Bild des Tages

Die Wiederentdeckung eines Fotografen

Die Ausstellung „Apropos Visionär“ im MAKK Köln entfaltet das lange vergessene Werk des Fotografen Horst H. Baumann

Von Catherine Peter
20.09.2023

Als Schüler hatte er seine ersten Veröffentlichungen. Mit zwanzig Jahren durchstreifte er die Straßen mit einer Leica um den Hals. Horst H. Baumann, geboren 1934 in Aachen, vor vier Jahren in Düsseldorf verstorben, galt in den 1950er- und 1960er-Jahren als aufstrebender Fotograf mit großem Talent. Zehn Jahre etwa dauerte seine fotografische Schaffensphase, bevor er sich anderen Medien widmete und nach und nach als Fotograf in Vergessenheit geriet. Dafür entstanden innerhalb dieser kurzen Zeit großartige Aufnahmen, angefangen mit seinen Kinderbildern in Schwarz-Weiß. Um das Leben der jüngsten Menschen im Deutschland der Nachkriegszeit festzuhalten, besuchte der Fotograf Volkfeste wie den Kölner Karneval und spazierte auch einfach durch die Stadt, wo Ruinen und Hinterhöfe gängige Spielplätze geworden waren. So schuf Baumann seine ganz persönliche Variante der Street Photography. Auf einem Hinterhof entstand auch die Aufnahme „Seine Bände“, der man etwas Ikonenhaftes nicht absprechen kann. Als deutsches Gegenstück zum berühmten „Gun 1“-Bild von William Klein, wo ein freches Kerlchen mit einer Pistole in die Kamera zielt, lässt uns dieses Bild nachdenklich zurück: Wie war es wohl, zu der Zeit Kind zu seien?

Übrigens: Am 20. Septenber ist Weltkindertag. Die Ausstellung „Apropos Visionär“ ist bis zum 28. Januar 2024 im Museum für angewandte Kunst (MAKK) in Köln zu sehen. Ein begleitender Bildband ist bei Steidl erschienen.

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