ferdinand Knab in Öl auf Leinwand ist hier für 9600 Euro zu haben.

Neben Möbeln und Bildern entdeckt man bei Brigitte Martini immer auch aus­gefallene Einzelstücke. So etwa einen vierteiligen japanischen Stellschirm vom Ende des 19. Jahrhunderts mit großformatigen Falkendarstellungen (13.500 Euro). Unter ihren attrak­tiven Gartenobjekten ragt eine große englische Warwick-Vase vom Anfang des 19. Jahrhunderts heraus (13.500 Euro).

Biedermeier ist immer noch bzw. wieder gefragt. Zumindest bei den ausgewiesenen Fachleuten wie Dr. Tilman Roatzsch oder Sami Hawari, wo zeitlos schöne und praktische Möbel auf neue Besitzer warten. Roatzsch verweist auf ein seltenes zierliches Paar Thüringer Demi-lune-Tischchen, um 1825, im Originalzustand. In Kirschbaum furniert mit feinen Bandintarsien, ist es für 14.800 Euro zu haben. Ebenfalls bei Roatzsch zu erwerben ist eine süddeutsche, in Kirschbaum furnierte Récamiere, um 1815 (12.900 Euro). Wo könnte sich eine Dame in ihren eigenen vier Wänden besser in Szene setzen als hingelagert auf ein solches elegantes Möbel?

Sami Hawari aus München punktet mit einer Kirschbaum-Empire-Kommode um 1800 mit Karyatiden, die noch über ihre Originalfassung verfügen (8800 Euro) sowie einer weiteren zweischübigen Münchner Kommode um 1815 mit Blattrankendekor in Tuschmalerei, die Johann Georg Hiltl zugeschrieben wird (8600 Euro). Ein Paar Münchner Schaufelstühle mit feinen Ebenholz-Fadeneinlagen um 1820 stammt nachweislich aus der Münchner Residenz – mit Brand-Inventar-Stempel und Klebe-Etikett (9000 Euro).

Dem spiegelnden glamourösen Einrichtungsstil des Art déco hat sich Uwe Marbs verschrieben. Die Mischung klassischer Antiquitäten mit jüngerem Design und zeitgenössischer Kunst favorisieren Ladrón de Guevara oder Manfred Ehrl.

Ehrl (Greding) setzt auf Designklassiker wie einen Kleiderschrank von 1949/52, der von Le Corbusier für die Appartements der Unité d’Habitation in Marseille-Michelet entworfen worden ist (11.500 Euro), oder ein Paar schwedischer Jetson Chairs von Bruno Mathsson für Dux aus den 1960ern mit den originalen Lederbezügen (5800 Euro). Dazu passt ein Paravant aus Kunstglas von Paolo Venini von 1957 (39.000 Euro) mit einer tollen Geschichte!

Paolo Venni, Paravent Kunstglas, 1957 (Abb.: Ehrl Fine Arts & Antiques, Greding)
Paolo Venni, Paravent Kunstglas, 1957 (Abb.: Ehrl Fine Arts & Antiques, Greding)

Dass Teppiche sehr viel mehr sein können als ein eleganter Bodenbelag, zeigt Max Lerch anhand eines perfekt erhaltenen Heris-Seidenteppichs aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit vielfigurigen Jagddarstellungen und erlegtem Leopard sowie einer Engelsbordüre (26.000 Euro). Aus dem Anatolien des 17. Jahrhunderts stammt die Gebetsteppichrarität eines farbstrahlenden Ladik (21.000 Euro). Mit musealem frühen Kunsthandwerk kommt Gerhard Sauer aus Köln: Bei seinem „Francis Jug“ handelt es sich um einen Frechener Steinzeugkrug mit gemarkter vergoldeter Londoner Silbermontierung von 1580/81. Der attraktive Tigerware-Krug war ein Geschenk der englischen Königin Elisabeth I. an ihre Dienerin Frances Jefferson mit der Auflage, den Krug nur an weibliche Familienmitglieder desselben Vornamens weiterzuvererben. So geschah es bis 1801. Anfang des 20. Jahrhunderts gelangte das geschichtsträchtige Stück in die berühmte Sammlung William Randolph Hearst (125.000 Euro). Aus der Sammlung Spitzer, die 1893 in Paris versteigert wurde, stammt eine ungewöhnlich große süddeutsche Türmchenuhr um 1600 (85.000 Euro).

Am Gemeinschaftsstand von Francis Walter aus Straßburg, der auf frühes Glas und Miniaturen spezialisiert ist, und Christian Steeb aus Graz sei eine um 1700 entstandene Gouache wohl von einem Düsseldorfer Hofmaler im Originalrahmen hervorgehoben. Sie zeigt Johann Wilhelm II. Kurfürst von der Pfalz-Neuburg (1658-1716) – der einer Seitenlinie des Hauses Wittelsbach entstammt – als Erzschatzmeister des Hl. Römischen Reiches mit der Kaiserkrone in den Händen (18.500 Euro). Steeb verweist auf eine seltene museale Diatonische Cister, also eine Laute, aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die laut Originaletikett von „Johann Peter Wisser Lauten- und Geigenmacher zu Waldshut auf dem Schwarzwald 1734“ gefertigt wurde. Besonders beachtlich, dass sich der originale, mit Blumen bemalte Kasten erhalten hat (12.500 Euro).

Der belgische Aussteller Jan Dücker kombiniert Skulpturen mit frühem Kunsthandwerk in Messing und Fayence. Uhren und Barometer erwarten den Sammler wie gewohnt bei Heinz Grundner. Kende (Tübingen), Rauch (Marburg) und Schepers (Münster) sind auf Silber spezialisiert. Bei Schepers spannt sich der Bogen von einem Paar Breslauer Girandolen von Georg Kahlert d. Ä. 1723/37 (12.800 Euro) bis zum Londoner George-III-Sterling-Silber-Bierkrug des Jacob Marsh (11.700 Euro). Schmuck und Silber bilden die Schwerpunkte bei Nüdling oder L. T.-Medaillon; die Schweizer Contemp Art (Ewa und Rainer März) zeigt frühes Porzellan.

Unter den höfischen Prunkdosen bei Tom Tavcar (Pforzheim) fällt eine vierfarbige Louis-XV-Golddose mit Meistermarke des Mathieu Coiny III und Pariser Zunft-Punze für 1763/64 ins Auge. Eher für eine Dame gedacht war die Perlmuttdose, um 1800, mit einer Wiener Stadtansicht von Balthasar Wigand und Nähutensilien aus Perlmutt. Weitere Vitrinenobjekte unterschiedlichster Provenienz sind bei Dr. Birbaumer & Eberhardt oder Josip Kutnjak zu bestaunen.

Monika Fahrenson („Brigantine“) präsentiert Spitzenwerke des Kunsthandwerks, wie die 50 Zentimeter große Karlsruher Majolika-„Sitzende“ von Paul Scheurich (8000 Euro), den berühmten 13-flammigen Kerzenleuchter von Bruno Paul, den K. M. Seifert Dresden für die Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk 1901 in Messing gefertigt hat (25.500 Euro), oder eine halbrunde, von Wenzel Till in Mahagoni ausgeführte Polsterbank aus Richard Riemerschmids Salon von 1897, der im Münchner Glaspalast 1898 und 1899 ausgestellt war (22.000 Euro).

Michael Schwarze kommt mit Klassischer Moderne. Von Karl Hofer zeigt er ein monogrammiertes und 1944 datiertes „Blumenstillleben“ in Öl (Werkverzeichnis (Nr. 1857 mit Abbildung; 125.000 Euro), von Ernst Ludwig Kirchner das 1916 mit Feder und Pinsel in Tusche auf Papier gebannte „Königstein im Taunus“. Das großformatige Blatt war im Jahr 2000 als Exponat der Schau „E. L.Kirchner in Königstein“ in der Jahrhunderthalle in Hoechst ausgestellt. Jetzt wartet es für 75.000 Euro auf eine neue kunstaffine Umgebung.

Wer sich für Grafik interessiert, schaue sich beim Kunstkabinett Strehler sowie bei Bierl Vater und Tochter um. Auch Zeitgenössisches gibt es im Postpalast: Bronze oder Hartschaum gestaltet der Bildhauer Kuno Vollet (Jahrgang 1951) zu ästhetischen, bandartig verschlungenen Abstraktionen von zeitloser Schönheit und Eleganz („Infinitum 1“: Bronzeguss in 10er-Auflage oder „Infinitum 3“: weißer Hartschaum mit Metallic-Effektlack, 2-teilig beweglich; jeweils 3900 Euro).Die Innsbrucker Galerie Augustin spannt den Bogen von der dreiteiligen, mit Silberblech gerahmten Emailarbeit „Letztes Abendmahl“ des Innsbrucker Künstlers Max Spielmann von 1973/75 (14.000 Euro) zum heuer entstandenen Ölgemälde „Tra le mie nuvole“ von Elisa Anfuso (9500 Euro).

Die hochkarätigen Juwelen bei VKD – van Kranendonk Duffels sind nicht für den täglichen Gebrauch gedacht, Almut Wager wiederum bringt zu den Highlights sowohl Sammler- als auch Trägerstücke. Die Schmuckkreationen bei Seewald, Füchter oder Müller-Heffter im Postpalast hingegen kann man gleich anlegen.

Service

Messetermine

Highlights, Residenz, 25. bis 29. Oktober

Kunst & Antiquitäten, Postpalast, 21. bis 29. Oktober